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Rauchig ist des Sommers Duft

Die liebe Grillsaison: Sie ist des einen Freud, des andern Leid. Unser Autor zählt sich eher zur zweiten Gruppe – wenn er nicht gerade selber den Grill anwirft. Ganz Feuer und Flamme ist er beim Stichwort Artischocken.
Antonio Russo
Die Emmissionen eines Grills sind nicht jedermanns Sache. (Illustration: Janina Noser)

Die Emmissionen eines Grills sind nicht jedermanns Sache. (Illustration: Janina Noser)

Einmal hängt der Geruch von loderndem Brennholz in der Luft, weil das Wetter etwas kühler ist, ein andermal das Aroma profaner Anzündpaste «sur son lit de charbon», gefolgt von Bratwurst. Je nach Windrichtung vermischen sich noch andere geruchsintensive Moleküle zu einem olfaktorischen Tornado, der typisch für laue Sommerabende in der Stadt ist, wenn die Grillsaison ihren ­Höhepunkt erreicht.

Doch manchmal ist auch nur das zu riechen, was die stille Natur hergibt. In unregelmässigen Abständen weht der Duft des fast ausgeblühten Flieders herüber, der an der Strassenecke steht und mir Trost spendet, wenn ich von Grillkohle wieder mal die Nase voll habe. Ja, ich mag den Frühling, den Herbst sowieso. Und selbst dem Winter trotze ich seine Vorzüge ab. Doch auf den Sommer muss ich mich jedes Jahr von neuem einlassen. Da gibt man sich alle Mühe, seine Terrasse in einen Garten Eden zu verwandeln, pflanzt, hegt und hätschelt den wohlriechenden Sommerflor wie Phlox, Lavendel und Rosen – um dann doch die Hälfte des Abends mit einer ganz und gar nicht botanischen Note in der Nase zu verbringen: Der Lavendel macht auf Bratwurst, der Phlox spielt Bratforelle. Zugegeben, auch ich grilliere hin und wieder um der reinen Lust willen. Vor zwei Saisons habe ich mir einen dieser modernen Tischgrills angeschafft, die sich gut für kleine Haushalte eignen und wenig Aufwand erfordern. Der runde Behälter hat einen batteriebetriebenen Propeller, der den ordentlich aufgestapelten Kohlestückchen von unten Luft zufächelt und innert kurzer Zeit für eine kleine Glut sorgt – heiss genug, um Champignons, Cervelats und Peperoni zu garen und mit schwarzen Grillstreifen zu dekorieren. Obendrein sieht das Gerät chic aus und ermöglicht mir, Teil der sommerlichen Gemeinschaft zu sein, die sich am archaischen Kochstil ergötzt und das Leben unter freiem Himmel feiert.

Dass Grillieren ein höchst sozialer Akt ist, habe ich schon als Kind erfahren, wenn wir unsere Verwandten in Süditalien besuchten. Während der Artischockensaison standen praktisch alle Häuser im Dorf in Flammen. Auf jedem Balkon wurden mit reichlich Olivenöl, Knoblauch, Petersilie, Salz und Pfeffer gefüllte Artischockenköpfe auf heisser Kohle gebraten. Keiner beschwerte sich über die hohen Rauchfahnen, die den Himmel verdunkelten. Und noch Tage nach dem Verzehr dieser kollektiv zubereiteten Grillspezialität rochen meine Finger nach den würzigen, aussen verkohlten und innen butterzarten Blättern dieses stacheligen Blütengemüses, das man von Hand zu essen pflegt.

Lavendel- und Rosenduft in Ehren, aber vielleicht besorge ich mir bald einen grösseren Grill mit ordentlicher Heizkraft. Und dann, liebe Nachbarn, ruft nicht die Feuerwehr, sondern kommt vorbei und kostet von meinen grillierten Artischocken. Sie werden der wurstigen Konkurrenz auf den hiesigen Grillrosten ordentlich einheizen. Wetten?

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