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Die Gartenarbeit: Für viele mehr als nur ein Hobby. (Bild: Getty)

Die Gartenarbeit: Für viele mehr als nur ein Hobby. (Bild: Getty)

Liebesgeschichten aus dem eigenen Garten

Wir buddeln uns durch den Garten, pflanzen, ackern, stöhnen, jubeln. Am Ende des Tages sind wir glücklich dreckig, aber nicht am Ziel: Es bleibt immer etwas zu tun. So verschieden wir mit dem Scheitern und Aufblühen umgehen, so individuell präsentieren sich die Gärten. «Saison» hat vier besondere Exemplare und deren Schöpfer besucht.
Susanne Perren

Die Natur war zuerst:
Silvia Wildisen, Adligenswil

Silvia Wildisen stellt in ihrem Garten auch Naturöle her. (Bild: Beat Brechbühl)

Silvia Wildisen stellt in ihrem Garten auch Naturöle her. (Bild: Beat Brechbühl)

Zur Sonnenwende am 21. Juni würde Silvia Wildisen sich am liebsten zweiteilen: An diesem Tag sollte das Johanniskraut zur Mittagszeit geerntet werden. Weil die Gesundheitsberaterin für die Herstellung ihrer Öle mehr Blüten benötigt, als ihr Heilkräutergarten hergibt, wird sie auch Orte aufsuchen, wo das Johanniskraut wild wächst.

Es liegt in ihrer unaufdringlichen Natur, jedem Wesen genügend Platz einzuräumen – auch ihrer Familie und deren Wünschen: Auf kleinem Gelände in Hanglage fühlen sich neun Hasen und zwei Ziegen wohl, unter dem Haus liegen ein Naturteich und ein Minifussballfeld für die Kinder, darum herum gedeihen Trauben, Feigen, Kiwis, Pfirsiche und Johannisbeeren.

Wildisen stellt Johannis- und Ringelblumenöl her. Später sollen Salben und Tinkturen hinzukommen. «Die Pharmaindustrie hat die Wirkstoffe der Pflanzen nachgebildet. Jener im Aspirin etwa stammt aus der Weidenrinde. Warum also nicht die Natur machen lassen, zumal diese keine Nebenwirkungen zeigt?», sagt sie. Eingeriebenes Pfefferminzöl auf den Schläfen helfe so gut wie zwei Kopfwehtabletten. Bis neues Öl produziert ist, dauert es. Die Kräuter­spirale hat im Winter arg gelitten.

Lizenz zum Wachsen:
Toni Durrer, Sarnen

Hat Pflanzen aus aller Welt in seinem Garten: Toni Durrer. (Bild: Beat Brechbühl)

Hat Pflanzen aus aller Welt in seinem Garten: Toni Durrer. (Bild: Beat Brechbühl)

So geht Paradies: Blütenreich üppig, geschwungen, bisweilen beinahe verwunschen zieht er uns hinein, dieser Garten. Man muss beim Durchstreifen den Kopf einziehen, Äste zur Seite schieben. Die Natur und der Durrer – sie haben beide das Sagen hier. Der weit gereiste, pensionierte Zahnarzt setzt Strandlilien aus Kreta, Iris aus Japan, Nepallilien oder einen eigentlich nicht winterharten Redwood zu Rosen, Rittersporn und dergleichen. «Manchmal staune ich selber», lacht er. Indes, der Hobbygärtner wendet sein über Jahre gereiftes Wissen kreativ an: Die saure Erde für Hauswurze und Kakteen hat er aus dem Grimselgebiet geholt. Sie gedeihen nun im eigens angelegten Granitbeet nahe dem frisch gepflanzten Apfelbaum für seinen Enkel. «Meine Grossmutter hat für mich eine Lärche gesetzt. Im vergangenen Jahr musste ich sie fällen, sie war krank.» So ist es manchmal im Paradies: Altes geht und Neues kommt.

