Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Rückblende mit Geschichtenerzählerin Jolanda Steiner: «Bis heute habe ich nachts in der Natur nie Angst»

Vögel, Insekten und ein Reh: An einem Blauringlager erlebte die Märchen- und Geschichtenerzählerin Jolanda Steiner ein abenteuerliches Missgeschick, das zu einer prägenden, fast magischen Erfahrung wurde.
Interview: Simon Mathis
Jolanda Steiner früher im Blauringlager (linke Bildhälfte in der Mitte) und heute. (Bilder: PD)

Jolanda Steiner früher im Blauringlager (linke Bildhälfte in der Mitte) und heute. (Bilder: PD)

Welches Lagererlebnis wird für Sie unvergesslich bleiben?

In einem Blauringlager, das war wohl so um 1973, hiess es: «Heute treffen wir die Jungs des Pfadilagers». Diese hatten ihre Zelte ganz in der Nähe unseres Lagerhauses aufgeschlagen. Dieses Treffen hat uns Mädchen extrem gefreut. Es wurde so richtig spannend: Wir Mädchen – freiwillig, nur jene die wollten – wurden von einer Gruppe Jungs zu einem Versteck geführt. Jedes Mädchen einzeln an einen anderen Ort mitten in der Natur. Dort mussten wir warten, bis uns die andere Gruppe fand. Diese Pfadiübung fand bewusst in der Dämmerung statt, denn die Gruppen mussten mit Hilfe von Signalen, welche mit Taschenlampen ausgesendet wurden, unsere Aufenthaltsorte finden. Sozusagen Morsezeichen mit Licht. Mein zugewiesenes Versteck war in einem ausgetrockneten Bachbett. Ich hielt mich an die Anweisung, ja keinen Laut von sich zu geben. Die Zeit ging vorbei, eine Stunde ... zwei Stunden ... Und irgendwann waren keine Taschenlampen mehr zu sehen. Ich blieb tapfer und ganz ruhig in meinem Versteck, bis es heller wurde.

Nun war ich überzeugt, dass die Übung wohl zu Ende war und sie mich nicht gefunden hatten. Tatsächlich, man hatte mich vergessen! Und erst, als mich die Leiterin des Blauringlagers vermisst hat, wurde die gesamte Pfadigruppe aufgeboten, nach mir zu suchen! Ich sehe noch heute das Gesicht des Pfadichefs, als er vor mir stand und um ihn eine Schar Jungs, die sich freuten, als sie mich sahen. Das war ein lässiger Anblick!

Die Angelegenheit wurde dann aber nicht weiter thematisiert. Ich habe übrigens keinerlei Schaden davongetragen! Denn ich erlebte in dieser einsamen Nacht mitten in der Natur viele wundersamen Geräusche, sah und hörte Vögel, Insekten, der Sternenhimmel über mir. Am Morgen ein Reh, nur ein paar Schritte von mir entfernt. Nichts war bedrohlich, ich hatte keine Sekunde Angst! Dieses Gefühl der Geborgenheit mitten in der Natur war ein ganz tolles Erlebnis! Es bleibt unvergesslich und noch heute habe ich nachts in der Natur nie Angst! Vielleicht dank dieser etwas speziellen «Lagerübung» vor mehr als 45 Jahren?

Und was würden Sie lieber vergessen?

Das Heimwehgefühl in meinem allerersten Blauringlager in Ulrichen/VS. Es war ein Zeltlager mit viel Regen. Und mein liebstes Gspändli, das mich zur Teilnahme überredet hatte, fand im Lager eine neue Freundin. Die beiden schlossen mich aus, hatten Geheimnisse. Das war hart.

Das hat Ihnen den Spass an den Sommerlagern nicht vermiest?

Nein, sonst ging ich immer sehr gerne in die Lager. Am liebsten in jene Schullager, wo ich als sogenannter «Hausburscht» teilnehmen konnte. Der hiess wirklich so! Die Aufgabe war putzen und abwaschen. Ich war zwar gleich alt wie die anderen, aber als «Hausburscht» hatte man das Privileg, am Lagerleiter-Tisch zu essen! Im Winter musste man nicht in einer Gruppe Skifahren und die Teilnahme beim Skilager war gratis. Ich hätte damals aus Kostengründen kein Skilager besuchen können. Später war ich dann leidenschaftlich gerne Lagerleiterin!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.