«Klub der jungen Dichter»: Die Puppen ...

Sira Frank erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie Mobbing ganz übel bestraft wird.

Sira Frank, Hergiswil b. W., 6. Primar
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Sira Frank.

Sira Frank.

Ich öffnete die Zimmertür. Und traute meinen Augen nicht… Einen Monat zuvor in der Londoner Highschool: «Hi, ich bin Leo und bin aus Deutschland hergezogen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, warum», lachte das Mädchen. Leo war 13 Jahre alt und recht gross für ihr Alter. Mit ihren langen, weissen Haaren und heller Haut sah sie aus wie ein Engel. Sie trug bequeme, schwarze Kleidung.

Doch da war etwas Komisches an ihr: Sie hatte die Augen verbunden! «Egal, was du tust, öffne niemals deine Augen», war das Letzte, was sie von ihren Eltern gehört hatte. Das war vor genau fünf Jahren. «Setz dich doch neben Brianna», hörte sie die Lehrerin wie aus weiter Ferne reden. «Wer ist Brianna?», fragte Leo.

«Ich», seufzte nach einer Minute Stille ein blondes Mädchen. Leo setze sich und hörte der Lehrerin zu. Brianna dachte: «Super, jetzt muss ich neben diesem Freak sitzen.» Sie holte in der Pause ihr Handy hervor und schrieb ihrer Bande: «Leute, ich habe ein neues Opfer gefunden. «Sie schickte ein Foto ihrer neuen Sitznachbarin in den Chat. Und bekam auch gleich Antworten: «Ihre Freundinnen Rieke und Millie schrieben: «Super, statten wir ihr nach der Schule einen Besuch ab?» «Perfekt», schrieb ihr Freund Sam. Brianna grinste in sich hinein. Das wird lustig!

Nach der Schule fingen die «Coolen» (Briannas Bande) Leo ab. «Was wollt ihr von mir?», fragte sie ängstlich. «Ach wir wollen nur …», sagte Brianna, «…das hier machen!», lachte sie und kippte Cola über Leos Kopf. «Bitte lächeln», gackerte Rieke und machte ein Foto. Das Mädchen rannte weinend nach Hause. (Sie konnte blind rennen, weil sie sich daran gewöhnt hatte!)

Eine Woche ging das so weiter! Doch am Freitag (dem Dreizehnten) gingen sie zu weit. «Hey Freak, wieso verbindest du dir die Augen?», fragte Brianna und riss die Augenbinde herunter und traute ihren Augen nicht. Der Freak hatte ein rotes und ein schwarzes Auge. Als sie ihr in die Augen schaute, merkte sie, dass sie schrumpfte. Sie wollte schreien, aber es kam kein Ton aus ihrem Mund. Sie war als Strafe ihres Benehmens zur Puppe geworden. «Was habe ich gerade getan? Karma, dachte sie und stopfte die Puppe in ihren Rucksack. Seitdem verschwanden alle, die je etwas Böses zu ihr gesagt haben.

Hier sind wir jetzt, zwei Wochen später. «Hi, ich bin Jenny und meine Mission ist, mich mit dem Mädchen anzufreunden und der Polizei Informationen zu liefern», sagte die junge Detektivin (ich). Ich freundete mich tatsächlich mit Leo an. Für ein Projekt mussten wir in Leos Haus etwas basteln. Als wir in dem gemütlichen Reihenhaus ankamen, musste Leo etwas holen.

Das war meine Chance! Ich sah mich im Haus um. Unter der Treppe befand sich eine Zimmertür. Ich öffnete die Zimmertür. Und traute meinen Augen nicht. Der Raum war vollgestopft mit Puppen der vermissten Kinder! «Du hast zu viel gesehen…», sagte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um.

Es war Leo, die ihre Augenbinde abnahm. «Nein, bitte nicht!», wollte ich schreien. Doch es war zu spät. Ich verwandelte mich in eine Puppe und gehörte nun auch zu den vermissten Kindern. Leo ist nicht gefunden worden, das heisst, sie versteckt sich noch da draussen ... Sie wird dich finden! Darum sei nett zu allen Menschen oder du wirst der Nächste sein…

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Nicht weniger als 4926 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2019 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Liebe macht blind» sowie ein Textanfang. Wir publizieren täglich zwei der besten 40 Geschichten. Sobald sie in der Printausgabe unserer Zeitung erschienen sind, finden Sie die Texte auch unter www.luzernerzeitung.ch/dichter. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mitvoten: Wir vergeben einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat Ihnen also ein Text gefallen, wählen Sie diesen online an. Sie können ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben wir Mitte Dezember bekannt. Wir danken allen Autoren, ihren Angehörigen und Lehrpersonen.