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Zu wenig Spenden wegen Ferien: Blutreserven in der Zentralschweiz werden knapp

Die Ferienabwesenheit der Bevölkerung macht sich bei den Zentralschweizer Blutspendezentren bemerkbar. Wer in bestimmten Regionen Ferien verbringt, ist zudem nach seiner Rückkehr vorerst nicht zur Spende zugelassen. Dafür reicht schon eine Reise ins Nachbarland.
Lucien Rahm
Eine Frau lässt sich im Spendezentrum an der Maihofstrasse in Luzern Blut entnehmen. (Bild: Pius Amrein, 11. Januar 2016)

Eine Frau lässt sich im Spendezentrum an der Maihofstrasse in Luzern Blut entnehmen. (Bild: Pius Amrein, 11. Januar 2016)

Aufs Ende der Ferienzeit hin seien die Blutreserven der Zentralschweiz beinahe aufgebraucht, sagt Claus Werle, Leiter Blutspendemanagement des Blutspendedienstes Zentralschweiz (BSDZ). Insbesondere die Blutgruppen Null positiv, Null negativ und A negativ seien derzeit nur knapp vorhanden. Die Negativ-Blutgruppen sind in der Bevölkerung mit einem Anteil von rund 15 Prozent eher wenig verbreitet.

Eine Gefahr für Patienten, die auf Spenderblut angewiesen sind, besteht deshalb aber nicht, sagt Tina Weingand, medizinische Direktorin des BSDZ. «Notfalls können wir Blutreserven bei einem der anderen zehn regionalen Blutspendedienste der Schweiz anfordern.» In gewissen Regionen, wie beispielsweise Neuenburg-Jura, werden viele mobile Blutspenden durchgeführt, da es dort keine grossen Zentrumsspitäler gibt. Daher verfügt der dortige Blutspendedienst über grössere Reserven und könnte allenfalls aushelfen. Dennoch wäre Weingand froh, wenn die Leute nun vermehrt spenden würden.

«In den nächsten Wochen werden wir mit mobilen Blutentnahmen die Blutspenden kurzfristig erhöhen.»

Claus Werle, Blutspendedienst Zentralschweiz

Um dies zu erreichen, muss der Spendedienst jeweils seine Kommunikationsaktivitäten intensivieren. Mitarbeiterinnen seien derzeit daran, registrierte Spender via E-Mail und Telefon zu einem erneuten Besuch zu motivieren, sagt Werle. Zusätzlich werden in den nächsten Wochen mobile Blutentnahmen in der ganzen Zentralschweiz durchgeführt. «So können wir die Blutspenden kurzfristig erhöhen», sagt Werle.

Doch auch wenn die Feriengänger wieder zurück sind, schränken gewisse Umstände ihre Fähigkeit zur Blutspende ein. In Teilen der beliebten Ferienregion Norditalien ist diesen Sommer wieder das West-Nil-Virus aufgetaucht. Eine Infektion kann gemäss Bundesamt für Gesundheit hohes Fieber hervorrufen, «manchmal mit einer Hautrötung am Rumpf». Dazu kommt es allerdings nur in rund 25 Prozent der Fälle. Aufgrund der diesjährigen Hitze sind die Stechmücken, die das Virus übertragen, früher und in höherer Zahl als üblich vorhanden. Für Leute, die ihre Ferien in Norditalien verbracht haben, gilt daher eine Wartefrist von einem Monat, in der sie nicht spenden dürfen.

Würde die Reservesituation schweizweit äusserst kritisch, würde man einen «kompletten Medienaufruf» vornehmen, so Werle. «Dann kommen die Leute wirklich auch.» Um die Effektivität dieser Massnahme nicht zu verwässern, sei man hiermit jedoch vorsichtig.

Blut «sehr mühsam zu beschaffen»

Die Spendenfreudigkeit habe in den letzten fünf Jahren aber auch generell abgenommen, hat Werle den Eindruck. Die rund 6075 Liter Blut (13'500 Einheiten à 450 Milliliter), die es in der Zentralschweiz jährlich braucht, seien «sehr mühsam zu beschaffen». Die Bevölkerung habe vermutlich weniger Zeit für solche Dinge als früher. «Und das Bedürfnis, etwas für die Allgemeinheit zu tun, ist vielleicht nicht mehr so gross wie auch schon», so Werle. Hinzu komme, dass die ältere Generation, für die das Blutspenden noch «zum guten Ton» gehört habe, zunehmend weniger spendefähig ist, ergänzt Weingand. Regelmässige Spender dürfen sich bis 75 zur Verfügung stellen.

