Klub der jungen Dichter

Wasser hin, Luft zurück und dazwischen etwas Liebe

Eline Huwiler, Aesch, erzählt im «Klub der jungen Dichter» von ihrem Abenteuer mit neuen Freunden und lernt, dass Mut stärker ist als Angst.

Eline Huwiler, Aesch, 6. Primar
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Eline Huwiler, Aesch, 6. Primar

Eline Huwiler, Aesch, 6. Primar

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann. Ich, Tim, der Rattenjunge, wachte wegen eines schrecklichen Donnerschlags mitten in der Nacht auf. Weil ich so erschrocken war, fiel ich deshalb von meinem Bett herunter. Genervt krabbelte ich auf mein Bett zurück und zog meine Decke über meinen schmerzenden Kopf. Erstaunlicherweise konnte ich schnell wieder einschlafen.

Am nächsten Morgen ging ich verschlafen, mit einer Beule am Kopf, in die Küche. «Na, konntest du ein Auge zutun in dieser stürmischen Nacht?», fragte der Rattenvater seinen Sohn. «Ja, aber mir brummt der Schädel noch immer! Ich habe mir sogar eine Beule unfreiwillig geholt, weil es in unserer Stadt so gekracht hat!» «Dieses Unwetter hat einiges angerichtet. Draussen verlaufen anstatt Strassen ganze Flüsse!», betonte die Mutter. «Oh, das muss ich sehen!», sagte ich neugierig.

Als ich die Haustür öffnete, kam gerade eine riesen Welle auf mich zu geschossen. Ich konnte nicht mehr rechtzeitig ins Haus zurück und die Welle zog mich fort. «Pass aaaaaa… », hörte ich meinen Vater noch hinterherrufen. Zum Glück schwemmte es noch ein Holzstück mit, dass ich mir als Rettungsboot schnappte. Das war also der Start in ein grosses Abenteuer. Ich musste wohl bewusstlos geworden sein, denn ich erwachte erst, als mein Boot stillstand. Ich schaute mich in der Gegend um und senkte traurig den Kopf. Vielleicht würde ich meine Eltern nie wieder sehen.

Plötzlich stiess ich mit jemandem zusammen. Es war Tom, eine Landratte. Tom bemerkte, dass ich Hilfe brauchte, und lud mich zu sich nach Hause ein. Toms Eltern gaben mir einen heissen Tee und ich erzählte, was ich noch über meine Reise wusste. Alle hörten mir gespannt zu. Tom riet mir, einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Sein Freund, der Adler, könnte den Brief dann überbringen. «Was, du hast dir einen Feind zum Freund gemacht?», schrie ich entsetzt. «Ja, das geht. Aber die Geschichte dazu erzähle ich dir ein anderes Mal.», antwortete Tom.

So kam es, dass ich mit meinem Brief an die Eltern mit zitternden Knien vor dem Adler stand. «Würdest du mir einen Gefallen tun und Tims Brief zu seinen Eltern fliegen?», frage Tom seinen Freund. «Spinnst du, ich bin doch keine Brieftaube!», sagte der Adler entrüstet und plusterte sich noch etwas mehr auf. «Na ja, du bist halt schnell und diese Nachricht ist wichtig!», bettelte Tom. Mutig kramt Tim einen Leckerbissen aus seiner Hosentasche und sagt: «Dieses Speckstück schenke ich dir, wenn du endlich den Abflug machst!» Und Tim fühlte sich gleich viel mächtiger. Der Adler hatte ein gutes Herz und machte sich mit dem Brief davon. Tage vergingen und wir warteten ganz ungeduldig auf die Rückkehr des Adlers.

Wir machten uns schon Sorgen, dass ihm etwas geschehen war, als ein Adlerschrei ertönte. Ganz erfreut schauten wir nach oben. Leider war es nicht Toms Freund. Erst Stunden später landete vor ihren Füssen der Adler. Endlich war er zurück! Ich fragte: «Warum dauerte das so lange, wir haben uns grosse Sorgen gemacht?» «Ehm, na ja. Ich … – habe eine Brieftaube kennen gelernt!», schwärmte er verliebt. «Wir flogen halt ein bisschen miteinander herum und da vergass ich wohl die Zeit. Aber ich kenne nun den Weg zu deinem Häuschen und deine Eltern erwarten dich. Ich werde dich zurückfliegen.», sagte der Adler ganz freundlich. Schliesslich verabschiedete ich mich von Tom und seinen Eltern und kletterte etwas wehmütig auf den Rücken des Adlers. So endete mein Abenteuer mit neuen Freunden und dem Wissen, dass Mut stärker ist als Angst.