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Es ist Jagdzeit

Als Geniesser und Beobachter der Natur zieht es sie das ganze Jahr hinaus in die Wälder und Berge. Im Herbst aber nehmen sie Flinte, Hund und Jagdhorn mit. «Saison» stellt vier Jagdbegeisterte aus der Zentralschweiz vor.
Monika Burri und Antonio Russo

Nie ohne Feldstecher

Denise Rudin, Hünenberg. (Bild: Philipp Schmidli)

Denise Rudin, Hünenberg. (Bild: Philipp Schmidli)

Schon als Kind war Denise Rudin (72) regelmässig mit ihrem Vater in der Natur unterwegs. Sie zeigt von ihrem Balkon aus auf die Reussebene und den nahen Wald, das heute eines ihrer Jagdgebiete ist, jeweils von September bis Januar. Mit scharfem Blick und Sinn für die Natur geht sie hier auf die Pirsch oder auch einfach nur zum Spazieren. Immer dabei: Terrier Rocky und ihr Fernglas. Das Interesse an der Jagd habe in den letzten Jahren, auch bei Frauen, zugenommen. «Im Kanton Zug ist der zweijährige Brevet-Kurs immer ausgebucht.» Rudin hat ihren Jagdschein vor rund 20 Jahren gemacht. «Vorher bin ich einfach nur mitgelaufen. Auch das hat mir sehr gefallen.» Für sie ist klar: Wer auf die Jagd geht, muss ein naturliebender Mensch sein. Das könne man auch in einem Kurs nicht lernen. «Wir besuchen regelmässig Schiessübungen, sodass wir möglichst sicher treffen», erklärt sie. Rudin sorgt in der Reussebene für die Regulierung des Wasservogelbestandes. «Scharenweise fischen Kormorane in der Reuss und gefährden im Winter den Fischbestand», so Rudin. «Manche Spaziergänger reagieren mit Unverständnis auf unsere Tätigkeit, aber ich bin überzeugt, dass ich mit der Jagd einen Dienst an der Natur leiste.»

Pflicht- und Ehrensache

Walter Gisler, Jäger und Schweisshundeführer, Altdorf (Bild: Philipp Schmidli)

Walter Gisler, Jäger und Schweisshundeführer, Altdorf (Bild: Philipp Schmidli)

Wenn am Gurt von Walter Gisler (55) der Pager piepst, weiss auch sein Hund Arco Bescheid: Irgendwo im Urner Wald oder in den steilen Bergflanken darüber ist ein verletztes Wildtier flüchtig – eine Nachsuche ist nötig, um es zu erlösen. Je nachdem, mit welcher Munition der Jäger geschossen und welche Körperstelle er getroffen hat, verliert das Tier wenig oder viel Blut – Schweiss, wie es auf Weidmännisch heisst. «Arco kann aber auch ohne sichtbaren Schweiss die Fährte aufnehmen und sogar unterscheiden, ob es sich um ein gesundes oder angeschossenes Tier handelt», erklärt Walter Gisler. Möglich macht dies das grossartige Geruchsorgan des Vierbeiners. Rund 1 Million mal besser als der Mensch kann ein Hannoveranischer Schweisshund wie Arco riechen. Freilich ist die natürliche Veranlagung nur eine Erfolgskomponente. «Zur Nachsuche zugelassen sind nur Hunde, die entsprechend ausgebildet wurden, eine Prüfung abgelegt haben und regel­mässig weitertrainieren», sagt Gisler. Und fit müssen Herr und Hund sein. Denn bis zur Anschussstelle ist das Gespann bis zu zwei Stunden in teils schroffem und stotzigem Gelände unterwegs. Während der Jagdsaison schiebt Gisler mit rund 25 weiteren Schweisshundeführern im Kanton abwechselnd Pikettdienst. Freiwillig, nur die Kosten für die Übungen werden durch Spendengelder finanziert. Für Gisler ist die Nachsuche nebst Pflicht auch «Ehrensache und das höchste Gut der Jagd». Darum steht er mit Arco schon seit neun Jahren auf der Pikettliste.