Wir bleiben auf dem durchgehenden grünen Teppich von Moos, Farnen oder Veilchen im Süden stehen, wo prächtige Magnolien (25 verschiedene), Kamelien, Orchideen und Baumpfingstrosen (50 Arten) sich zur Sonne recken. Hinter dem Haus wuchert der Waldgarten mit Eiche, Ahorn sowie andern Schattenpflanzen. Die Indian-Summer-Hecken im Westen werden im Herbst blühen, während Gemüsebeet, Orangerie und Kakteen schier das Treibhaus sprengen. Trotz aller Arbeit wirkt Toni Durrer kein wenig müde. «Der Garten gibt mir Ruhe. Ich kann kreativ sein und werde, anders als im Arbeitsleben, nicht daran gemessen.» Einen Orden für die perfekte Nachlässigkeit hätte er verdient.

Land-Idylle für Städter:
Rita Meyer, Randebandi Rippertschwand

Betreut 64 Beete: Rita Meyer. (Bild: Beat Brechbühl)

Betreut 64 Beete: Rita Meyer. (Bild: Beat Brechbühl)

Jeder andere hätte die Hände verworfen: Ein Gemüsegartenfeld von 25 auf 80 Meter, unterteilt in 64 Beete und von Hand bebaut – das wünschte sich die Rande­bandi, die Gemüsebaukooperative auf der ­Rippertschwand in Neuenkirch. «Keine Sekunde habe ich gezögert», sagt Rita Meyer. Die Bäuerin erklärte sich trotz eigenem Garten bereit, die in diesem Frühling neu angelegten Beete zu betreuen. «Ich arbeite lieber draussen und organisiere gerne», beteuert sie. Die Abnehmer von Randebandi können sich freuen: Kopfsalat, Tomaten, Kohlraben, Bohnen, Kefen oder Radieschen werden biologisch angebaut. «Wir setzen Mikroorganismen ein. Sie machen den Boden nahrhaft», führt Meyer aus. In den Gemüsegenuss kommt, wer ein Abo löst. Dieses berechtigt zu mindestens fünf übers Jahr verteilten Einsatztagen im Garten, die mit einer wöchentlichen Gemüsetasche belohnt werden. Ein ideales Gartenkonzept für Städter und angehende Gemüsegärtner, die insgeheim wissen: Das Original wächst auf dem Land.

Weitere Informationen: www.randebandi.ch

Podestreifer Rosenpavillon:
Rudolf Baumann, Erstfeld

Im Garten-Eldorado daheim: Rudolf Baumann. (Bild: Beat Brechbühl)

Im Garten-Eldorado daheim: Rudolf Baumann. (Bild: Beat Brechbühl)

Erstfeld? Erstfeld! Der Ort mit der zweithöchsten Durchschnittstemperatur der Schweiz erweist sich geradezu als Garten-Eldorado. Das haben Marlis Poloni und Rudolf Baumann schon vor ein paar Jahren bewiesen: Mit ihrem Rosen­pavillon erhielten sie 2015 den Preis für den schönsten Erstfelder Garten. Das Paar – Marlis Poloni immer mit blossen Händen – gestaltet mit Rosenhecken, ­Lavendelsträuchern, ein paar Exoten wie Callas und heimischen Blüten stilvolle Lebensräume rund ums Haus. Zwischendurch legen sie Hacke, Schere und Gartenschlauch bewusst zur Seite und leben den Garten: Apéro im Rosenpavillon, Lunch unter der Pergola, und abends reden sie auf der Holzbank mit Aussicht auf den Urner Talboden über dies und das. Vor zwei Jahren war der Buchsbaumzünsler so ein Thema. Er liess kein Blatt von den prächtigen Buchsbaumkugeln übrig. Kugeln ja, Buchsbaum nicht mehr, befanden die beiden. Inzwischen akzentuieren einheimische Granitkugeln die aufgeräumte Gartenarchitektur.

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