Durch die weisse Winterwelt

Wer auf Schneeschuhen und mit offenen Sinnen durch die Natur wandert, erlebt eine wunderbare Winterwelt – zum Beispiel auf einer Tour mit Start und Ziel in Turren.

Elsbeth Flüeler
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Eleganter lässt sich die Geschichte dieser Destination kaum erzählen: Auf dem Weg von der Bergstation zum Restaurant Turren zeigen drei Gondeln und ein Sessellift, wie ab den 1960er-Jahren aus der Alp Breitenfed die Skistation Lungern-Schönbühl wurde. Es ist eine Geschichte in vier Akten, mit je einem Akt pro Bahn. Der fünfte hat im Mai vor zwei Jahren mit der orangefarbenen Luftseilbahn begonnen und heisst: Lungern-Turren-Schönbüel. Da stört kein Lift und keine Schneebar die winterliche Ruhe. Seit 2016 ist das Gebiet ganz dem stillen Tourismus überlassen. Ideales und abwechslungsreiches Schneeschuhgelände sei dies, sagt Paul Käslin, der Geschäftsleiter der Bahn. Und wie man von der Bergstation Turren aus über das ganze Gebiet blickt, so sieht man auch, ­warum. Die Alp Breitenfeld liegt einladend und weit unter den stotzigen Hängen von Arnifirst bis Höch Gummen und verliert sich gegen Westen im Tüfengrat. Nur das dem Höch Gummen vorgelagerte Schönbüel, der höchste Punkt der Wanderung, sowie der steile Hang darunter, sorgen für leichtes Stirnrunzeln. Wie kommt man da hinauf?

Der richtige Weg

Doch wie man sich auf den Weg macht, da sind die Bedenken schon verflogen. Schneeschuhlaufen im frühen Winter, das heisst in die kalte Sonne blinzeln und durch den eisig blauen Schnee stapfen! Schritt um Schritt geht es von Stange zu Stange. Die Mitarbeiter der Turrenbahn haben den Weg umsichtig im Gelände angelegt, so dass man die Tour bei fast jedem Wetter ohne Mühe und gefahrlos machen kann. «Vorausgesetzt, man folgt der Signalisation», gibt Paul Käslin als Ratschlag mit auf den Weg. Also alles und immer im grünen Bereich? Fast. Wer auf eigene Faust Schneeschuh wandert, tut auch auf ausgesteckten Trails gut daran, mit allen Sinnen unterwegs zu sein. Das macht die Sache auch spannend. Denn da ist der im ­Gelände leicht erkennbare Graben. Und wie man ihn durchwandert, so merkt man vielleicht, wie der Schnee leicht nachgibt. Weil der Wind ihn hierher getragen hat, hat er sich noch nicht verfestigt. Oder man entdeckt die Spur eines Hasen oder von einem Birkhuhn vielleicht. Und auf dem Weg zum Tüfengrat sieht man wieder das Schönbüel und nun auch das Bärghuis, das auf dem Berg oben hockt, und merkt sogleich: Der direkte Weg hinauf ist zu steil. Hier gilt es den Aufstieg zu finden. Die Stangen werden ihn weisen, und man wird tatsächlich gut daran tun, ihnen zu folgen.

Ausgiebig geniessen

Doch erst führt dieser Trail zum Tüfen­grat mit weiter Sicht über den Brienzersee bis zum Niesen. Oben auf dem Schönbüel aber, da ist sie noch umfassender. Da sieht man auch den Titlis und die Berner Alpen mit ihren Gletschern. Das Panorama ist von da oben derart grandios, dass man sich zum Abstieg richtiggehend zwingen muss. Doch im Winter bricht die Nacht schnell herein, und die letzte Turrenbahn fährt schon bald! Mühelos, wie von selbst, geht es nun über die weiten Hänge zum hübschen Alpweiler Breitenfeld. Die Stangen sind dabei nur Anhaltspunkte. «Die Hänge, wo man früher Ski gefahren ist, nehmen heute die Schneeschuhwanderer und Skitourenfahrer in Beschlag», so Paul Käslin. Und tatsächlich zeigen deren Spuren, dass sie die Hänge ausgiebig geniessen und dankbar sind für die stille Winterwelt. Fast zu schnell rückt das Ende der Schneeschuhtour heran. Schon gehen die Lichter im Restaurant bei der Turrenbahn an. Bald wird sich die Dämmerung über die Alp Breitenfeld legen. Und wie die Turrenbahn ihre letzten Gäste ins Tal fährt, da bricht auch schon die lange Winternacht herein.

Gut zu wissen

Die Tour: Für die Schneeschuh­wanderung Turren – Tüfengrat – Schön- büel – Turren braucht man zirka 4 Stunden. Die Wintersaison 2018/19 der Turrenbahn beginnt am 22. Dezember. Die Route ist auch auf Schweiz Mobil als Route 799 zu finden.

Einkehren: Bärghuis Schönbüel. Auf der Speisekarte stehen etwa das Alpkäse-Fondue oder das traditionelle Wiener Kalbsschnitzel. Zu empfehlen sind auch die Nussstangen.

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