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Interview

Rückblende mit Tobi Gmür: «Ich buhlte um das schönste und selbstbewussteste Mädchen des Lagers»

Der Luzerner Musiker Tobi Gmür erinnert sich an fussballerische Triumphe, an pubertäre Eroberungen und an ein peinliches Geheimnis, das er mit viel Sorgfalt verbarg.
Interview: Simon Mathis
Tobi Gmür (ganz rechts) 1986 im Sommerlager in Malvaglia. (Bild: PD)

Tobi Gmür (ganz rechts) 1986 im Sommerlager in Malvaglia. (Bild: PD)

An welches Lager erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Besonders gerne erinnere ich mich an das Hoflager im Sommer 1986 in
Malvaglia. Ich ging nicht freiwillig. Meine Eltern schickten mich dahin,
als eine Art Strafe für etwas, das ich ausgefressen hatte. Das Lager
dauerte drei Wochen, meine beiden Schwestern waren ebenfalls dabei – freiwillig. Gefallen hat es mir dann trotzdem, wir haben viel erlebt und gemacht. Und beim Lager-Fussballturnier spielte ich die Spiele meines Lebens. Jeder Pass, jeder Freistoss und jeder Zweikampf gelang. Das habe ich bis heute nicht vergessen. Das abendliche Singen habe ich immer besonders genossen, das war für mich pures Glück.

Was an diesem Lager wird für Sie unvergesslich bleiben?

Ich buhlte – zusammen mit einigen Konkurrenten – um das schönste und selbstbewussteste Mädchen des Lagers. Zwei lange Wochen war ich sehr geduldig, in der Dritten ging ich dann in die Offensive, nachdem sich meine Mitbewerber einer nach dem andern einen Korb einfingen. In der letzten Nacht des Lagers durfte ich sie dann küssen. Im Mädchenschlag. Dieser Erfolg verhalf mir zu einem schönen Gewinn an pubertärem Selbstvertrauen.

Und was würden Sie lieber vergessen?

Lager waren für mich auch immer sehr herausfordernd. Denn ich war ein
Bettnässer. Aus der Not heraus perfektionierte ich die Strategien, um
nicht entlarvt zu werden. Nachts ganz leise Matratzen zu wechseln,
Kleidungsstücke auszuwaschen und unauffällig trocknen zu lassen, ohne
dass jemand aufwacht: das war Nacht für Nacht mit viel Stress und Scham verbunden.

Welche Rolle spielten Sie während des Lagers?

So weit ich mich erinnern kann, war ich recht integrativ. Ich
verstand mich eigentlich meist mit allen. Vor grösseren,
draufgängerischen Buben hatte ich Respekt. Wenn von denen keiner dabei war, konnte ich auch der Spassmacher sein.

Haben Sie Ihre Eltern vermisst?

In diesem Sommerlager habe ich meine Eltern nicht vermisst.
Schliesslich haben sie mich «eingewiesen». In anderen Lagern jedoch hatte ich viel Heimweh. In Kontakt blieb man per Briefpost und ab und zu mit einem Festnetzanruf.

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