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Nach getaner Arbeit einfach mal zurücklehnen - so wird der eigene Garten zum Paradies. (Bild: Getty)

Nach getaner Arbeit einfach mal zurücklehnen - so wird der eigene Garten zum Paradies. (Bild: Getty)

Unser Garten:
Der letzte Luxus

Wieso es heute alle in den Garten zieht, hat viel mit unserer schnelllebigen Zeit zu tun. Denn im Garten finden wir das, was heutzutage am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum.
Silvia Schaub

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt es als spiessig, bieder und langweilig, seine Freizeit mit Gartenarbeit zu verbringen. Ich liess mich davon nicht beeindrucken – zumal mir das Gartenglück sozusagen zugeflogen kam. Als ich meine erste Wohnung bezog, hatte ich auch einen Garten-Pflichtanteil zu übernehmen. Ich hatte null Ahnung vom Gärtnern und sollte nun 50 Quadratmeter Erde hegen und pflegen! Nach ein paar harten Jahren – geprägt von diversen Misserfolgen – ist mir das Jäten und Pflanzen, das Säen und Schneiden zur grossen Leidenschaft geworden und bis heute geblieben. Deshalb kann ich bestätigen: Man muss nicht zwingend mit einem grünen Daumen geboren werden. Inzwischen ist das Gärtnern das, was in den 50er-Jahren das Basteln und in den 90er-Jahren der Sport war: ein Mega-Trend.

Die heile Welt vor der Haustür

Das hat wohl auch damit zu tun, dass man mit dem Garten mehr als nur ein liebes Hobby verbindet. Er ist vielmehr zu einem Fluchtort geworden. Wenn es draussen in der Welt wieder mal drunter und drüber geht, die Mächtigen ihre politischen Spielchen treiben, dann sehnt man sich nach einem Stück heile Welt, einem Plätzchen, das als Sinnbild für gesundes Wachstum und Verbundenheit mit der Natur erlebt wird. Heute geht es freilich nicht nur darum, einen Garten oder eine Terrasse als Repräsentationsfläche zu halten, sondern um Selbstverwirklichung. Die neue Generation von Gärtnern will selber anpacken statt die Arbeit dem Profi zu überlassen. Sie, die ansonsten ihre Finger nur für den Computer oder das iPhone in Bewegung setzen, spüren immer häufiger ein unbändiges Kribbeln, sobald die Sonne durch die Wolken bricht. Statt durch die Welt zu surfen, zieht es sie nach draussen, um Beete umzugraben, Rabatten zu jäten und Bäume zu schneiden. Das alles empfinden sie nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne, sondern als Leidenschaft. Kein Wunder, zählt der Dreck unter den Nägeln zum neuen Statussymbol.

Was aber weckt in uns diese Sehnsucht? Vielleicht schlicht ein tiefer Instinkt, der uns Vielbeschäftigte und Gehetzte in der Freizeit dazu bringt, in der wohlriechenden Erde zu wühlen und aus dem Nichts etwas Vergängliches, aber Erfüllendes zu schaffen. Wer selber gärtnert, weiss, welch intensive Beziehung man mit einem Fleckchen Erde aufbauen kann – auch wenn es nur ein paar Balkonkistchen sind. Ein Fleckchen, an dem man selber Hand anlegen und sich von der Natur immer wieder überraschen lassen kann. «Es ist wohl der Wunsch nach mehr Ruhe, Sicherheit und als Gegenpol zur virtuellen Digitalwelt, zur Sofortness und zum hektischen Alltag», betont die Schweizer Trendforscherin Joan Billing. Das Thema habe sich in den letzten 15 Jahren zu einem grossen Trend entwickelt und werde uns noch eine Weile beschäftigen, ist sie überzeugt.

Erste Gartenlektion: Geduld

Der Aargauer Gartengestalter Alain Diebold glaubt, dass dies vor allem auch damit zu tun hat: «Im Alltag ist doch vieles unecht oder Show. Pflanzen hingegen stellen eine Verbindung zu Mutter Natur, zu unserem Ursprung her. Sie gibt uns viel zurück – ohne Worte und Klagen.» Und sie ist es letztlich, die uns den Takt vorgibt.

Deshalb lehrt uns Gartenarbeit einiges fürs Leben: zum Beispiel Geduld. Wer im Herbst Tulpenzwiebeln setzt, muss bis im Frühling warten, bis sie blühen. Wer einen Baum pflanzt, kann erst in 15 Jahren seine volle Schönheit geniessen. Demut, auch das lehrt uns der Garten. Denn bittere Erfahrungen werden die meisten erleben. Schnecken, Mäuse oder Buchsbaumzünsler, Hitzewellen, Hagel oder Dauerregen – sie alle zeigen uns, dass wir die Natur nicht beeinflussen können, sondern im Prinzip nur Handlanger im Kosmos sind. Allen Misserfolgen zum Trotz werden wir dennoch hoffen, dass in der neuen Saison alles gedeiht und zur Blüte kommt – und die Schädlinge einen Garten weiterziehen. Als «Kampfzone der Zeitgeistbeflissenen» betitelte vor ein paar Jahren Stilpapst Jeroen van Rooijen den Garten. Das war vielleicht tatsächlich einst so, als man alle gärtnerischen Tätigkeiten unter «Gartenarbeit» zusammenfasste. Wie viel leichter klingt es dagegen, wenn man heute von «Gardening» spricht, wie die Engländer ihr liebstes Hobby nennen. Das wirkt doch gleich einiges entspannter. Und so entspannt kann man die Gestaltung seines Balkons oder seines Gartens auch angehen.

Zweite Lektion: Richtige Auswahl

Wer sich im Garten nicht nur abrackern, sondern sein getanes Werk auch mal geniessen will, dem seien hier ein paar Ratschläge auf den Weg gegeben. Denn so mancher Hobbygärtner steigt mit zu vielen Ambitionen ins Rennen, will heissen, dass er am Anfang zu viel will und zu dicht bepflanzt. Statt sich zu entspannen, rennt er dann der Gartenarbeit hinterher. Das A und O ist die Pflanzenwahl. Wer mehrjährige, einheimische und möglichst auch winterharte Pflanzen und Gewächse wählt und diese dem Standort entsprechend pflanzt, wird weniger zu arbeiten haben.

Und statt einen grünen Rasen anzulegen, empfiehlt es sich, eine Blumenwiese wachsen zu lassen. Der Vorteil: Man muss die Wiese weder vertikutieren noch düngen und nur selten mähen. Darüber hinaus bietet man den einheimischen Insekten und Vögeln ideale Lebensbedingungen. So dürfen wir uns an der Natur erfreuen, die uns immer wieder aufs Neue beschenkt. Nicht nur mit Früchten und Gemüse, sondern noch viel mehr mit unvergesslichen Momenten. Oder wieder mit den Worten der Trendforscherin Joan Billing: «Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum.»

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