Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Region im Weinglas

Hiesiges Weinhandwerk ist angesagt. Heute bewirtschaften die Zentralschweizer Weinbauern rund 100 Hektaren Land. Dahinter stecken viel Wissen und Leidenschaft. Und auch eine veritable Renaissance des Schweizer Weinbaus.
Angel Gonzalo
Illustration: Lea Siegwart

Illustration: Lea Siegwart

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Weinbau in der Schweiz stark verbreitet. Allein im Gebiet rund um Hitzkirch war die Jahresproduktion mit über 1,3 Millionen Litern beeindruckend gross. Wenige Jahrzehnte später war es aber schnell vorbei mit dem Weinsegen aus heimischer Provenienz. Die Reblaus brachte in dieser Zeit europaweit die Winzer zur Verzweiflung, so auch in der Schweiz. Kurioserweise wurde das Luzerner Seetal, das traditionsreichste und grösste Weinbaugebiet der Zentralschweiz, davon weitgehend verschont. Doch auch hier wurde die Weinproduktion stark gedrosselt, wenn auch aus zwei anderen Gründen: Mit der Fertigstellung des Gotthard­tunnels wurde der Weinimport aus Italien schnell und günstig, worunter die heimische Produktion litt. Die zunehmende Industrialisierung zog zahlreiche Arbeitsplätze weg von den Feldern, hin zu den Fabriken. Bis zum Jahr 1960 ging die gesamte landesweite Rebfläche von rund 33 000 auf 12 500 Hektaren zurück. Erst nach und nach verlagerte sich der Markt wieder in Richtung heimische Produktion.

Brunner Weinmanufaktur. Das Weingut Eichberg liegt hoch über dem Sempachersee am Römerweg, jener Transitroute, die um 200 v. Chr. den Süden mit dem Norden verband und den regen Austausch von Gütern begünstigte. Es waren denn auch die Römer, die die Weinkultur ins Luzernische brachten. Der gelernte Winzer und Önologe Mathias Brunner setzt diese Weinkultur seit 2007 fort, als er die ersten Weinflächen zu bestocken begann. Heute erwirtschaftet er mit seiner Frau Cristina siebeneinhalb Hektaren, verteilt auf vier Weingüter, und produziert im Jahr über 70 000 Flaschen Wein. Brunner ist ein innovativer Winzer, der fruchtige, moderne Weine herstellt. Eigenkreationen wie «Roter Satz», eine Cuvée aus Cabernet und Zweigelt, oder der «Auxerrois Eichberg», ein Erstwein aus der Burgunder Rebe Auxerrois, sind typisch für Brunners Lust auf Neues. (Bild: PD)
Weingut Bisang. Erdverbunden war er schon immer, der Sohn eines Gemüsebauers im unteren Wiggertal, der trockensten und wärmsten Gegend im Kanton Luzern. Thomas Bisang trat in die Fussstapfen seines Vaters, wurde Gemüsebauer und begann eine Lehre als Winzer. Praktika und Wanderjahre entfachten sein inneres Feuer für den Weinbau. Heute bewirtschaftet er mit seiner Ehefrau Inès vier Reblagen auf insgesamt fünf Hektaren rund um Dagmer­sellen. Zusammen produzieren sie aus 8 Sorten Trauben 13 verschiedene Weine mit einem Ausstoss von rund 40 000 Flaschen pro Jahr. Bisang setzt grosse Hoffnungen auf die kleine Reblage Höchflue, unterhalb der markanten Felswand zwischen Reiden und Dagmersellen. Auf einem sandigen, tiefen Boden wachsen speziell kleine, aber gehaltvolle Beeren der Sorte Sauvignon Blanc und Chardonnay. (Bild: PD)
Sitenrain, Meggen. Der Panoramablick vom Megger Bio-Weingut Sitenrain über den Vierwaldstättersee bis hin zum Pilatus ist atemberaubend. Einen schöneren Arbeitsort können sich Nora Breitschmid und Benno Schwager nicht vorstellen. Die beiden ausgebildeten Winzer bewirtschaften mit Hilfe der gesamten Besitzerfamilie Breitschmid-Heiniger rund drei Hektaren und produzieren 15 000 Flaschen jährlich, drei Viertel davon sind Weissweine. Das Team auf Sitenrain setzt auf die Sorten Solaris, Souvignier Gris, Maréchal Foch und Cabernet Cortis – allesamt widerstandsfähige Sorten gegen den Mehltau. Die biologisch erzeugten Weine werden an Bio-Märkten und im Hofladen direkt verkauft. (Bild: PD)
Weingut zum Rosenberg. Mitten in Altdorf, am Hang des ehemaligen Kapuzinerklosters, liegt das Weingut zum Rosenberg. Manuel Tresch bewirtschaftet mit seinen vier Geschäftspartnern die Reben auf rund 1,3 Hektaren Land. Zum Sortenspiegel gehören Blauburgunder, Diolinor, Pinot Grigio und Solaris. Daraus keltern die Urner Winzer einige eigen­willige, charaktervolle Weine. Klima und Terroir im Urnerland eignen sich auf den ersten Blick nicht gerade für den Weinbau. Die Reussebene hingegen ist vergleichsweise sonnig. Die Reben des Weinguts Rosenberg wachsen auf einem Hang mit Südwestlage. Für den Rest, so Manuel Tresch, sorge der warme Föhn als «Traubenkocher». (Bild: PD)
4 Bilder

