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ESSEN: Kleines Wunderstück Magenbrot

Was steckt hinter dem verführerischen Duft? Wo liegen die Geheimnisse der Herstellung? Ein Rundgang durch einen erfolgreichen Familienbetrieb in Altbüron LU klärt so ziemlich alle offenen Fragen rund um diese Leckerei.
Janis Bangerter, Roderic Bucher,
Schülerinnen und Schüler bewundern frischgebackene Herzbrotstangen. Daraus wird das Magenbrot. (Bild: Chiara Rölli und Peter Flückiger (Lehrer))

Schülerinnen und Schüler bewundern frischgebackene Herzbrotstangen. Daraus wird das Magenbrot. (Bild: Chiara Rölli und Peter Flückiger (Lehrer))

«Wau, lecker, Magenbrot! Darf ich zubeissen?» – «Mmh, sind wir an einer Kilbi?» – «Magenbrot! Da kommt mir die Adventszeit in den Sinn: Weihnachtsguetzli, Zimtsterne, Brunsli ...» – Das sind Spontanreaktionen von Jugendlichen, die mit verbundenen Augen an einem Tisch sassen, wo plötzlich der Deckel über der Schüssel voller köstlichem Magenbrot gehoben wurde und das Aroma in die Nasenflügel strömte ... Was steckt aber hinter dem verführerischen Duft? Eine Betriebsbesichtigung verschafft Klarheit.

Unvergessliche Betriebsbesichtigung

Es ist der 22. März in Altbüron im Luzerner Hinterland. Die Geschäftsführerin der Firma Ma-genbrot-Profi AG, Rita Meyer (53), empfängt um acht Uhr neun aufgeregte Jugendliche der 1. Sek Zell. Nach einer herzlichen Begrüssung geht’s bald ins Innere des Magenbrotherstellers. Halt, zuerst sind die Hygienevorschriften einzuhalten! Also werden Hauben über die Haare gestülpt, ein Ganzkörperschutz übergestreift sowie Schuhüberzüge montiert. Dann geht’s los in die Backstube.

«Das ist ja riesig!», staunt jemand. Tatsächlich, anstelle einer Backstube treten die Jugendli-chen vielmehr in einen turnhallengrossen Produktionsraum einer modernen Firma, eine veri-table Backhalle! Peinlich sauber ist alles, und überall stehen riesige Anlagen. Rita Meyer erklärt dann Schritt für Schritt und fachgerecht, was der Zweck der einzelnen Teile ist: zum Beispiel die Teigmaschine, die riesige Wasserstrahlmaschine, die mannshohen Backöfen mit Türen, in die man gleich hineintreten könnte, oder eine Eigenkreation einer Maschine, wo vorne hundsgewöhnliche Gabeln dafür sorgen, dass bei der Biberproduktion das schöne Muster auf die Oberfläche geritzt wird. Gleich daneben strahlt eine ganze Reihe von glänzenden Kupferkesseln über Gasbrennanlagen – ein weiterer Produktionszweig der Firma: gebrannte Mandeln.

Eifrig wird weiter hinten gearbeitet: Produktionsleiter Markus Zemp drückt Teigstücke aus der einen Maschine in die nächste, welche Brotstangen fürs Magenbrot formt. Diese spuckt dann je vier Stränge à einen Meter aus, die auf einem Blech Platz finden. Wieselflink wird ein vollgeladenes Blech nach dem andern auf einen Rollwagen gestapelt. Diese «Trolleys» ähneln jenen aus Fast-Food-Restaurants. Nur haben sie keine Gummibereifung oder andere Kunststoffe, denn sie werden anschliessend direkt in den Ofen gefahren. So werden in der Hochsaison in einem Monat bis 80 Kilometer solcher Herzbrote fürs Magenbrot gebacken. Eins nach dem andern aufgereiht gäbe das die Strecke von Luzern nach Basel.

