«Klub der jungen Dichter»

Wunschlos glücklich

Sina Renggli, Schüpfheim, erzählt im «Klub der jungen Dichter», wie sie bei einer Begegnung in einer geheimnisvollen Nacht wunschlos glücklich wird.

Sina Renggli, Schüpfheim, 2. Sek
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Sina Renggli, Schüpfheim, 2. Sek

Sina Renggli, Schüpfheim, 2. Sek

Die Nacht war kalt und stürmisch, als das Abenteuer begann, doch genau diese eine Nacht werde ich niemals vergessen.

Ich möchte gar nicht viel zu mir sagen. Ich denke, dies brauche ich auch nicht zu tun. Was du allerdings wissen musst, ich war seit dem letzten Jahr nie mehr richtig glücklich. Dies liegt daran, dass ich den Tod meiner besten Freundin immer noch nicht verarbeitet habe…

Ich schaue auf meine Uhr. Schon ungefähr das 4. Mal in dieser Nacht. Irgendwie kann ich nicht richtig zur Ruhe kommen. Ich drehe mein Kissen erneut, und in diesem Moment erscheint plötzlich eine Stimme im Raum. «Dies wird deine letzte Nacht.» Ich schüttle den Kopf. War das ein Traum? Plötzlich werde ich hellwach. Die Stimme hallt immer wieder durch meinen Kopf. «Dies ist deine letzte Nacht.» Ich stehe auf. Die Gedanken in meinem Kopf überschlagen sich. Was ist, wenn es wirklich meine letzte Nacht ist?

Ich beschliesse, mich anzuziehen. Nach ­einiger Zeit entscheide ich mich, aufzubrechen. Meine Eltern möchte ich nicht unnötig beunruhigen, darum schleiche ich leise aus dem Haus. Es war dunkel und nur das Licht der Strassenlaternen leuchtete. Meine Füsse laufen wie von selber in eine Richtung. Plötzlich stehe ich vor einem Karussell. Ich setze mich drauf, und sofort beginnt es zu fahren. Der Moment hat etwas Magisches. Da höre ich eine Stimme hinter mir.

«Hey», es ist ein Junge in etwa meinem Alter. Irgendwie kommt er mir bekannt vor, doch ich weiss nicht, warum. Ich habe gar nicht gemerkt, wie er hergekommen ist. «Folge mir», sagt er. Ich überlege mir nichts dabei und folge ihm einfach. Diese Nacht kann ja nicht mehr geheimnisvoller werden. Wir laufen ein ziemliches Stück im Wald. Normalerweise würde ich mich fürchten, denn es stürmt ziemlich stark, aber die ganze Nacht fühlt sich so vertraut und frei an. Nach ein paar Bäumen, die sich im Wind bewegen, kommen wir zu einem See. Die Wellen schlagen gegen die Bucht. Irgendwann halte ich das Schweigen nicht mehr aus.

«Wer bist du überhaupt?», frage ich. «Tut mir leid, das bleibt ein Geheimnis», antwortet er. Dies macht alles noch viel komischer. Als ich das Wasser noch länger beobachte, möchte ich am liebsten reinspringen. Und plötzlich mache ich es einfach. Es fühlt sich traumhaft an, endlich wieder glücklich zu sein. Als ich aus dem Wasser komme, wartet der unbekannte Junge schon auf mich. «Komm, weiter geht’s!», sagt er. Ich folge ihm und bin sehr gespannt, was als Nächstes passiert. Wir laufen am Seeufer weiter und plötzlich hält er inne. Vor uns geht ein wunderschönes Feuerwerk in die Luft. In diesem Moment bin ich wunschlos glücklich.

Als das Feuerwerk vorbei ist, schaue ich wieder auf den See. Der Himmel leuchtet in wunderschönen Farben. Von orange bis lila. Die Nacht ist bald vorbei und als ich mich umdrehe, ist der Junge verschwunden. «Schade.» Plötzlich war mir klar, an wen er mich erinnerte! Tina… Sofort laufe ich zurück nach Hause. Ohne nachzudenken, steige ich in mein Bett zurück. Als mich ein Sonnenstrahl mitten ins Gesicht trifft, höre ich eine Stimme. «Das war ich dir schuldig», sagte eine vertraute Mädchenstimme, und ich wusste genau, wer es war. In diesem Moment wurde mir schwindelig, mein Körper wurde ganz schwer und ich schloss die Augen.