Bildgalerie: Empfohlene Weingüter

Die Entwicklung des Zentralschweizer Weinbaus ist eindrücklich. Die Anbaufläche hat sich in den letzten 30 Jahren auf rund 100 Hektaren vervielfacht. Der Klimawandel ist für diese Tendenz mitverantwortlich: Der Blütezeitpunkt der Reben hat sich um 14 Tage nach vorne verschoben. Heute herrschen in unserer Gegend bezüglich Sonnenscheindauer und Temperatursumme ähnliche klimatische Bedingungen wie vor 30 Jahren in Bellinzona. Das ist mitunter ein Grund, warum etwa die sonnenverwöhnte Merlot-Traube nun auch in unseren Breitengraden gut gedeiht. Die Produktepalette in der Zentralschweiz ist reichhaltig und umfasst über 40 Sorten mit der Bezeichnung AOC Luzern, die zu rund 200 verschiedenen Lageweinen verarbeitet werden. Dabei dominieren die beiden Rebsorten Pinot Noir und Risling-Sylvaner. Die Vielfalt ist gross, die Menge respektabel und die Qualität ist heute aufgrund einer zunehmenden Professionalisierung deutlich gestiegen.

Gut organisierte Winzer

Heute sind über 150 Einzel-, Paar- und Kollektivmitglieder im Zentralschweizer Weinbauverein ZWV organisiert. Hier sind die beruflichen Weinproduzenten und die Bewirtschafter von Kleinflächen bis 400 Quadratmetern aus den Kantonen Luzern, Zug, Uri, Nidwalden, Obwalden und Schwyz (ohne March und Höfe) zusammengeschlossen. Bislang haben die Produzenten der Zentralschweiz zahlreiche Erfolge an verschiedenen Weinprämierungen errungen – ihre Weine bestehen nationale und internationale Vergleiche. Toni Ottiger, der Zentralschweizer Wein­doyen, hat es als einziger Luzerner Vertreter in die renommierte Vereini­gung «Mémoire des Vins Suisses» geschafft. Dahinter steckt eine Institu­tion, die das Ansehen hochwertiger Schweizer Weine international gezielt fördert. So weist die Vereinigung etwa auf das vielfach noch verkannte Alterungspotenzials hin, das grosse Weine auszeichnet. Die Mitglieder – derzeit sind es über fünfzig – sind anerkannte, repräsentative Produzenten von Schweizer Weinen, die aufgrund der Qualität und des Potenzials ihrer Weine ausgewählt werden. Der Erfolg des erfahrenen Winzers Toni Ottiger ist repräsentativ für die Zentralschweiz, die nach dem Motto «klein, aber fein» herausragende Weine produziert. Na dann, zum Wohl!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.