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Liebesgeschichten aus der Region

Der Frühling und die Liebe werden oft in einem Atemzug genannt. Letztere hat ja bekanntlich viele Gesichter. Unsere vier Porträts zeigen Menschen, die enge Beziehungen pflegen – und das zu jeder Jahreszeit.
Andrea Hofstetter, Yvonne Imbach, Monika Burri

In der Frühlingsausgabe des Print-Magazins «Saison» vom 9. März erwarten Sie einige tiefsinnige Gedanken zur Zeit, ausgewählte Kraftorte, Rezeptideen mit saisonalem Superfood, berührende Liebesgeschichten und Tipps rund ums E-Bike.

Durch Höhen und Tiefen

Luzia und Stefan Lüthi (beide 37), Oberdorf

Luzia und Stefan Lüthi wissen genau, wie der andere tickt. (Bilder: Eveline Beerkircher)

Luzia und Stefan Lüthi wissen genau, wie der andere tickt. (Bilder: Eveline Beerkircher)

Auf den Frühling freuen sich Luzia und Stefan Lüthi besonders, dann klettern sie auf Melchsee-Frutt gemeinsam die Felswände hoch. Noch vor wenigen Jahren wäre das fast undenkbar gewesen. Das Paar aus Oberdorf weiss nur zu gut, wie schnell sich das Leben um 180 Grad drehen kann. Vor 14 Jahren hatte Stefan seinen ersten epileptischen Anfall. Von da an war nichts mehr wie früher. «Wir mussten unser Leben komplett umkrempeln », erzählt Luzia Lüthi. Hobbys wie Samariterverein und Feuerwehr gaben sie auf. Lange Nächte im Ausgang ebenfalls. Stefans Krankheit erforderte einen geregelten Tagesablauf. Der gelernte Schreiner, der im Schichtbetrieb arbeitete, war gezwungen, sich beruflich neu zu orientieren. Dazu kam, dass er medikamentös nicht richtig eingestellt war und weiterhin an epileptischen Anfällen litt. «Es war eine harte Zeit», erinnert sich der 37-Jährige. «Ohne meine Frau, die mich ständig motiviert und unterstützt hat, hätte ich das nicht geschafft.» Erst als eine neue Neurologin die Behandlung übernahm und seine Medikamente umstellte, ging es bergauf. Stefan liess sich zum technischen Kaufmann umschulen und fand eine Anstellung als Teamleiter Sekretariat Herz-Gefäss- Thorax im Universitätsspital Zürich. Im Luzerner Kantonsspital, in dem Luzia als Chefarztsekretärin und Case Managerin arbeitet, haben sie sogar mal zusammengearbeitet. Ein Problem war das nicht. Luzia: «Wir wissen einfach genau, wie wir ticken.» Seit 2004 sind die beiden ein Paar, 2010 folgte die Hochzeit. Haben Sie ein Rezept? Stefan zögert nicht lange: «Ein gemeinsames Hobby und sich genügend Freiraum für eigene Freunde und Interessen lassen.»


Grosses Herz für Vierbeiner

Petra Roos (43), Inwil

Petra Roos mit ihrem Windhundmischling Bella.

Petra Roos mit ihrem Windhundmischling Bella.

Von links ertönt ein kurzes Bellen, von rechts ein kleinlautes Miauen: Das ist der Alltag von Petra Roos, Leiterin des Tierheims an der Ron. In den grosszügigen Tierbehausungen sind Hunde, Katzen, Nager und sonstige Kleintiere untergebracht. «Einige sind schon lange bei uns und warten auf ein neues Zuhause, andere sind nur tageweise oder für die Ferien zu Gast bei uns», erklärt die 43-Jährige. Seit drei Jahren ist sie hier mit Leib und Seele die Betriebsleiterin. Die Arbeit sei intensiv, denn Freud und Leid seien sehr nahe beieinander. An einem Tag wird ein älterer Hund einfach abgegeben, weil seine Besitzer ihn nicht mehr haben möchten. «Am nächsten Tag finden wir für einen unserer Schützlinge das perfekte neue Zuhause», sagt Petra Roos. Ungefähr 300 Tiere vermittelt das Tierheim pro Jahr, das hauptsächlich durch Spenden finanziert wird. «Mir wurde die Tierliebe bereits in die Wiege gelegt», erzählt die Luzernerin mit einem herzlichen Lachen. Tiere seien für den Menschen eine enorme Bereicherung. Als sie noch ein kleines Mädchen war, hat sie verschiedenste Kleintiere «eingesammelt» und mit nach Hause genommen. «Nicht immer zur Freude meiner Eltern », meint sie schmunzelnd. Zudem verbrachte sie den Grossteil ihrer Kindheit und Jugend im benachbarten Pferdestall im Sattel beim Ausreiten. Trotz der grossen Tierliebe absolvierte Petra Roos zuerst eine kaufmännische Ausbildung und ging dann jahrelang auf Reisen. Dort traf sie überall auf unzählige streunende Hunde. «Diese Misere war ausschlaggebend, dass ich jeweils freiwillig in Tierheimen meines Reiselandes arbeitete», erinnert sie sich. Sie war unter anderem auf Malta und in Neuseeland in Heimen tätig. Immer ohne Bezahlung, jedoch manchmal für Kost und Logis. Seit Petra Roos wieder in der Schweiz ist, sind Hunde nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Zu ihren zwei Mischlingshunden Peter und Bella hat sie eine sehr innige Beziehung. «Sie gehören einfach zu mir, und ich richte gerne meinen Tagesablauf nach ihren Bedürfnissen.» Denn drei Mal am Tag bei jedem Wetter frische Luft schnappen sei doch sowieso eine ganz gute Sache, oder?


