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Mauer voller Leben und Kultur

Sie ist ein Geheimtipp: die Luzerner Museggmauer. Selbst Einheimische kommen hier ins Staunen – nicht nur wegen der Aussicht: Es gibt da auch alte Rathausuhren, einen Kulturhof und Vogelbrutstätten zu entdecken.
Der Männliturm mit seiner Terrasse bietet einen grossartigen Blick auf Stadt, See und Berge. Er kostet allerdings etwas Ausdauer beim Treppensteigen.

Der Männliturm mit seiner Terrasse bietet einen grossartigen Blick auf Stadt, See und Berge. Er kostet allerdings etwas Ausdauer beim Treppensteigen.

Als Zentralschweizer muss man nicht nach Berlin oder China reisen, um eine geschichtsträchtige Mauer zu besichtigen: Luzern hat die Museggmauer, die man schon bald wieder begehen kann. Ab Ostern haben vier ihrer neun Türme wieder geöffnet. Die «Krone der Altstadt» erzählt einiges über die historischen Anfänge der Stadt. Doch nur die wenigsten wissen, dass die Museggmauer auch einen wichtigen Lebensraum für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten darstellt. Doch der Reihe nach.

Markt, Gericht, Befestigung: Diese drei Bedingungen mussten im Mittelalter erfüllt sein, um als Stadt anerkannt zu werden. Im 14. Jahrhundert begann man mit dem Bau einer Stadtbefestigung, um sich vor Feinden zu schützen und um das Ansehen und Prestige von Luzern zu steigern. Dabei entstanden zwei Befestigungsringe. Der innere Ring wurde entlang des Löwen- und Hirschengrabens, zusammen mit der Kapell- und Spreuerbrücke, gebildet. Um 1350 erfolgte der Spatenstich für die Türme und die äussere Befestigungsmauer, der Museggmauer, auf der Nordseite der Stadt. Rund 200 Jahre sollte es dauern, bis diese fertig war.

Von den ursprünglich 30 Türmen sind – neben vier weiteren Türmen des inneren Befestigungsrings – noch neun Türme entlang der Museggmauer übrig. Der Rest fiel dem Fortschritt zum Opfer. Ab 1860 gewann Luzern als Tourismus- und Verkehrsort an Bedeutung, und die damaligen Stadtplaner benötigten mehr Platz für den Bau von breiteren Strassen und Eisenbahnschienen. Heute sind noch 870 Meter der Mauer übrig, wovon rund 200 Meter begehbar sind.

Zeitzeugen der Uhrwerkskunst
Über den Schirmerturm gelangt man auf die Museggmauer. Gegenüber des Eingangs wacht Mauritius, der neben Leodegar einer der beiden Stadtheiligen ist. Früher war das Schirmertor Verbindung zwischen Stadt und Land. Dieser Gegensatz ist heute noch spürbar. Auf der Museggmauer angekommen, schweift der Blick im Norden über das ländlich geprägte Brambergquartier, im Süden über die Luzerner Innenstadt, die Berge und den Vierwaldstättersee.

Mit dieser Kulisse vor Augen spaziert man einen schmalen Weg entlang der Mauer bis zum Zytturm, der unter allen Türmen eine Sonderstellung einnimmt. Seine Errichtung diente einzig dem Ablesen der Zeit. Noch heute hat die Zytturmuhr ein Erstschlagrecht: Sie schlägt eine Minute früher als alle anderen öffentlichen Uhren in Luzern. Liebhaber der Schweizer Uhrwerkskunst kommen im Zytturm ohnehin auf ihre Kosten: Seit 2012 zeigt eine Ausstellung historische und regionale Turmuhren vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, darunter die Rathausuhr aus dem Jahr 1526. Ihr Ziffernblatt ist so gross, dass die Zeit auch von den Fischern auf dem See abgelesen werden konnte.

