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Reiz und Schreck zugleich

Schon als Kind kam unsere Autorin mit den Traditionen der Weidmänner in Berührung. Wenn die Herbstjagd beginnt, werden Erinnerungen an die spezielle Saison wieder wach.
Andrea Hofstetter
Bild: Getty

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Mit knapp einem Jahr konnte ich zwar noch nicht sprechen, aber das Brunftgebrüll eines ausgewachsenen Rothirsches beherrschte ich einwandfrei. Jedem, der fragte, «Andrea, wie macht der Hirsch?», schmetterte ich aus den Tiefen meines schmächtigen Brustkorbes ein kräftiges Röhren entgegen. Mein Grossvater war ein leidenschaftlicher Jäger, der nicht lange zögerte, um seinem ersten Enkelkind diese animalische Ein­lage beizubringen. Sie war – wie man sich vorstellen kann – der «Brüller» auf jeder Familienfeier.

Irritierte Freundinnen

Ich bin inmitten von Hirschgeweihen, Gamshörnern und abgetrennten Schädelknochen aufgewachsen. Die Jagdtrophäen meines Vaters und Grossvaters hatten nie etwas Bedrohliches oder Schauriges für mich. Sie gehörten nun mal zu unserem Zuhause in Kärnten dazu. Nur wenn Freundinnen zu Besuch waren und sie irritiert die Wände voller «Totenköpfe» anstarrten, wurde mir ­bewusst, dass der Jagdinstinkt nicht in jeder Familie so ausgeprägt war.

Von Krickel und Waldbraten

Wenn mein Vater nach erfolgreicher Jagd nach Hause kam, zeigte er mir mit Stolz das erlegte Wild, das von der Gams über den Rehbock bis hin zum Hirsch reichte. Mit einer Mischung aus Neugier und Schrecken inspizierte ich jeweils das tote Tier und war jedes Mal überrascht, wie anmutig es aussah. Währenddessen kochte mein Grossvater ­diverse Schädel im Garten ab, um sie ­anschliessend fein säuberlich zu präparieren. Die «Krickel» (Hörner) kamen an einer Scheibe aus Zirben- oder Eschenholz an die Wand. Auf der Rückseite fein säuberlich mit Ort und Datum der Erlegung beschriftet. Hin und wieder nahm er die Geweihe von der Wand, um in Erinnerungen an den datierten Abschusstag zu schwelgen. Einige Jäger verkaufen das erlegte Fleisch an Metzgereien oder an die Gastronomie. Bei uns zu Hause kam zu Weihnachten prinzipiell Wildbraten auf den Tisch. In Zeiten der Massentierhaltung wird mir erst heute bewusst, wie nachhaltig meine Familie schon damals in Sachen Fleisch unterwegs war.

Respekt vor der Natur

Sicherlich ist die Jagd nicht nur verklärte Waldidylle, und nicht selten gerät sie in die Kritik: Sie sei überflüssig, unnötig grausam und befriedige archaische Triebe. Die Jäger in meiner Familie erlebe ich als sehr naturverbunden. Sie haben eine intensive Ausbildung hinter sich sowie grossen Respekt vor Tieren und halten sich streng an die forstbehördlichen Vorschriften.

Jagen in der Zentralschweiz

Das eidgenössische Jagdgesetz verpflichtet die Kantone dazu, die Bestände der Wildhuftiere und anderer Tiere durch Bejagung oder andere Massnahmen so zu regulieren, dass diese die natürliche Waldverjüngung nicht ­verhindern und keine grossen Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen entstehen.
In den Zentralschweizer Kantonen gilt mit Ausnahme von Luzern die Patentjagd. Diese erlaubt die Jagd auf dem ganzen Gebiet des Kantons ausser in den eidgenössischen und den kantonalen Jagdbanngebieten. Pro Patent darf eine bestimmte Anzahl Tiere erlegt werden.
Im Kanton Luzern gilt die Revierjagd. Bei diesem System verpachten die politischen Gemeinden das Jagdrecht durch Vertrag an eine Gruppe von Jägern (Jagdgesellschaft) für eine bestimmte Zeit. Vor Beginn des Jagdjahres legt jedes Revier zusammen mit den kantonalen Behörden den Abschussplan fest.
Ende Saison müssen die Jäger dem Kanton melden, welche und wie viele Tiere sie erlegt haben. Wer jagen will, muss beim Kanton eine entsprechende Ausbildung abschliessen und den Jagdfähigkeitsausweis erwerben. Quelle: www.bafu.ch

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