Summender Frühling: Imker Stefan Jans öffnet seine Bienenkästen

Als leidenschaftlicher Imker produziert Stefan Jans (34) in Wilen bei Sarnen seinen eigenen Honig. Der gelernte Schreiner hält bei Imkervereinen in der Zentralschweiz Vorträge und Workshops zur Bienengesundheit. Lesen Sie, was ihm durch den Kopf geht.

Aufgezeichnet von Antonio Russo
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In der Frühlingsausgabe des Print-Magazins «Saison» vom 9. März erwarten Sie einige tiefsinnige Gedanken zur Zeit, ausgewählte Kraftorte, Rezeptideen mit saisonalem Superfood, berührende Liebesgeschichten und Tipps rund ums E-Bike.

Bild: Manuela Jans, Illustration: Oreste Vinciguerra

Bild: Manuela Jans, Illustration: Oreste Vinciguerra

«Manchmal träume ich von meinen Bienen. Einmal verfolgte mich ein stechfreudiger Trupp Wächterbienen, ein andermal hatte ich plötzlich ganz viele Völker, in einem anderen Traum waren nach dem Auswintern gar keine mehr da. Doch zum Glück habe ich nach dem Überwintern bisher im Durchschnitt nur um die fünf Prozent Verluste.

Auf den Frühling hin werde ich ganz kribbelig, endlich kann ich dann die Bienenkästen wieder öffnen. Ich bin gerne draussen in der Natur, Pflanzen und Insekten faszinieren mich. Mit 17 fand ich einmal auf unserem Balkon eine Ameisenkönigin. Mit ihr habe ich einen Ameisenstaat gegründet. Doch die Beschäftigung mit Ameisen war mir langfristig zu wenig intensiv. Bienen hingegen sind fast das ganze Jahr spannend. Mit der Imkerei habe ich vor sechs Jahren angefangen. Davor war ich viel auf Reisen und auch beruflich häufig unterwegs. Wer Bienen hält, trägt viel Verantwortung und muss bereit sein, Zeit zu investieren. Meine 30 Bienenvölker geben gut 400 Stunden Arbeit im Jahr.

Während der Wintermonate gibt es für Imker weniger zu tun. Ich kümmere mich dann etwa um die Vermarktung des Honigs und stelle Mittelwände aus Bienenwachs her. Die Mittelwände sind gerahmt und weisen ein vorgeprägtes Wabenrelief auf, das die Bienen ausbauen und zum Brüten nutzen. Der Honig, den sie im Sommer darin einlagern, dient eigentlich als Nahrung zum Überwintern. Wir ernten einen Teil davon Ende Mai und Ende Juli. Als Ergänzung zum Wintervorrat erhalten die Bienen zusätzlich Futtersirup.

Bienen gelten als fleissig, es gibt aber auch faule Völker, die weniger Honig produzieren. Manche wiederum sind aggressiver als andere und klauen etwa einem fremden Staat den Honig, um so die eigenen Überwinterungschancen zu erhöhen. Bienen sind aber auch demokratisch. Sie müssen immer einen Konsens finden, es ist nicht die Königin allein, die bestimmt, wo es langgeht – etwa bei der Suche nach neuen Brutplätzen. Es kommt auch vor, dass ein Staat nicht zufrieden ist mit der Königin und diese dann absticht.

Ein vieldiskutiertes Thema ist das Bienensterben. Es betrifft vor allem Wildbienen. Diesen fehlt immer mehr die Lebensgrundlage, weil Monokulturen in der Landwirtschaft sowie Steingärten und sauber gemähte Rasenflächen in Wohngebieten für das Verschwinden vieler Blütenpflanzen verantwortlich sind. Es ist zu leicht, den Bauern allein die Schuld zuzuschieben. Wir alle sind durch unser Konsum- und Freizeitverhalten dafür verantwortlich, was mit der Natur passiert.

Denke ich an meine Imkerzukunft, so wünsche ich mir nicht mehr, sondern gesunde und widerstandsfähigere Völker und einen angemessenen Honigertrag. Wie ich den Honig am liebsten mag? Auf dem Zmorgebrötli natürlich!»