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Alltag in Weiss

Weiss, so weit das Auge reicht – die unbunte Farbe prägt die Berufs­umgebung dieser vier Menschen aus der Zentralschweiz. Bei ihnen steht Weiss für Schnee, Reinheit, aber auch für Wertigkeit und Schönheit.
Andrea Hofstetter und Monika Burri
Silvan Gassmann (29), Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Silvan Gassmann (29), Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Je heller, je schöner

Gut 15 000 Schritte legt Silvan Gassmann täglich bei der Arbeit zurück. «Ein Abo im Fitnessstudio ist für mich überflüssig», schmunzelt der 29-Jährige. Als Papieringenieur optimiert er in der Perlen Papier AG die Produktionsanlagen und stellt sicher, dass die Qualität des Papiers stimmt, das zu Zeitungen und Magazinen verarbeitet wird. Dazu pendelt er auf dem weitläufigen Fabrikareal mehrmals täglich zwischen Produktion und Labor.

Bis aus einem Altpapierhaufen eine neue Papierrolle entsteht, dauert es in der Regel nur wenige Stunden. Die verschiedenen Papiersorten tragen Namen wie «Edelweiss» oder «Snowprint». Für Tageszeitungen werden eher dunklere, für Magazine und Werbekataloge eher hellere Weissegrade verwendet. «Je weisser das Papier ist, desto hochwertiger und teurer ist das Produkt, auf dem gedruckt wird», erklärt Gassmann. Der Einsatz von Bleichmitteln, Altpapier und Forstholzschnitzeln bestimme den jeweiligen Weissgrad. «Auf hellerem Papier kommen Bilder und Grafiken einfach besser zur Geltung.» Die Farbe Weiss beschäftigt Gassmann nicht nur beruflich. Auch im Privatleben zählt sie neben Blau zu seinen Lieblingsfarben: «Ich würde nie ein schwarzes T-Shirt tragen.»

Joe Inderbitzin (33), Engelberg. (Bild: Philipp Schmidli)

Joe Inderbitzin (33), Engelberg. (Bild: Philipp Schmidli)

Weiss als Grundlage

Der Nervenkitzel um die Schneesituation startet schon im Herbst. Ist es zum Beschneien kalt genug? Aus welcher Richtung weht der Wind? Welche Schneemengen werden auf welcher Piste benötigt? Joe Inderbitzin arbeitet heuer im dritten Winter als Beschneiungsleiter am Titlis und setzt sich mit diesen Fragen auseinander. Spätestens zu Weihnachten soll den Skigästen weisser Zauber und Pistengaudi garantiert sein. Wenn die Wetterbedingungen nicht mitspielen – wie es im vorletzten Winter schon der Fall war – kann es bis dahin schon mal knapp werden. «Die Anspannung war damals bei uns sehr gross», erinnert sich der 33-Jährige. «Es lebt ja nicht nur das Skigebiet, sondern ganz Engelberg vom Besuch der Wintergäste.» Vom Zeitdruck lässt er sich aber nichts anmerken. «Es gibt kein schöneres Erfolgserlebnis, als wenn die Pisten schön weiss sind und wir sie wie geplant eröffnen können.»

220 Schneeerzeuger sind am Titlis verteilt, ein Grossteil der Pisten wird regelmässig beschneit. Dass er während der Arbeitszeit auf Ski unterwegs ist, um die Schneequalität zu überprüfen, gefällt dem leidenschaftlichen Wintersportler am besten. «Für diesen Job sollte man sich gerne in den Bergen aufhalten.» Das Element Schnee gehört da zwingend dazu – egal ob Naturschnee oder maschinell hergestellter Schnee. Der Vorteil von Letzterem liegt in seiner Beschaffenheit. Natürliche Schneeflocken sehen aus wie kleine Kristalle und machen den Schnee fluffig und voluminös. Bei künstlichem Schnee schiessen Schneekanonen feine Wassertropfen in die kalte Luft, die zu runden, kleinen Eiskugeln gefrieren. Dadurch ist dieser Schnee härter, widerstandsfähiger und eignet sich insbesondere für Schneesportpisten.

«Schnee muss einfach weiss sein. «Sonst habe ich meine Arbeit falsch gemacht», sagt Inderbitzin augenzwinkernd.

