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LUZERN: Offen über Blasenschwäche reden

Zum Thema «Wenn es unfreiwillig tröpfelt – die Reizblase» beleuchtete der Urologe Beat Kreienbühl die medizinischen Hintergründe. Karin Kuhn zeigte Wege aus dem Tabuthema auf.
Karin Kuhn motiviert mit Fachvorträgen Betroffene, ohne Hemmungen mit dem Arzt über Blasenprobleme zu sprechen.

Karin Kuhn motiviert mit Fachvorträgen Betroffene, ohne Hemmungen mit dem Arzt über Blasenprobleme zu sprechen.

Yvonne Imbach

Schätzungsweise 400 000 Menschen in der Schweiz kennen das Problem: Häufiges Wasserlassen, starker Harndrang, unkontrollierter Harnverlust oder unterbrochener Schlaf, weil man zur Toilette muss. Die Lebensqualität leidet. Nur etwa 60 Prozent der Betroffenen aber suchen den Arzt auf. Das Thema ist für viele ein Tabu. Erst wenn der Leidensdruck überhandnimmt, wird der Gang zum Haus- oder Facharzt unternommen.

Um diesem schambesetzten Thema offen zu begegnen und fachliche Informationen zu vermitteln, lud die «Luzerner Zeitung» im Rahmen ihrer Vortragsreihe «LZ Forum» letzte Woche in den Medienraum im Maihof. Zum Thema «Wenn es unfreiwillig tröpfelt – die Reizblase» referierte in einem ersten Teil der Luzerner Urologe Dr. med. Beat Kreienbühl (siehe Infobox unten rechts). Er gab sein Fachwissen leicht verständlich und mit einer schönen Prise Humor den zahlreich erschienenen Vortragsbesuchern weiter. Gleich zu Beginn stellt er klar: «Reizblase heisst nicht gleich Urinverlust. Und wer Urin verliert, hat nicht unbedingt eine Reizblase.»

Blasenbeschwerden haben spezifische Ursachen

Um der Volkskrankheit Urininkontinenz näherzukommen, zeigte der Facharzt anhand einer Skizze auf, wie die Blase anatomisch aufgebaut ist und welche Funktion sie erfüllt: «Im Normalfall speichert die Blase Urin ohne Verlust und wird entleert, ohne dass Urin zurückbleibt. Dies wird durch das Nervensystem gesteuert. Blasenbeschwerden haben spezifische Ursachen.» Das könnten Entzündungen und Infekte sein, Blasentumore und -steine sowie Prostataleiden. «Auch neurologische Leiden wie MS oder Parkinson führen häufig zu ­Inkontinenz», sagte Kreienbühl. Und gynäkologische sowie Magen-Darm-Pro­bleme könnten sich auch auf die Blasenfunktion auswirken.

Erster Ansprechpartner bei Blasenbeschwerden ist der Hausarzt, denn nur eine abgeklärte Blasenschwäche kann zielgerichtet therapiert werden. Ein 24-Stunden-Protokoll über die Urinausscheidungen sowie die Laboruntersuchung auf Eiweiss, Blut, Bakterien und Zuckergehalt im Urin gehören zu den ersten Massnahmen. Eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) und ein Urodynamik-Test sind weiterführende Untersuchungen, um die Ursachen der Beschwerden zu eruieren. Beim Urodynamik-Test wird die Füllung der Blase künstlich herbeigeführt und die Schliessmuskulatur gestestet. Beat Kreienbühl betonte: «Eigentlich ist die Blasenfunktion einfach: füllen und entleeren. Doch wie das gesteuert wird, ist komplex. Bei einer Reizblase ist die medikamentöse Therapie am wichtigsten.» Weiter könnten eine Verhaltenstherapie, eine Physiotherapie (Stichwort Beckenbodentraining), Spülungen oder seltener auch eine Operation sinnvoll sein.