Nie allein dank dem Quartett

Jolein Odermatt (19), Emmenbrücke

Jolein Odermatt (Mitte) mit ihren Vierlingsgeschwister: Zu fünft ist es toll.

Jolein Odermatt (Mitte) mit ihren Vierlingsgeschwister: Zu fünft ist es toll.

«Ich habe mich nie als fünftes Rad am Wagen gefühlt. Unsere Eltern haben alle Kinder gleich behandelt», resümiert Jolein Odermatt (19), wenn sie an ihre Kindheit zurückdenkt. Aufgewachsen ist sie nämlich in einer besonderen Grossfamilie: Mit zwei Jahren wurde sie Schwester von Vierlingen. «Ich sitze inmitten der vier Babys in einem Vierer- Kinderwagen, und alle haben ein Kuscheltier in der Hand», ist ihre erste Erinnerung. Früher hätten die drei Schwestern und der Bruder auf sie gehört, das sei mittlerweile aber vorbei. «Heute sind wir ein Team, und jeder trifft seine eigenen Entscheidungen.» Jolein ist die Erste, die ausgeflogen ist, zumindest während der Woche. «Ich studiere in Basel Medizin und wohne dort. Jedes Wochenende komme ich gerne heim nach Emmenbrücke.» Die Familie ist ihr sehr wichtig. «Ich geniesse es sehr, in unserem Haus zu sein, miteinander zu brunchen oder in den Ausgang zu gehen. Wir haben es einfach gut miteinander! » Die gemeinsame Zeit mit der Familie gebe ihr Kraft. Mittlerweile wird es seltener, dass alle fünf Kinder am Tisch sitzen. Zu unterschiedlich sind die Ausbildungen und Hobbys. «Ein Leben ohne die Vierlinge kann ich mir nicht vorstellen, es wäre einsam, langweilig und unausgefüllt. Das Schöne an so vielen Geschwistern ist, es ist stets jemand präsent. Früher war immer eine der Schwestern oder mein Bruder zum Spielen da. Und auch heute hat man Küche oder Wohnzimmer eigentlich nie für sich.» Zwei der Schwestern, Jantien und Annelou, sind eineiig. Leonie und Niels machen das Quartett voll. «Wir waren immer eng miteinander verbunden, es gab nie ein Grüppchendenken.» Sie habe alle vier gleich lieb und doch zu jedem Geschwister eine andere Beziehung: «Je nach Thema suche ich das Gespräch mit einem anderen Vierling. Jeder hat eine eigene Bedeutung in meinem Leben.» Mittlerweile meinten die Leute, sie sei Teil der Vierlinge und Niels der ältere Bruder. «Wir Schwestern sehen uns alle sehr ähnlich, und Niels ist halt einen Kopf grösser», meint Jolein lachend.


Saitenliebe

Bruno Eicher (68), Hergiswil NW

Ist quasi mit seiner Gitarre verheiratet: Bruno Eicher.

Ist quasi mit seiner Gitarre verheiratet: Bruno Eicher.

Die Beatles sind an allem schuld. Als Bruno Eicher mit 14 Jahren das erste Mal «She Loves You» hörte, war es um ihn geschehen: Er wollte selbst so Gitarre spielen wie George Harrison. Kurz darauf schenkte ihm sein Grossvater die erste E-Gitarre. Das Spielen brachte sich Eicher selbst bei. «Mein erster Song war die Titelmelodie der Serie ‹Bonanza› », erinnert sich der 68-Jährige. Sein musikalisches Talent hatte einige Vorteile. «Die Mädels waren mächtig beeindruckt », erzählt Bruno Eicher und grinst schelmisch. Am liebsten spielte er die Hits von Deep Purple, The Who, AC/ DC und seinem grössten Idol Jimi Hendrix. Am Musikfestival «Isle of Wight» in Südengland begegnete er Hendrix 1970 persönlich. Dieses einschneidende Ereignis brachte ihn der Musik noch näher. Der Entlebucher spielte in mehreren Bands, feierte 1980 als Mitglied von Why Blood mit «Mexicana Hotel» sogar einen grossen Hit. Mit zwei seiner damaligen Bandkollegen ist Eicher auch heute noch am Rocken. In einem Kellerabteil in Stansstad wird gesungen, aufgenommen und produziert. «Bitte nicht auf die Kabel treten», mahnt Eicher die Besucher. Er kennt seine Prioritäten. Bis zu fünf Stunden täglich musiziert der «Alpen-Hendrix». Für andere Beziehungen bleibt da nicht viel Zeit. «Ich bin quasi mit meinen Gitarren verheiratet.» Im Bandraum ist seine Gitarrensammlung untergebracht. Jedes der 15 Saiteninstrumente wurde von ihm liebevoll restauriert. «Ich habe sie so auf meine eigenen Bedürfnisse abgestimmt, dass sie unverkäuflich sind.» Seine Lieblingsgitarre ist eine rote Gibson Les Paul. «Wenn ich ihren melodischen Klang höre, vergesse ich alles um mich herum und schwelge in Erinnerungen.» Eicher, der sich selbst als «pensionierten Teenager» bezeichnet, nimmt sie in die Hand und beginnt zu spielen.


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