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SBB-REISEMAGAZIN JUNI 2016: Wandererlebnisse in den Suonen

Suonen sind Wasserleitungen der besonderen Art, mit denen Walliser Bergbauern ihre stotzigen Wiesen bewässern. Oberhalb von Mund bei Brig sind sie zu erwandern und zu erleben.
Bisse de la Wyssa, creusé dans le roche. (Bild: Christian Perret)

Bisse de la Wyssa, creusé dans le roche. (Bild: Christian Perret)

Dies vorweg: Der Lötschberg-Basistunnel bringt uns «Üsserschwyzern» auch fast vergessene Meisterwerke näher – die Suonen, wie die Bewässerungskanäle der Oberwalliser Bergbauern heissen. Mit Bahn und Postauto dauert eine Reise von Luzern nach Mund (das ist das berühmte Dorf, wo Safran wächst) gerade noch 2 Stunden und 40 Minuten. Daher zum Auftakt hier mehr zu den Suonen, die für die französischsprachigen Unterwalliser die Bissen (les bisses) sind – die übrigens oft in Rebbergen zu sehen und nicht selten ebenso spektakulär sind wie jene im Oberwallis. Diese Bewässerungskanäle führen in den trockenen Walliser Seitentälern Wasser durch Gräben und – oft hölzerne – Leitungen auf Weiden und in Weinberge. Manche dieser Suonen sind mit abenteuerlichen Holzkonstruktionen in Felswände eingehängt – nicht umsonst ist bei Wanderungen entlang von manchen Suonen absolute Schwindelfreiheit Voraussetzung! Die ältesten Suonen entstanden vor über tausend Jahren – die Walliser wussten sich immer schon zu helfen ... Doch nicht allein die oft unter Lebensgefahr erbauten und unterhaltenen Bewässerungskanäle sind faszinierend, sondern auch die zugehörigen Regelwerke, mit denen dafür gesorgt wurde, dass das kostbare Wasser auch gerecht verteilt wurde.

«Wasserteilete» der besonderen Art
Alle Benutzer einer Suone haben einen bestimmten Anteil (Geteile) des Wassers zugute, meistens in Stunden angegeben und auf einem Holzbrettchen mit Kerben notiert (mit einem «Doppel», dem Wasserscheit, im Gemeindehaus). Entsprechend dem zugestandenen Wasseranteil waren und sind auch Beiträge (oder Unterhaltsarbeiten) zu leisten. Es gibt an den Suonen auch wettergebräunte Hüterhäuschen, denn die Wächter hatten nicht nur zu kontrollieren, sondern auch zu hüten, also die Leitungen von Sand und Laub zu reinigen und zu flicken.

Wer durch die Suonenhänge wandert, wird auch den Klang des Wasserhammers wahrnehmen. Dabei handelt es sich um ein Wasserrad, das hämmernden Lärm verursacht und somit dem Wächter das Funktionieren der Leitung bestätigt. Wird’s hingegen still, stimmt was nicht – es ist womöglich zu einem Leitungsbruch gekommen.

Stigwasser, Oberschta und Wyssa
Nun zu konkreten Vorschlägen für zwei herrliche Suonen-Wanderungen, die sich bestens als Tagesausflüge eignen – auch an heissen Sommertagen, da viele Wegabschnitte in Schatten spendendem Wald liegen. Beide Wanderungen sind nicht geeignet für kleinere Kinder. Und wer die Suone Wyssa erleben will, braucht Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Die einfachere Wanderung führt entlang der Suone Stigwasser ins wildromantische Gredetschtal. Am oberen Ende dieser Suone führt eine Brücke über den Mundbach – und schon geht es abwärts entlang der Suone Oberschta nach Ober-Birgisch und hinab nach Birgisch, einem Nachbardorf von Mund an der Strasse nach Naters und Brig. Die Suone Oberschta ist zum Teil in schwierigem Gelände angelegt, aber dennoch meistens bequem zu begehen – Suonen haben ja fast wie römische Aquädukte geringes Gefälle (und bei einer Wanderung in der Gegenrichtung ebenso geringe Steigungen). Die Gesamtstrecke misst rund 5,5 km und ist in weniger als zwei Stunden zu schaff en. Unterwegs sieht man viele Spuren der ehemals waghalsigen Linienführung der Suone Oberschta. Ober-Birgisch ist ein typisches Walliser Weilerchen. Und noch, damit nichts unterschlagen sei, dies: Die Suone Stigwasser, 1521 erstmals in einem Reglement dokumentiert, führt heute nur noch zur Freude der Touristen Wässerwasser um die Felsen des Gredetschtals. Aber die Freude bleibt.

Anstrengender: Suone Wyssa
Von Mund aus, wo das Postauto hält, gilt es bis zur Suone erst mal rund 270 Höhenmeter zu bewältigen, die ziemlich steil sind. Oberhalb des Weilers Roosse führt ein Wanderweg hoch zum Tunnelausgang des begehbaren und 1120 m langen Stollens. Nebenan liegt der Einstieg in die Suone Wyssa. Bald führt der Weg mehrfach durch niedere Tunnel, auf Brettern, unter denen Wasser fl iesst. Auch hier sieht man abweisende Felsen, denen entlang die Suone vor dem Bau der Tunnel lief – einige in den Felsen verbliebene Holzkännel erinnern daran.

Für Wanderer gibt es einen guten Weg. Die Suone ist abwechslungsreich angelegt. Bei der Rückwanderung nach Roosse lädt der erwähnte Tunnel zur Abkürzung ein. Und: Am oberen Ende der Suone Wyssa lohnt sich ein kurzer Aufstieg zur Wasserfassung beim Mundbach. Vor 1908 fl ossen die Wasser der Wyssa durch 515 Meter Kännel, wofür rund 200 einzelne Holzkännel montiert werden mussten. Ein bisschen Ehrfurcht gegenüber den Leistungen der einstigen Walliser ist da wohl angebracht. Aber für trittsichere Schwindelfreie natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Zum Abschluss Feines im Restaurant Safran
Am Ende der anstrengenderen Suonen-Wanderung lohnt sich die Einkehr im Restaurant Birgisch, nicht nur wegen der Hausspezialität «Eringer Entrecôte». Das Wirtepaar Barbara und Jonny Imboden überzeugt mit seinen Leistungen und seinen Preisen. Das Restaurant Safran in Mund bietet verschiedene Safranspezialitäten. Grund: Mund ist der einzige Ort der Schweiz, in dem Safran angebaut und kultiviert wird – und das darf auch Kult sein. Safran wurde wahrscheinlich von einheimischen Söldnern aus Kriegsdiensten in der Fremde im 15. Jahrhundert ins Dorf gebracht. Seit 1979 fördert die Safran-Zunft (aber nicht jene aus Luzern!) den Anbau der Gewürzpfl anze in Mund, kontrolliert die Ernte und wirbt für das Safrandorf.


Autor Walter Schnieper

Die Anreise ab Luzern nach Mund dauert 2 Stunden 40 Minuten.Für diese Reise empfiehlt sich die Tageskarte.


Weitere schöne Suonen-Wanderungen sind auf der Seite von Valais Tourisme unter der Rubrik Aktivitäten/Wandern zu finden.

Suonen (Bild: Pd)

Suonen (Bild: Pd)

Suonen Karte (Bild: SBB)

Suonen Karte (Bild: SBB)

Suonen (Bild: Pd)

Suonen (Bild: Pd)

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