«Ich komme mir vor wie ein kleines Kind»

Im zweiten Teil des Vortrages stellte Karin Kuhn das dem Thema Reizblase anhaftende Tabu in den Fokus. Sie leitet seit 16 Jahren die Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche (siehe Infobox unten links) und berichtete über die meistgenannten Sätze am Beratungstelefon. «Ich komme mir vor wie ein kleines Kind. Ich schäme mich. Ich habe Angst, nicht mehr als Erwachsener wahrgenommen zu werden.» Alles, was mit Ausscheidungen zu tun habe, sei den Patienten peinlich, sagte sie. «Dabei ist die Blase ein Organ wie jedes andere auch. Über Herzprobleme etwa spricht man ja auch offen. Reden Sie also über Ihre Probleme, gehen Sie zu einer Fachperson. Denn Blasenschwäche kann oft geheilt, es kann meist geholfen und sie kann immer gemanagt werden!» Die anschliessende Fragerunde wurde rege genutzt. Über häufigen nächtlichen Harndrang klagten zwei Zuhörer. Beat Kreienbühl betonte: «Mit dem Älterwerden verändern sich die Mechanismen, es ist normal, nachts die Toilette aufsuchen zu müssen. Alle zwei Stunden jedoch können auf Herz- oder Nierenprobleme hinweisen und gehören abgeklärt.» Auch nach alternativen Therapiemöglichkeiten wurde gefragt. Die chinesische Medizin, Entspannungstherapien und Goldruten- sowie Weidenröschentee wurden von den beiden Fachleuten empfohlen. Karin Kuhn betonte: «Hören Sie nicht auf zu trinken, sonst ist der Urin zu konzentriert und reizt die Blase zusätzlich. Wählen Sie aber das richtige Getränk wie stilles Wasser und Entspannungstees. ­Alkohol, Kaffee, rote Teesorten und Kohlensäure sind eher zu meiden.»

«Nun melde ich mich an»

Das Fazit der 90-minütigen Veranstaltung: Wer Beschwerden mit der Blase hat, sollte sich nicht schämen und nicht mit dem Gang zum Arzt zuwarten. Eine Zuhörerin sorgte für einen humorvollen Abschluss, als sie mit ihrer abschliessenden Wortmeldung an Facharzt Kreienbühl gerichtet zugab: «Meine Hausärztin will mich zu Ihnen überweisen. Ich nutzte den Vortrag, um mir erst ein Bild von Ihnen zu machen. Nun habe ich Vertrauen gefasst und melde mich an.»

Karin Kuhn, Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche

Karin Kuhn leitet seit 16 Jahren die Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche, eine Non-Profit-Patientenorganisation. Davor war sie 15 Jahre lang als Product Manager in einer internationalen pharmazeutischen Firma im Bereich Gynäkologie und Urologie mit Schwerpunkt Blasenschwäche tätig. Sie besitzt eine medizinische Grundausbildung und hat einige Jahre im Kantonsspital St. Gallen und im Universitätsspital Zürich gearbeitet.

Informationsstelle für Betroffene Die Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche hat sich zum Ziel gesetzt, Betroffene und andere interessierte Personen über Vorbeugung, Abklärung und Behandlungsmöglichkeiten zum Thema Blasenschwäche zu informieren und zu beraten. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit will die Gesellschaft dazu beitragen, die Blasenschwäche zu enttabuisieren sowie die bestehenden Hemmschwellen abzubauen, und vor allem Betroffene motivieren, offen mit ihrem Arzt über ihre Probleme zu sprechen. Nur so kann die Ursache ihrer Blasenschwäche geklärt und eine gezielte Therapie eingeleitet werden.

Auskünfte und Broschüren bei: Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche Gewerbestrasse 12 8132 Egg Telefon 044 994 74 30 info@inkontinex.ch www.inkontinex.ch

Der Referent: Dr. med. Beat Kreienbühl

Beat Kreienbühl hat seine medizinische Grundausbildung in Freiburg und Zürich absolviert. Die chirurgische und urologische Aus- und Weiterbildung fand am Kantonsspital Zug und am Universitätsspital Zürich statt. Nach der Ausbildung zum Facharzt für Urologie im Jahr 1991 war er als Oberarzt im Universitätsspital Zürich tätig und übernahm im Jahr 1994 eine urologische Praxis in Luzern. Gleichzeitig nahm er seine Belegarzt-Tätigkeit in der Klinik St. Anna in Luzern auf. 2009 folgte die Gründung der urologischen Gemeinschaftspraxis Urologik im Löwen-Center Luzern, wo er bis heute als Partner tätig ist.

Beat Kreienbühl setzte das Thema Blasenbeschwerden verständlich in den Fokus.

Beat Kreienbühl setzte das Thema Blasenbeschwerden verständlich in den Fokus.

Moderatorin Sedrina Schaller (Tele 1, links) führte souverän durch den Abend.

Moderatorin Sedrina Schaller (Tele 1, links) führte souverän durch den Abend.

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