Immerhin: Der Bedarf der Spitäler an Blutreserven hat in den letzten Jahren etwas abgenommen. Dies unter anderem Dank verbesserter, blutverlustärmerer Operationsmethoden. Vor fünf Jahren wurden jährlich noch rund 8100 Liter Blut benötigt.

Die zahlreichen Kriterien, die ein Spender erfüllen muss, machen das Ganze auch nicht gerade leichter. Es kämen immer mehr Krankheiten hinzu, die eine Spende zumindest vorübergehend verunmöglichen würden, sagt Werle. «Durch die starke Reisetätigkeit der Bevölkerung gelangen solche Krankheiten auch zunehmend zu uns.» Dazu gehören unter anderem Malaria, das Dengue-Virus oder Chikungunya, das wie Dengue ein hohes Fieber und Hautausschläge auslösen kann. Dass solche tropischen Krankheiten während des Sommers auch zunehmend bis nach Europa gelangen, könnte laut Blutspende SRK Schweiz mit der Klimaerwärmung zu tun haben. Bescheren uns die kommenden Jahre ähnliche heisse Sommer wie den aktuellen, könnte die Beschaffung von Blutreserven also zunehmend schwieriger werden.

Die Bedingungen, um Blut spenden zu dürfen

Um zur Blutspende zugelassen zu werden, hat eine spendewillige Person eine Vielzahl an Kriterien zu erfüllen. Unter anderem darf sie gemäss Blutspende SRK Schweiz:

- nicht weniger als 50 Kilogramm wiegen. Das entnommene Blut muss weniger als 13 Prozent des gesamten Blutvolumens einer Person ausmachen. Wiegt der Spender weniger als 50 Kilogramm, ist dies nicht mehr gewährleistet.

- in den letzten zwölf Monaten kein Kind geboren haben. Bei Geburten kann es zu Blutverlust kommen, weshalb auf die Entnahme zusätzlichen Blutes verzichtet wird.

- keinen sexuellen Kontakt mit wechselnden Partnern haben oder mit jemandem, den man weniger als vier Monate kennt: Laut Blutspende SRK Schweiz bergen diese Verhaltensweisen statistisch gesehen die Gefahr der Übertragung von gefährlichen Infektionskrankheiten.

- als Mann keinen sexuellen Kontakt mit einem anderen Mann haben. Auch dieses Sexualverhalten birgt laut Blutspende SRK Schweiz eine erhöhte Gefahr der Übertragung von gefährlichen Infektionskrankheiten. Seit dem 1. Juli 2017 sind homosexuelle Männer zur Blutspende zugelassen, wenn sie zuvor ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann gehabt haben.

- keine Tätowierungen oder Piercings in den letzten vier Monaten erhalten haben. Denn dabei treten kleine Verletzungen am Körper auf. Diese können Bakterien und Viren den Zugang zur Blutbahn ermöglichen.

- sich von 1980 bis 1996 nicht länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich aufgehalten haben. Dort sind in dieser Zeit mehrere Fälle der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufgetreten. Da eine Übertragung via Blut nicht ausgeschlossen werden könne, musste die Blutspende SRK Schweiz «diesen vorsorglichen Ausschluss vornehmen».

Blut wird während Entnahme überprüft

Das abgezapfte Blut wird untersucht, bevor es für die Transfusion in einem Spital freigegeben wird. Dabei wird es auf Hepatitis A, B und C, HIV, Syphilis sowie den Parvovirus B19 überprüft. Weitere Tests – zum Beispiel auf tropische Krankheiten – werden nicht vorgenommen. Laut Claus Werle wären solche Tests sehr kostenintensiv.

Seine Blutgruppe muss ein Spender selbst nicht kennen. Sie wird im Rahmen der Entnahme durch eine Analyse bestimmt.

Die Angaben des Spenders zu seiner Gesundheitssituation werden in einem Fragebogen erhoben. Mit seiner Unterschrift bestätigt der Spender dann die Richtigkeit seiner Angaben, auf die man sich danach verlasse, so Werle. (lur)

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