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Fliegende Nomaden

Milliarden von Vögel bereiten sich derzeit auf ihre Reise in südlichere Erdteile vor. Auch in der Zentralschweiz lässt sich das Naturphänomen des Vogelzugs gut beobachten.
Andrea Hofstetter
In der romantischen Poesie wird der verlockende Gesang der Nachtigall oft mit Liebenden in Verbindung gebracht. Damit locken die Männchen die Weibchen an, die oft erst mehrere Tage nach ihnen aus Afrika zurückkehren. Die Nachtigall lebt gerne versteckt. Darum ist sie trotz ihres einzigartigen Singsangs oft schwer zu entdecken. (Bild: Peter Vonwil)
Das Winterquartier des Kuckucks liegt in den afrikanischen Savannen. Der Begriff «Kuckuckskind» kommt nicht von ungefähr: Er überlässt die Jungenaufzucht kleineren Singvögeln. Anschliessend ziehen die Jungkuckucke allein und ohne Hilfe Richtung Süden – ein einzigartiges Beispiel für ihren instinktiven Orientierungssinn. (Bild: Getty)
Die falkenähnlichen Alpensegler sind gut an ihren weissen Bäuchen zu erkennen, selbst in Siedlungsgebieten und Städten. Sie brüten am liebsten in hohen Gebäuden. In Luzern sind einige Kolonien in der Hofkirche und im Wasserturm der Kapellbrücke zu finden. Alpensegler sind Langstreckenzieher und überwintern im tropischen Afrika. (Bild: Peter Vonwil)
In der Schweiz ist er ein regelmässiger Brutvogel und Durchzügler. Er überwintert vorzugsweise in Westafrika und Spanien. Landwirtschaft und Pestizide machten den Stelzvögeln in der Vergangenheit zu schaffen. Dank Wiederansiedlungsprojekten nimmt der Storchenbestand hierzulande aber wieder zu. (Bild: Peter Vonwil)
Die Mönchsgrasmücke ist in der Schweiz ein häufiger Brutvogel und Durchzügler. Ihr Überwinterungsgebiet reicht von West- und Südeuropa bis nach Nordafrika. In den 60er-Jahren entdeckten einige Exemplare Grossbritannien als neues Winterquartier. Kein Wunder, ist doch die Vogelfütterung auf den Britischen Inseln weit verbreitet. (Bild: Peter Vonwil)
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Galerie Zugvögel

Schweizer reisen viel und gerne. Der Flughafen Zürich zählte 2017 fast 30 Millionen Passagiere, Tendenz steigend. Aber es gibt noch eine weitaus flugaffinere Spezies: Zugvögel nehmen jedes Jahr eine Strecke von bis zu mehreren tausend Kilometern auf sich, um vom Norden in den Süden und retour zu gelangen. Neueren Schätzungen zufolge sind jährlich 50 Milliarden Zugvögel unterwegs, davon rund fünf Milliarden zwischen Europa und Afrika.

Herbstzug ist vogelreicher

Anders als beim Menschen liegen der «Reiselust» der Vögel allerdings biologische Motive zugrunde. Der zyklische Vogelzug passiert zweimal pro Jahr: von März bis Mai Richtung Norden und von August bis Oktober Richtung Süden. Wer die Vögel vor oder während ihrer Reise beobachten will, kommt vor allem im Herbst auf seine Kosten. «Die Tiere haben dann gerade gebrütet, weshalb es viel mehr Exemplare gibt», erklärt Livio Rey, Biologe und Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach. Grundsätzlich werden die Vögel in drei Gruppen eingeteilt: Standvögel (ziehen nicht), Kurz- streckenzieher (ziehen von Nord- nach Südeuropa) und Langstreckenzieher (ziehen von Europa nach Afrika). Grössere Vögel wie Geier oder Störche sind eher tagsüber unterwegs. Sie sind vom Auftrieb abhängig, der durch warme Winde entsteht.

Flugkünstler in eisigen Höhen

Kleinere Vögel wie Singdrossel oder Rotkehlchen reisen wiederum lieber in der Nacht, um unliebsamen Feinden aus dem Weg zu fliegen. Wer denkt, die Vögel flüchteten vor den eisigen Temperaturen, irrt. Kleine Vögel fliegen in bis zu 4000 Metern Höhe über Meer nach Afrika und kommen mit der dünnen Luft und den sehr tiefen Temperaturen gut zurecht. Das haben Wissenschaftler mithilfe von Datensendern festgestellt, die sie an einem Drosselrohrsänger und an einem Neuntöter angebracht hatten. Die Kälte ist es also nicht, warum die Vögel wegziehen. «Der wichtigste Grund ist die Nahrungssuche.» Viele Zugvögel sind Insektenfresser. Wird die Nahrung in unseren Breitengraden knapp, brechen sie nach Süden auf. Die meisten Vögel bevorzugen Routen über Land oder den Küsten entlang. «Die Tiere orientieren sich zwar anhand der Sterne und Magnetfelder, aber in ihrem Gedächtnis sind auch Landmarken wie Feuchtgebiete oder Berge gespeichert», weiss Rey. Der Impuls, aufzubrechen, wird genetisch und hormonell gesteuert. In dieser Phase verändere sich sogar ihre Physiologie. Rey: «Der Magen-Darm-Trakt der Mönchsgrasmücke stellt sogar von Insekten- auf Beerennahrung um.»

In drei Tagen nach Spanien

Mitunter erreichen die Tiere beachtliche Flugzeiten. Einige benötigen nicht mehr als zwei bis drei Tage, um von der Schweiz nach Südfrankreich oder Spanien zu gelangen. Allerdings: Die Klimaerwärmung beeinflusst auch den Vogelzug. «Die höheren Temperaturen der vergangenen Winter sorgen dafür, dass Star, Bachstelze, Rotmilan oder Weiss storch immer häufiger bei uns bleiben, obwohl sie eigentlich Zugvögel sind», so Rey. Vor allem ältere Tiere nähmen die Strapazen des Vogelzugs weniger auf sich. Wasservögel wie Reiher-, Schnatter- und Tafelenten aus Skandinavien oder Russland ziehen im Winter unter anderem in die Schweiz, sobald die Gewässer im Brutgebiet zufrieren.

Vogelschau

Am Samstag, 6. Oktober, finden die Internationalen Zugvogeltage statt. Am «EuroBirdwatch 2018» richten ab 8 Uhr morgens der Natur- und Vogelschutzverein Schüpfheim und BirdLife Luzern einen Beobachtungs- und Informationsstand im Mettilimoos oberhalb von Entlebuch ein. In diesem Gebiet sind unter fachkundiger Anleitung neben Buchfink, Erlenzeisig, Star, Ringeltaube und Schwalben vor allem Greifvögel zu beobachten. Unbedingt mitnehmen: Feldstecher und/oder Fernrohr.

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