Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Als die Zeit zu ticken begann

Alles richtet sich heute nach der genauen Uhrzeit. Dass dies nicht immer so war, zeigt diese wortwörtliche Zeitreise zu den Anfängen der Zeitmessung.
Monika Burri

In der Frühlingsausgabe des Print-Magazins «Saison» vom 9. März erwarten Sie einige tiefsinnige Gedanken zur Zeit, ausgewählte Kraftorte, Rezeptideen mit saisonalem Superfood, berührende Liebesgeschichten und Tipps rund ums E-Bike.

Scharfer Blick und ruhige Hand: Martin Spöring bei der Arbeit an einem Uhrwerk.

Scharfer Blick und ruhige Hand: Martin Spöring bei der Arbeit an einem Uhrwerk.

Mehrmals pro Tag blickt der moderne Mensch auf seine Uhr – denn die Zeit taktet unseren Alltag. Blickt man in der Geschichte der Zeitmessung zurück, beginnt das Bewusstsein für den Lauf der Zeit noch mit sehr beschränkten Möglichkeiten vor ungefähr 30 000 Jahren. Funde zeigen, dass die Steinzeitmenschen damals anfingen, die Mondphasen aufzuzeichnen. Bis 5000 vor Christus änderte sich daran nicht viel, bis die Ägypter erstmals eine Art Sonnenuhr konstruierten. Darauffolgende weitere Messsysteme mit Wasser oder Kerzen waren im Vergleich zu heute auch extrem ungenau. Erst um 1000 nach Christus kamen die Vorgänger des späteren Uhrmacherberufs zum ersten Mal ins Spiel: Findige Mönche entwickelten die ersten mechanisch angetriebenen Uhren.

Pünktlich zum Gebet

Wer könnte über die Gründer seiner Zunft besser Bescheid wissen als Luzerns Stadtuhrmacher Martin Spöring? In seinem Atelier stehen und hängen Uhren für den Wohnbereich in der unterschiedlichsten Art: Standuhren mit Gehäuse aus Glas oder Holz, kleinere und grössere Pendeluhren aus Metall oder dekorative Marmorkunstwerke mit eingebautem Uhrwerk und Zifferblatt. Zwischendurch reparieren Spöring und sein Mitarbeiter auch alte Armband- oder Taschenuhren. «Wir sind auf Grossuhren spezialisiert. Selten reparieren wir historische Uhrwerke wie die im Luzerner Rathaus oder im Zytturm der Museggmauer», sagt der Fachmann, obwohl er als Stadtuhrmacher für die Eisenuhren Luzerns verantwortlich ist. Dafür gibt es zusätzliche Spezialisten. Unter «Grossuhren» versteht der Uhrmacher alle Uhren, die nicht am Körper getragen werden, also von der kleinen Uhr auf dem Kaminsims bis hin zur wuchtigen Pendeluhr. «In den mittelalterlichen Klöstern wollte man die Zeit exakter messen können, um die Gebetszeiten und die Aufgaben des Tages besser zu strukturieren», weiss Spöring. Innert weniger Jahrhunderte wurden so nicht nur Klöster, sondern auch die Kirch- und Rathaustürme mit grossen, mechanischen Eisenuhren bestückt: Die Zeitmessung war von tragender Bedeutung für die Organisation der Kirche und des Staats.

Zahnräder greifen ineinander, und die Zeitmessung entsteht. (Bilder: Philipp Schmidli)

Zahnräder greifen ineinander, und die Zeitmessung entsteht. (Bilder: Philipp Schmidli)

Ein Pendel bringt Genauigkeit

Bis der italienische Mathematiker und Physiker Galileo Galilei im Jahr 1583 die Funktion des Pendels entdeckte, funktionierten die Turmuhren mit einem Spindelgang. Ein solches System kann man heute noch in der Kapelle von Ramersberg in Obwalden bestaunen. Spöring: «Die Eisenuhren wurden erst mit dem Einsatz des Pendels genau.» Durch die Pendeluhren nahm die Konstruktion von Uhren so richtig Fahrt auf. Ab dem Jahr 1600 profitierte die Stadt Genf von der Fingerfertigkeit der aus Frankreich geflüchteten Hugenotten. Viele von ihnen waren Goldschmiede und arbeiteten in Genf dann in der Herstellung von Uhren. Im Zuge der Industrialisierung wuchs im ganzen Jura bis hin nach Basel die heute noch wichtige Uhrenindustrie heran. Doch welche Umstände führten zu diesem Erfolg in einer eher abgelegenen Gegend? Gemäss Martin Spöring spielten damals mehrere Faktoren eine Rolle. «Die Heimarbeit war in dieser Gegend traditionell verankert. Das war ideal für die Fertigung von immer gleichen Kleinstteilen.» Zudem habe man in La Chaux-de-Fonds und Umgebung zunehmend auf austauschbare Teile in den Uhren gesetzt, was bis anhin nicht üblich war. «So war eine einfache und günstige Reparatur von Taschen- und Armbanduhren möglich», erklärt der Uhrmacher.

Gut zu wissen

Wer sich für massive Zeitmesser in der Region Zentralschweiz interessiert, kann sich das übersichtliche Büchlein «Turmuhren in der Zentralschweiz» besorgen. Das Nachschlagewerk nimmt Uhren und Turmliebhaber mit auf eine faszinierende Reise durch Raum und Zeit. Zu bestellen bei Dr. Jost Schumacher, Anwaltskanzlei, Alpenstrasse 1, 6004 Luzern.


Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.