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Wenns im Garten kreucht und fleucht

Manche sind einfach nur lästig. Müssen Insekten sein? Ja, sagt die Biologie. Wer den Nutzen dieser Kleintiere kennt, weiss auch besser mit ihnen umzugehen.
Atlant Bieri
Ameisen im Garten: Nicht die Lieblingstiere jedes Gärtners. (Bild: Getty)

Ameisen im Garten: Nicht die Lieblingstiere jedes Gärtners. (Bild: Getty)

Die Insekten im Garten sind vielen Leuten lästig. Sie surren einem um den Kopf, sie stechen, sie kriechen ins Haus, befallen die Rosen, und sie fressen das Gemüse. Viele Gartenbesitzer greifen darum ­regelmässig zur Chemiekeule. Aber es gibt noch andere, sanftere Wege, die man zuvor mindestens einmal versuchen sollte. Der Ansatz lautet: statt die Natur zu bekämpfen, einfach mal mit ihr leben. Ein Beispiel wären da etwa die Schmetterlingsraupen. Im Sommer legen Kohlweisslinge oder Schwalbenschwänze ihre Eier mitten ins Gemüsebeet. Die aus ihnen schlüpfenden Raupen fressen den Fenchel und das Karottenkraut ab, und sie durchlöchern den Weisskohl.

Schmetterlinge in Ruhe lassen

Das ist ärgerlich, doch Schmetterlinge zählen zu einer bedrohten Gruppe von Insekten und sollten nicht bekämpft werden. Um das Gemüse vor dem Kahlfrass zu bewahren, kann man beispielsweise einige Pflanzen für die Schmetterlingsraupen reservieren. Diejenigen des Schwalbenschwanzes etwa lassen sich leicht ablesen und auf die für sie gedachten Pflanzen umsiedeln. So gibt es am Ende Naturschutz plus ­Gemüse.

Aber wie steht es mit den äusserst lästigen Blattläusen? Sie vermehren sich zu Tausenden, und mit Ablesen ist es hier nicht getan. Dafür hilft allenfalls eine Gartenverschönerung. Und zwar mit dem Anlegen einer Blumenwiese. Eine Studie vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL hat gezeigt, dass sogenannte Buntbrachestreifen am Rande von Obstanlagen die Blattlauspopulationen langfristig senken. Derselbe Trick lässt sich auch im Garten anwenden. Denn die Blüten locken Nützlinge wie Florfliegen, Schlupfwespen oder Schwebefliegen an. «Diese ­ernähren sich von den Pollen. Danach ­legen sie auf Gemüsepflanzen oder auf Obstbäumen ihre Eier ab. Die aus ihnen schlüpfenden Larven ernähren sich ausschliesslich von Blattläusen», sagt Andreas Häseli, Agronom beim FiBL. «Wenn das aber nichts hilft, tun Seifenpräparate ihre Dienste. Sie müssen aber wiederholt eingesetzt werden.» Ein anderes altes Hausmittel, der Brennnessel-Sud, wirkt auch, aber nur, während er am Gären ist.

Nun gibt es aber auch Insekten, die ausserhalb des Gemüsebeets aktiv sind und uns selbst in der wohlverdienten Mittagspause stören: die Wespen. Das Problem ist, dass sie sich umso lästiger gebaren, je weiter der Sommer fortschreitet und je grösser damit ihre Staaten werden. Es mag nur ein schwacher Trost sein, zu sagen, dass Wespen wichtige Nützlinge des Gartens darstellen. Denn für ihre Larven jagen sie nach Blatt­läusen, Raupen und die sehr zahlreichen Fliegen. Zudem sind sie selbst Nahrung für Vögel wie etwa den Wespenbussard, den Neuntöter oder den Bienenfresser. Wen das nicht über ein vereiteltes Mittagsschläfchen hinwegtröstet, kann einen der folgenden Tricks anwenden: «Wenn man im Frühling eine Wespenkönigin immer wieder in einen Storenkasten hineinfliegen sieht, kann man die Stelle, wenn die Königin draussen ist, mit einem Insektenspray besprühen. Dann sucht sich die Königin eine neue Stelle, um ein Nest zu bauen», sagt die Biologin Gabi Müller, Leiterin Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich.

Mit Sprühflaschen gegen Wespen

Später im Jahr, wenn sie sich als ständige Mitesser zu uns an den Gartentisch gesellen, heisst es: Wasser, Marsch! «Das beste und auch bei Kindern sehr beliebte Hausmittel ist eine mit Wasser gefüllte Sprühflasche. Jedes Mal, wenn sich eine Wespe dem Esstisch nähert, sprüht man sie an. Das haben sie nicht gern, und sie verziehen sich. So verlieren Kinder auch ihre Angst vor Wespen», sagt Müller. «Manche Leute stellen den Wespen einen Teller mit Fleisch und Konfitüre etwas von ihrem Esstisch entfernt hin. So können sich die Wespen dort bedienen und müssen nicht zu den Leuten hinfliegen.» Nicht alle Wespenarten werden Menschen lästig. «Die häufig in Siedlungs­nähe auftretenden Wespenarten Hor­nisse, Mittlere Wespe, Sächsische Wespe und die Feldwespe kommen nicht an den Tisch. Die Nester dieser Arten sollte man möglichst an ihrem Ort hängen lassen. Sie sind sehr spannend zum Beobachten», sagt Müller. Der Spass hört jedoch ganz auf, wenn die Insekten sich nicht nur an den Gartentisch wagen, sondern auch in das Haus marschieren. Hierin sind die Ameisen wahre Meister.

A wie Ameisen und Armee

Ihre Strassen ziehen sich zum Brotkasten, zum Kompostkübel in der Ecke oder quer über die Küchentheke auf der Suche nach einem Tropfen Honig oder einem angebissenen Schokoriegel. Die erste Massnahme lautet: Geduld. «Es kann sein, dass die Ameisen im Frühling im Freien noch zu wenig Nahrung finden und deshalb in Gebäude eindringen. Sobald es draussen ein grösseres Nahrungsangebot gibt, verschwinden sie dann auch wieder. Falls das so ist, muss man nichts machen», sagt Müller. Wenn sie allerdings immer wieder zurückkommen, dann ist die nächste Eskalationsstufe das Aussperren. «Eintrittsstellen können, falls es baulich möglich ist, mit Mörtel, Silikon oder neuen Dichtungen an den Fenstern abgedichtet werden», sagt Müller. «Wenn aber jedes Jahr Ameisen in Armeestärke auftreten, oder wenn sie über alle Lebensmittel herfallen, sollte man besser eine Schädlingsbekämpfungsfirma mit dem Fall beauftragen», sagt Müller.

Wie man mit Insekten umgeht

An den Rändern des Gartens oder überall, wo es sonst noch Platz gibt, einen Streifen mit Blütenpflanzen ansäen. Das lockt Nützlinge wie Florfliegen, Schlupfwespen oder Schwebefliegen an. Deren Larven ernähren sich von Blattläusen.

Wasser-Sprühflasche auf den Gartensitzplatz stellen. Damit lassen sich Wespen vertreiben.

Eine Ecke des Gemüsebeets für Schmetterlingsraupen reservieren.

Nistplätze für Vögel schaffen wie beispielsweise Nistkästen aufhängen oder dichte Sträucher pflanzen. Vögel fressen viele Insekten, darunter Fliegen, Mücken und Raupen.

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