Klub der jungen Dichter

Siegertext Online-Wettbewerb: Ronja Bocksch aus Luzern mit «Wir gehen»

Ronja Bocksch, Luzern, schreibt im «Klub der jungen Dichter» über zwei starke Bienenvölker, die sich gegen gefährliche Ameisen wehren müssen.

Ronja Bocksch, Luzern, 6. Primar
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Ronja Bocksch, Luzern, 6. Primar

Ronja Bocksch, Luzern, 6. Primar

Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte, denn alle rasten durcheinander und es summte und brummte im ganzen Palast. Schnell kurvte ich durch die Menge und surrte auf die Königin zu. «Majestät, hier meine Tolomania, unser Lieblingsessen» schrie ich durch den Lärm, doch die Königin erwiderte nur: «Die brauche ich jetzt nicht mehr, aber stell dich zu den Anderen aus Sektor A27, hopp, hopp!» Ich eilte los und erreichte A27. Ich reihte mich hinten ein, drängelte ein wenig weiter vor und dann sah ich sie. Mit hoch erhobenem Kopf und gestreckten Fühlern begann die Königin ihre Rede: «Liebe Mitbewohnerinnen, heute ist der Tag, auf den wir alle lange gewartet haben: Wir gehen!»

Zuerst verstand ich nicht, was sie meinte, doch als auf einmal alle zu tuscheln begannen, machte es in meinem Gehirn auch klick. Die eine Hälfte unseres Königinnenvolkes würde bleiben und die andere mit der alten Königin wegziehen. Ich wusste noch nicht, was ich wollte, denn meine alte Königin hatte ich lieb, doch wo würden wir dann leben? Andererseits kenne ich die neue Königin noch gar nicht. Ich hoffte, dass ich mich erst morgen entscheiden müsste. Doch als alle an mir vorbei in alle Richtungen davonstoben, wusste ich, dass ich mich jetzt entscheiden musste. Tolomania klar! Ich würde bleiben und das Königinnenreich niemals verlassen. Anscheinend dachten sehr viele Andere genau andersherum und die grosse Schar der Anderen drängte mich auf den Ausgang zu. Oh nein! Ich wollte doch nicht weg! Und schon waren wir draussen. Als wir ein paar Meter vom Palast entfernt waren, bog die Königin ab und setzte sich in ein kleines Astloch. Die Kundschafterinnen verabschieden sich mit einem Flügelschlag und begannen einen geeigneten Platz zum Wohnen zu suchen. Ich wollte auch mit, aber die Königin liess mich nicht. «Zu gefährlich, denn du bist noch zu klein!», meinte sie. Pff ... gefährlich.

Ich sauste, ohne dass es irgendjemand bemerkte, los. Hier war alles so grün und es roch wild wie eine Tolomaniablüte. Oh, dort vorne war eine tolle gelbe Rose! Ich surrte auf sie zu, doch als ich merkte, wie viele Ameisen in den Blüten voller Tolomania herumkrabbelten, bremste ich sofort ab. Ameisen waren gefährlich! Schnell sauste ich auf eine andere schöne Blume zu, auf der eine der Kundschafterinnen sass. «Die Ameisen greifen an!», keuchte ich. Doch die Kundschafterin hatte die Ameisenstrasse schon bemerkt. Sie führte genau zum Palast. Die Kundschafterin raste los, und ich eilte hinterher.

Kurz darauf war sie beim Astloch, wo die Königin schon wartete. «Die, die ...» Weiter kam sie nicht, denn sie war vorhin so schnell gerast, dass sie zusammenbrach und am Boden liegen blieb. Schnell und hastig erzählte ich der Königin alles, doch die zuckte nur mit den Fühlern und sagte, dass wir denen im Palast nicht mehr helfen sollten, da sie nicht mehr zu uns gehörten. Ich sah das ganz anders. «Also wirklich, die vielen anderen, die jetzt in Gefahr sind, sind doch unsere Schwestern. Wollt ihr sie etwa im Stich lassen?» Huch, ich war selber erstaunt über meine Rede.

Die Königin anscheinend nicht, denn als ich sie nochmals fragend ansah, wiegte sie den Kopf hin und her. Sie sah ruckartig auf und lächelte mich an. «Jawohl, wir werden ihnen helfen! Und du führst sie an.» Mein ganzes Volk surrte hinter mir her, als ich auf den Palast zu steuerte. Als wir ankamen, sahen wir, dass unsere Schwestern schon dabei waren, die Ameisen mit Wasserbomben zu bewerfen. Schnell packte auch mein Volk mit an, und innert kurzer Zeit waren alle Ameisen vertrieben. Wir hatten es gemeinsam geschafft; als starke Bienenvölker.