Silvia Bucheli (60), Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Silvia Bucheli (60), Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Ganz heiss wird's wieder weiss

Der Geruch von Sauberkeit empfängt den Besucher in der Bründler Wäscherei an der Bruchstrasse in Luzern. Links und rechts türmen sich strahlend weisse Tischtücher, Servietten und Frotteewäsche aus der Gastronomie. Im Tagesrhythmus werden hier rund 1300 Kilo Weisswäsche sowie viele Einzelstücke gewaschen und gebügelt. «Wir waschen mehr als 90 Prozent weisse Wäsche, denn unsere Hotel- und Gastrokunden wie auch die private Kundschaft haben einen hohen Hygieneanspruch», erklärt Silvia Bucheli, Leiterin der chemischen Reinigung bei Bründler. Alles Weisse aus Naturfasern könne gut bei 95 Grad gewaschen werden. «Dank der hohen Waschtemperatur und dem Waschpulver wird das meiste wieder reinweiss», sagt die Spezialistin.

Wenn sich Flecken durchs Waschen nicht entfernen lassen, kommen diese Spezialfälle zur Fachfrau. «Blütenstaub- und Curryflecken sind am schlimmsten». Dann kann sie nur noch hoffen, dass das Wäschestück weiss und aus Baumwolle ist. Ist es aus Seide oder aus Kunstfaser und dazu noch bunt, wird es heikel. Dann agiert Silvia Bucheli nur nach Absprache mit der Kundschaft, weil der Stoff kaputtgehen kann. Die 60-Jährige aus Emmen blickt auf 38 Jahre Berufserfahrung zurück. «Berufsbedingt prägt die Sauberkeit eigentlich mein ganzes Leben», gesteht sie. Sie sei pingelig und schätze es sehr, wenn beispielsweise ihre Vorhänge in perfektem Weiss erstrahlen. «Ein reines Weiss verkörpert für mich Sauberkeit, vermittelt aber auch Vollkommenheit und Wahrheit.» Es erstaune sie nicht, dass man in Weiss heiratet oder die Kinder in Weiss getauft werden. «Dass ich Weisses so schätze, hat sicher auch mit meinem christlichen Glauben zu tun», ist sie überzeugt und streicht mit der Hand über das schneeweisse Tischtuch im Pausenraum der Wäscherei. «So ist es perfekt, oder?»

Aleksandra Mouzo (53), Kerns. (Bild: Philipp Schmidli)

Aleksandra Mouzo (53), Kerns. (Bild: Philipp Schmidli)

Nur selten in ganz Weiss

Ein schneeweisses Hochzeitskleid stehe nur den wenigsten Frauen, ist Aleksandra Mouzo überzeugt. «Reines Weiss passt einfach nur selten zum Hautton», sagt die Fachfrau von «Hochzeits-Träume» in Stans. Bei ihr dominieren in dieser Saison feinste Spitzen, glitzernde Steine und fliessender Tüll – das alles in gebrochenem Weiss, mit einem Hauch von Champagner oder feinstem Rosa. Hunderte von Kleidern hängen Bügel an Bügel und warten auf die passende Braut. Die Beratung erfordert viel Fingerspitzengefühl und Zeit. «Ich muss erkennen, was die Kundin möchte und was zu ihr passt, denn einfach durch die vielen Kleider an der Stange zu gehen, wäre eine Zumutung», sagt Aleksandra Mouzo. Zudem sei wichtig, dass sich die Braut nicht von Familienmitgliedern und Freundinnen beeinflussen lasse. «Nur die Braut allein steht hier im Mittelpunkt und soll entscheiden.»

Die Kernserin blickt auf 30 Jahre Erfahrung mit Brautkleidern zurück. Sie begann als Nebenbeschäftigung in ihrem Hobbyraum einen Secondhand-Brautmode-Shop aufzubauen – mehr per Zufall, weil jemand sein Brautkleid verkaufen wollte. Der Shop lief immer besser, die Kundschaft schätze die kompetente Bedienung. «Kleider waren in unserer Familie schon immer ein zentrales Thema. Meine Grossmutter war Haute-Couture-Schneiderin», erzählt die 53-Jährige. Als sich die Gelegenheit für einen eigenen Laden ergab, wagte sie zusammen mit ihrem Mann den Schritt in die Selbstständigkeit. Inzwischen ist das Geschäft schweizweit bekannt und das Thema «Weisse Hochzeit» bei Aleksandra Mouzo allgegenwärtig. «Bei uns ist besonders jetzt, in der weissen Jahreszeit, sehr viel los. Alle wollen im Frühling oder im Sommer weiss heiraten.»

«Saison» erscheint als Beilage in der «Luzerner Zeitung»

In der Winterausgabe des Magazins «Saison» erhalten Sie Inspirationen rund um die Festtage sowie überraschende Einblicke in die Farbe Weiss. Lassen Sie sich zudem zum Wellness-Aufenthalt verführen – einen gibt es beim Wettbewerb zu gewinnen!

Die Frühlingsausgabe von «Saison» erscheint am Samstag, 9. März 2019.

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