Jungjäger auf der Pirsch

Marc Reinhard, Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli (Bild: Philipp Schmidli)

Marc Reinhard, Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli (Bild: Philipp Schmidli)

Weidmannsheil! Der frisch patentierte Revierjäger Marc Reinhard hat auf der Sommerjagd seinen ersten Rehbock geschossen – einen «braven Bock», so nennt man in der Jägersprache ein kräftiges, schönes Exemplar. Eine Stunde vor Sonnenaufgang hat er sich im Wald am Fuss des Pilatus an einer geschützten Stelle hingehockt und gewartet. «Ich drücke nur ab, wenn ich absolut sicher bin, was vor mir steht, und wenn alles passt», sagt er. An diesem Augustmorgen hat offensichtlich alles gepasst: die Distanz zum Tier, der richtige Augenblick, der sichere Schuss. Marc Reinhard hat ein intensives Ausbildungsjahr hinter sich. Die Anforderungen an Jungjäger habe er unterschätzt. Schiesstraining, Theoriestudium, zahlreiche Kurse und viele Stunden im Kreis der Jagd­gesellschaft sind nötig, um an die Prüfung zugelassen zu werden. «An der Weidmannssprache habe ich am meisten gekaut», gibt der 42-jährige Bauingenieur zu. Der ehemalige Spitzen­sportler und passionierte Vogelkundler hat die Natur schon immer beobachtet und bewundert. Durch die Jagdausbildung habe sich sein Blick auf die Vorgänge in der Natur zusätzlich verschärft. Wenn er über das gerade erlegte Tier spricht, ist Marc Reinhard nebst der Freude auch grosser Respekt anzuhören. Und mag der Druck während der Ausbildung extrem hoch gewesen sein, so könne er das strenge Regelwerk im Jagdwesen gut nachvollziehen. «Zum Wohl von Mensch und Tier musst du als Jäger in jeder Situation genau wissen, was du tust.»

Das Horn ist immer dabei

Franziska Stalder, Hubertusbläser Luzern

Franziska Stalder, Hubertusbläser Luzern

Auf die weiss-rote Kordel, die an ihrem Fürst-Pless-Horn baumelt, ist sie stolz. Nur wer an einem eidgenössischen Bläserwettbewerb einen Spitzenrang erreicht, darf sich mit dieser Auszeichnung schmücken. Franziska Stalder (52) gehört zu den wenigen Frauen, die man in Jagdbläsercorps trifft. Nach der Jagdprüfung 1992 wollte ihre damalige Lerngruppe auch die musikalische Jagdtradition pflegen. Stalder und ihre Jägerfreunde meinten es ernst, kauften sich Hörner, nahmen Unterricht und traten musikalisch bald als «Hüenervögel» in ­Erscheinung. Später nannte sich das zehnköpfige Ensemble nach Hubertus, dem Schutzheiligen der Jäger. Das kleine Plesshorn hat, wie das grössere Parforcehorn, keine Ventile. Es lassen sich darauf fünf Naturtöne blasen. Entsprechend anstrengend und heikel sei das Zusammenspiel. «Ein unsauberer Ton, und der Gesamtklang leidet», sagt die passionierte Jägerin, der auch mal die Unterlippe platzt vom vielen Üben. Auf der Gesellschaftsjagd hat sie ihr Horn immer dabei. Als sie einmal im Aargau zur Jagd eingeladen war, hielt man den Hornkoffer für ihr Beauty-Case, erzählt Stalder lachend. Wenigstens fragt man sie heute nicht mehr, ob sie schon einmal etwas geschossen habe. Inzwischen beantwortet sie wichtigere Fragen zur Jagd. Im November etwa wird sie gemeinsam mit ihren Jagdkameraden beim Verein Natura Malters Jugendlichen Red und Antwort stehen.

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