STERNE: Astronomie hautnah – ein Blick durchs Teleskop

Alle kennen "Astrobilder" aus dem Internet. Aber wie ist es, