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SBB REISEMAGAZIN APRIL 2017: Die Puppenspieler vom Bahnhof

Auf und neben den SBB-Schienen gibt es Ereignisse, die den täglichen Rhythmus durchbrechen: ein Blick aufs Verkehrsmanagement der Bahn bei Grossanlässen.
Bei geplanten Grossereignissen genauso wie bei unvorhergesehenen Geschehnissen ist Koordination das A und O für die SBB-Mitarbeitenden an der Front.

Bei geplanten Grossereignissen genauso wie bei unvorhergesehenen Geschehnissen ist Koordination das A und O für die SBB-Mitarbeitenden an der Front.

«Ich geniesse es, jetzt wieder länger als vier Stunden am Stück schlafen zu können», sagt Philipp Portmann, Leiter Verkehrsmanagement am Bahnhof Luzern mit erleichtertem Ausdruck im Gesicht. Er schaut zurück auf Tage, die er in seinem Leben nie vergessen wird: Beim Unfall des Eurocity-Zuges vor dem Bahnhof Luzern vor drei Wochen war er einer der Dreh- und Angelpunkte bei der logistischen Bewältigung des Ereignisses.

«Ich war als einer der Ersten am Unfallort und sah die ‹Daumen hoch›-Zeichen der Passagiere im verunfallten Zug. Somit konnte ich mich mit meinem Team sofort an die Planung der erforderlichen Massnahmen machen.» Was dann geschah, ist bekannt und eindrücklich: Die Pendlerströme von und nach Luzern wurden innert Stunden in neue Transportkanäle gelenkt, die Verspätungen hielten sich im Rahmen einer grosszügigen Espresso-Pause, die betroffenen Reisenden sprechen unisono anerkennend über die logistische Abwicklung des Ereignisses durch die Bahn und die beteiligten Busunternehmen.

Dutzende Mitarbeiter der SBB lenkten die Menschenströme auf dem Vorplatz des Bahnhofes. Das Ganze spielte sich so ruhig und koordiniert ab, wie wenn das Szenario einmal im Monat geübt würde. «Ich war der Puppenspieler mitten drin», erklärt Philipp Portmann seine Funktion als Koordinator, die er auch bei im Voraus geplanten Events wahrnimmt, wie etwa bei der Planung des Angebots der Nacht-S-Bahnen oder des «Nachtsterns» für die Festfreudigen.

Der Wettergott hat geholfen

Ein dickes Dossier im Regal des Bahnhofs Luzern ist die Fasnacht. «Die Ausgabe 2017 war ein Highlight, die Züge waren rappelvoll», erinnert sich Philipp Portmann, Herr über allein 16 Extrazüge, die zur Fritschi-Tagwacht an die Reuss fuhren. Dazu zig Sonderkurse der Busbetriebe. Der Wettergott war am aussergewöhnlichen Run zu den Ereignissen der «rüüdigen Tage» natürlich massgeblich mitbeteiligt.

«17 500 Fasnachtspässe und Fasnachtsbillette wurden abgesetzt, ein neuer Rekord», kann Hans Vogel von SBB Personenverkehr mitteilen. Für 7 Franken mit dem Halbtaxabo reisen die Fasnachtsbegeisterten nach Luzern. Ein Preis, der nur dank Partnern wie Bucherer, Coop, den CSS Versicherungen, dem Bahnhof Luzern und der Brauerei Eichhof realisierbar ist. «Die Transportunternehmen leisten dank dieser Unterstützung von Sponsoren einen wichtigen Beitrag zu einer sicheren Luzerner Fasnacht», sagt Hans Vogel. Der planerische und logistische Aufwand zur Bewältigung solcher Ereignisse ist gross, gilt es doch, die Zusatzleistungen auf der Schiene derart clever in den bestehenden Fahrplan einzubauen, dass der «normale» Fahrgast nichts davon spürt, sprich keine Verspätungen resultieren. «Ein solcher Anlass ist immer auch ein Zusammenspiel mit den Organisatoren des Events», sagt Manuela Hofstetter-Schären, zuständig für die Dimensionierung der Extra- und Verstärkungsleistungen in der Zentralschweiz.

In der Regel wird heutzutage beim Einholen einer Event-Bewilligung bei den Behörden vom Organisator ein Mobilitätskonzept verlangt. Dieses gibt einen Anhaltspunkt zum Anteil der Besucher, die mit dem öV anreisen werden.» Sobald wir den Bedarf abschätzen können, wird diese Information mit den bestehenden Kapazitäten abgeglichen. So werden eventuell benötigte Zusatzleistungen eruiert, wobei natürlich die Erfahrung die grösste Rolle spielt», erklärt Manuela Hofstetter-Schären. So zum Beispiel beim Luzerner Fest, einem weiteren Ereignis, das von der SBB und weiteren öV-Partnern jedes Jahr «das goldene Händchen» abverlangt. «Wir müssen Änderungen am Anlasskonzept immer in unsere Vorbereitungen einfliessen lassen», betont ­Philipp Portmann vom Verkehrsmanagement.

Dem Anlass angepasstes Angebot

Dieses Jahr wird der Verzicht aufs Feuerwerk Einfluss haben auf die Planung von Zusatzleistungen. «Wir werden einen regelmässigeren Zustrom von Gästen haben, nicht eine grosse Spitze vor und nach dem Feuerwerk.» Entsprechend werden die Zusatzzüge mehr über den Abend verteilt und der Umfang der Sonderleistungen angepasst. «Extrazüge sind immer mit hohen Kosten verbunden», erklärt Hans Vogel. «Die Zusatzleistungen müssen deshalb immer finanziert werden. Dies passiert zum einen Teil aus den zusätzlichen Billetteinnahmen, aber auch über finanzielle Beiträge der Veranstalter.» Sollten die Mittel beschränkt sein, wird über Sponsoring die Lücke gefüllt, «oder man plant weniger Extrazüge und mehr Verstärkungen ein, sprich: zusätzliche Wagen am Zug, um das Budget zu entspannen», so Manuela Hofstetter-Schären.

Grossereignisse bringen mehr Verkehr auf der Schiene, aber auch «Nebenwirkungen» an den Bahnhöfen und in den Zügen. Hier ist die Transportpolizei gefordert, die immer in die Eventplanung involviert wird. Auch sehr wichtig: die Sauberkeit. Wenige Stunden nach dem Ende eines Grossereignisses sieht es auf den Bahnhöfen immer wieder so aus, als wäre gar nichts Aussergewöhnliches geschehen: das Verdienst des engagierten Teams von SBB RailClean. Alle Stellen bei Gross- oder Sonderereignissen der SBB arbeiten auf eindrückliche Art so koordiniert zusammen, wie es Philipp Portmann umschreibt, wenn er von sich und seinem Team als den «Puppenspielern vom Bahnhof» spricht

Andréas Härry

Kommende Grossereignisse in der Zentralschweiz

24. bis 25. Juni 2017: Luzerner Fest
24. Juni 2017: Zuger Seefest
21. bis 29. Juli 2017: Blue Balls Festival
20. August 2017: SlowUp Seetal, Sempachersee
Dazu viele weitere kleinere und grössere Anlässe sbb.ch/veranstaltungen

«Wir müssen Änderungen am Anlasskonzept immer in unsere Vorbereitungen einfliessen lassen.» Philipp Portmann, Leiter Verkehrsmanagement Zentralschweiz

«Wir müssen Änderungen am Anlasskonzept immer in unsere Vorbereitungen einfliessen lassen.» Philipp Portmann, Leiter Verkehrsmanagement Zentralschweiz

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