Gewappnet für die Kältetage

Diese Arten von Hasen, Hühnern oder Flöhen tragen nicht nur den Schnee im Namen. Kälte und Frost können ihnen nichts anhaben – im Gegenteil, sie blühen im Winter so richtig auf.

Andrea Hofstetter
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Der Schneefink (auch: Schneespatz) fühlt sich erst im Hochgebirge richtig wohl. Unter 1500 Höhenmetern trifft man ihn nur selten an. (Illustration: Oliver Marx)
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Im Vergleich zum Feldhasen fällt der Schneehase durch die kürzeren Ohren und die grösseren, dicht behaarten Pfoten auf, die wie eine Art Schneeschuhe sind. (Illustration: Oliver Marx)
Das Alpenschneehuhn trägt nur im Winter ein weisses Federkleid. Auch die gefiederten Füsse des Vogels sind bestens an ein Leben in Eis und Schnee angepasst. (Illustration: Oliver Marx)
Sie ist eine wahre Kletterkünstlerin: Die Schneemaus lebt vorwiegend auf über 1000 Metern zwischen den Felsspalten oder unter der Erde. (Illustration: Oliver Marx)
Der Schneefloh wird nicht viel grösser als 2,5 mm. In riesigen Kolonien, die sich über die Schneedecke legen, ist er besser erkennbar. (Illustration: Oliver Marx)

Der Schneefink (auch: Schneespatz) fühlt sich erst im Hochgebirge richtig wohl. Unter 1500 Höhenmetern trifft man ihn nur selten an. (Illustration: Oliver Marx)

Der Winter ist für viele Tierarten die Zeit der Entbehrungen: Der Boden ist oft gefroren, die Nahrung knapp und die Tage kurz und dunkel. Einige Tiere halten daher einen Winterschlaf oder fallen in eine Winterstarre. Andere fliegen in den warmen Süden. Und dann gibt es Tiere, für die der Winter in der Schweiz die liebste Jahreszeit ist. Ihre Körper sind perfekt für die rauen Monate ausgestattet: mit dickem Fell, isolierendem Federkleid und der richtigen Tarnung. Im Winter haben die Federn des Alpenschneehuhns nicht nur die passende weisse Farbe, sie schützen auch ideal vor der Kälte. Wobei das Wort «Farbe» nicht ganz korrekt ist. «Die Federn des Alpenschneehuhns enthalten eigentlich gar keine Farbe», sagt Martin Wehrle, Tierarzt und Kurator im Tier- und Naturpark Goldau. Durch die fehlenden Pigmente sind die Federn besonders leicht und schliessen die Luft besser ein, was wiederum für die nötige Isolierung sorgt. Temperaturen über 15 Grad sind dem Alpenschneehuhn bereits zu warm, daher fühlt es sich in höheren Gefilden ab 1500 Metern am wohlsten. Dass der Vogel noch dazu zweimal im Jahr sein Gefieder wechselt, ist einzigartig in der Vogelwelt. Gesteuert durch die Tageslänge und die Sonneneinstrahlung passen Alpenschneehühner ihr Federkleid entsprechend an. So sind sie im Sommer vorzugsweise in Graubraun, Schwarz oder Beige und im Winter natürlich in Schneeweiss unterwegs.

Wo Huhn und Hase einander ähneln

Kaum zu glauben, aber den Schneehasen verbindet einiges mit dem Alpenschneehuhn. Er ist ebenso gerne in den Bergen unterwegs, und das weisse Winterkleid schützt ihn vor Beutegreifern wie Füchsen oder Steinadlern. Im Sommer passt er seine frostsichere Garderobe an die natürliche Umgebung an und erscheint vorzugsweise mit graubraunem Fell. Mit dem Feldhasen ist er zwar biologisch gesehen verwandt, aber sein Körperbau ist dennoch etwas anders. So ist er merklich kleiner als dieser. Die kurzen Ohren und das dichte Fell sorgen für minimalen Wärmeverlust. Besonders auffällig sind die Füsse des Schneehasen. Die Pfoten und Zehen sind grösser und stärker behaart. So kann der Schneehase leicht und flink – wie auf Schneeschuhen – über die verschneite Landschaft huschen, ohne einzusinken. Tiere wie Schneehasen und Alpenschneehühner sind zwar Überlebenskünstler, aber ihnen setzt neben der Klimaerwärmung vor allem der Wintersport zu. Schneeschuhläufer oder Freerider, die in ihren Lebensraum eindringen, erhöhen den Stresslevel der sensiblen Tiere. «Noch ist der Schneehase nicht gefährdet, aber der Bestand geht eindeutig zurück», erklärt Wehrle. Einige Exemplare von ihnen sind im Tierpark Goldau zu finden. Ein Teil davon im Gamsgehege, ein anderer lebt zusammen mit Bartgeiern, da diese reine Aasfresser sind, schildert Tierarzt Martin Wehrle. In der baumlosen Landschaft des Hochgebirges fühlt sich die Schneemaus so richtig daheim. Unter 1000 Metern ist sie kaum anzutreffen. Sie lebt zwischen den Felsspalten, wo sie auch ihre Nahrung wie Gras oder Moos findet. Selbst wenn das Wörtchen «Schnee» in ihrem Namen steckt, so ist ihr Fell zwar im Vergleich mit anderen Wühlmäusen etwas heller (braun oder grau), aber nicht komplett weiss. Ihre Pfoten sind etwas grösser und breiter, was sie geschickt auf Felsvorsprünge klettern und herum­turnen lässt. Während der Winter­monate lebt die Schneemaus warm und geschützt unter der Schneedecke. Im Gegensatz zum Alpenschneehuhn, das sehr scheu ist und vor unliebsamen Wanderern oder Skifahrern flüchtet, ist der Schneefink oder Schneespatz als «Kulturvogel» bekannt. «Der Schneespatz ist sehr anpassungsfähig und ein oft gesehener Gast in Bergrestaurants», erläutert Wehrle. «Er findet schnell heraus, wo er am einfachsten und schnellsten zu Futter kommt.»

Ein Floh, der den Schnee schwärzt

Die meisten Insekten legen im Winter eine Pause ein und ziehen sich in den Boden oder in Baumritzen zurück, wo sie geduldig auf den Frühling und den Sommer warten. Einige überdauern den Winter sogar nur als Eier, Puppen oder Larven. Der Schneefloh hat für sich eine andere Überlebensstrategie gewählt, denn ihn bekommt man tatsächlich nur im Winter zu Gesicht. Spätestens im Dezember erwacht er aus seinem «Sommerschlaf» und breitet sich in Wäldern und auf Bäumen aus. Wer genau hinschaut, entdeckt ihn auch. Denn Schneeflöhe leben in Kolonien aus Millionen von Tieren. «Auf dem Schnee bilden sie oft einen schwarzen Teppich, den viele Beobachter fälschlicherweise als Luftverschmutzung einschätzen», weiss Tierarzt Martin Wehrle. Unvorhergesehener Kontakt mit dem Schneefloh schadet übrigens nicht. «Die Tiere sind für uns Menschen völlig ungefährlich.»

Infos über Tiere im Schnee

Wer mehr über das Leben der wilden Tiere im Winter erfahren möchte, kann dies am Sonntag, 9. Dezember, von 11 bis 15 Uhr im Tierpark Goldau an einem Infostand tun. Fachleute erklären auch, wie Wildruhezonen funktio­nieren und mit welchem Verhalten Menschen sich nachhaltig in der Natur bewegen.

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