Zum Schluss erreichen die Jugendlichen dann die dominante Anlage der Halle, die Magenbrot-Glasiermaschine: Wie eine riesige Wendeltreppe schraubt sich ein Förderband in die Höhe, das die frisch glasierten Leckerbissen langsam trocknet und anschliessend direkt abfüllt. Rita Meyer ist anzusehen, wie stolz sie ist über ihre «Backstube».

Gemäss Duden ist Magenbrot ein «süsses, kakaohaltiges, glasiertes, lebkuchenartiges Kleingebäck». Andere Definitionen reden von «süss-würzigem Gebäck», das in «mundgerechten Stückchen» in Süddeutschland und der Schweiz angeboten wird. Noch im 19. Jahrhundert wurde es als «Alpenkräuterbrot» bezeichnet und gar in Apotheken als «Medizin» verkauft.

Die SRF 1-Sendung «Puls» vom 2. November 2015 attestierte dem Magenbrot eine positive ­gesundheitliche Wirkung. So würden etwa Gewürznelken die Verdauung anregen und gegen Appetitlosigkeit und Magenschleimhautentzündungen helfen. Zimt habe eine gute Wirkung gegen krankmachende Keime im Essen. Der Sternanis seinerseits wirke gegen Magenkrämpfe und Blähungen. Die Muskatblüten schliesslich regten die Magensäfte an und förderten so die Verdauung. Der Begriff «Magenbrot» hat also durchaus seine Berechtigung. Ein Vorbehalt bleibt: Magenbrot ist eine regelrechte Kalorienbombe – mit satten 350 kcal pro 100 Gramm!

Betrieb mit Charme

«Wir produzieren seit 1971 Magenbrot», erläutert Rita Meyer. «Mein Schwiegervater erweiterte damals seine Dorfbäckerei mit einem neuen Produkt.» 1982 übernahmen die Söhne den Familienbetrieb, mit dem Hauptprodukt Magenbrot. «Ich selbst kam als Quereinsteigerin 1984 in den Betrieb, die Geschäftsführung habe ich vor zehn Jahren übernommen.»

«Unsere Magenbrot-Jahresproduktion liegt bei rund 250 Tonnen.» Rita Meyer weiter: «Der Firmenname Magenbrot-Profi entstand 2013. Uns ist sehr wichtig, schweizerische Qualitätszutaten zu verwenden.» Angesprochen auf den Erfolg (das Produkt wurde «Kassensturz»-Testsieger) und die Geheimrezeptur, erklärt Rita Meyer: «Es liegt eigentlich weniger an der Rezeptur selber, sondern vielmehr am richtigen Feingespür während der Produktion! Die jahrelange Erfahrung hilft sehr.»

Wie der Reiz erhalten bleibt

Zentral für den Erfolg sei auch der Kundenkontakt. «Unsere Stammkunden, die Markthänd-ler und Schausteller, haben wir seit Jahrzehnten, und aus Solidarität zu ihnen verkaufen wir nicht an Grossisten oder Einzelgeschäfte.» Eine ganzjährige Verfügbarkeit würde den Reiz des Produktes schmälern. Welche Pläne hat denn die Firma für die Zukunft? «Wir wollen das Magenbrot ja nicht konkurrenzieren! Aber was wir anstreben, ist ein neues Confiserieprodukt, um die Produktionslücken in den Nebensaisons zu schliessen.»

Eine Frage noch zum Abschluss: «Haben Sie nach so vielen Jahren selber noch Lust auf ein Magenbrot?» «Ja sicher!», schmunzelt sie, greift wie zum Beweis nach einem Magenbrot und geniesst es sichtlich: «Mmh, ist doch einfach fein!»

Janis Bangerter, Roderic Bucher,

Lars Limacher, Esra Reinhard,

Noemie Limacher, Chiara Rölli,

Simon Steffen, Tiffany Willi

Klasse AB1a (Sek) aus Zell

Lehrer Peter Flückiger

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