Im Kopf von ... Barbara Birchler (61)

Blumen gehören zu ihrem Leben, seit sie denken kann, denn sie kommt aus einer Floristenfamilie. Einen anderen Beruf kann sich die Zuger Floristin nicht vorstellen. Die strengste Zeit im Jahr endet bei Barbara Birchler am ersten Adventssonntag.

Yvonne Imbach
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Floristin Barbara Birchler, 61. (Bild: Eveline Beerkircher, Illustration: Oreste Vinciguerra)

Floristin Barbara Birchler, 61. (Bild: Eveline Beerkircher, Illustration: Oreste Vinciguerra)

Dieses Jahr feiern mein Mann Jürgen und ich Jubiläum: Vor dreissig Jahren haben wir das Blumengeschäft Bellefleur in Zug von seinen Eltern übernommen, die es 1964 gegründet hatten. Kennen gelernt haben wir uns im Teenageralter über unsere Eltern: Sie waren alle Floristen, man war miteinander bekannt. Noch heute kann ich mir keinen anderen Beruf vorstellen. Ich brauche die Düfte, die Farben, den Kontakt zu der Kundschaft und die Bewegung. Ob Floristinnen eine robuste Gesundheit haben müssen? Ja, wir stehen oder gehen den ganzen Tag, und es ist kühl im Geschäft.

Floristen sind Frühaufsteher. Um 5.30 Uhr bin ich im Geschäft. Bevor wir um 8 Uhr öffnen, gehe ich in Ruhe die Bestellungen durch und erledige Administratives. An die Blumenbörse nach Zürich fahren abwechselnd mein Mann und unsere angestellte Floristin, dies noch vor 5 Uhr. Unsere Hauptarbeit ist nicht etwa Sträusse binden, sondern Blumen aus dem Kühlraum holen, auspacken, rüsten, einstellen und den Laden gestalten. Sträusse produzieren wir mit saisonalen Blumen. Ich mag Tulpen im Frühling und Amaryllis im Winter, meine liebste Blume ist das «Meierisli». Meinen Brautstrauss hat mir mein Mann gesteckt, da durfte es nicht fehlen. Leider bekomme ich selten Blumen geschenkt, die Leute meinen, ich hätte keine Freude daran. Jede Schnittblume hat einen botanischer Handelsnamen. Das ist wichtig beim täglichen Blumeneinkauf. So gibt es beispielsweise unzählige rosa Rosen, jede aber hat ihren persönlichen Namen – wie ich eben Barbara heisse. Apropos Namen: Um unsere Kundschaft zu pflegen, lege ich sehr grossen Wert darauf, die Namen der Kunden zu erfragen und mir zu merken.

In den vergangenen dreissig Jahren hat sich vieles verändert. Wo wir früher oft mit dem Wunsch «machen Sie was Schönes» freie Hand hatten, geht heute vieles über den Preis. Die Menschen lassen sich Offerten erstellen, am liebsten sähen sie einen Musterstrauss. Die Farbauswahl war früher kleiner. Es gab Gelb, Rot, Orange, Blau und Weiss – heute gibt’s eine riesige Menge an Zwischentönen.

In vielen Lebenslagen gehören Blumen dazu: von der Geburt über Jubiläen bis zum Trauerfall. Zum Glück überwiegen die positiven Ereignisse. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, manchmal fliessen auch Tränen. Die strengste Zeit im Jahreskalender liegt gerade hinter uns. Die zwei Wochen vor dem ersten Adventssonntag arbeitet das ganze Team durch: 14 Tage lang zwischen 12 und 14 Stunden. Dann präsentieren wir eine Adventsausstellung mit gut 150 Gestecken und Kränzen, die sogar Stammkunden aus Frankreich anlockt.

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