Der Zinnenweg führt weiter zum Wachtturm. 1701 hat ein Blitzeinschlag die dort gelagerten 350 Zentner Pulver zur Explosion gebracht, die als Steinregen auf die Stadt Luzern herabprasselten und sogar Todesopfer forderten. Mit der Hilfe von mehreren Generationen wurde der Turm wiederaufgebaut. Er ist einer der vier Türme, die öffentlich zugänglich sind.

Kulturhof Hinter Musegg
Noch vor dem Luegislandturm (mit 52 Metern der höchste Turm) geht es über dem Wachtturm hinaus zur Nordseite der Mauer zum Lebensraum Hinter Musegg, der seit bald 400 Jahren kultiviert wird. Neben den gediegenen Häuserreihen des Brambergquartiers und dem angrenzenden Sportplatz wird man auf einen Kulturhof aufmerksam, der Hochlandrinder, Alpakas, Ziegen und Hühner beherbergt.

Die Hofbeiz Hinter Musegg lädt mit Erfrischungen wie Most, Zvieri-Plättli, hausgemachten Kuchen und «Museggbier» zum Verweilen ein. Die Betreiber legen grossen Wert darauf, den Hof nach modernen ökologischen Standards zu bewirtschaften.

Der Biobauernhof ist auch ein Veranstaltungsort für kulturelle Anlässe. Vom 22. Juni bis zum 7. Juli treten im Rahmen des ersten Sommerfestivals nicht nur kleinere Formationen und Solokünstler aus der Zentralschweiz auf, auch national bekannte Musiker und ­Kabarettisten wie etwa Stiller Has oder Joachim Rittmeyer sind diesen Sommer hier zu Gast.

Paradies für Tiere und Pflanzen
Im Frühjahr geht es in den faustgrossen Löchern der Mauer – Überbleibsel des unteren Holzgerüsts – rege zu und her. Seltene Brutvogelarten wie Mauersegler, Alpensegler, Gänsesäger und Turmdohlen zieht es hierher. Die Vögel legen zum Teil mehrere tausend Kilometer zurück. Doch auch Fledermäuse, Eidechsen sowie Wald- und Honigbienen, Schnecken und Spinnen haben die Museggmauer zu ihrem Wohnsitz gewählt. Kleinfarne, Moose und Flechten machen die Mauer­flora komplett.

Um auf die Brutgewohnheiten der Vögel Rücksicht zu nehmen und das natürliche Gleichgewicht nicht zu stören, dauerten die letzten Restaurierungsarbeiten fast zwölf Jahre. Die Website des Vereins und der Stiftung zur Erhaltung der Museggmauer enthält nebst Infos auch weiterführende Links für Interessierte, die thematische Führungen buchen oder in einem der Türme einen privaten Anlass feiern möchten.

Andrea Hofstetter

Infos

Ab 1. April bis und mit 1. November sind die Museggmauer, der Männliturm, Zytturm, Wachtturm und Schirmerturm von 8 bis 19 Uhr frei begehbar. Nachts sind Mauer und Türme jeweils geschlossen. Ohne Kinderwagen oder Rollstuhl ist die Mauer zu Fuss gut begehbar. Der Zinnenweg auf der Mauer ist schmal. In den Türmen sind enge, steile Holztreppen vorhanden. Besucher sollten schwindelfrei sein. Der Eintritt ist frei.

Weblinks
museggmauer.ch
turmuhrenluzern.ch
hinter-musegg.ch
luzern.com/stadtfuehrungen

Die Museggmauer in Luzern bietet nicht nur den Besuchern viel. Zugvögel, Fledermäuse, Bienen und Pflanzen finden hier einen selten gewordenen Lebensraum.

Die Museggmauer in Luzern bietet nicht nur den Besuchern viel. Zugvögel, Fledermäuse, Bienen und Pflanzen finden hier einen selten gewordenen Lebensraum.

Pia und Walter Fassbind vom Kulturhof Hinter Musegg.

Pia und Walter Fassbind vom Kulturhof Hinter Musegg.

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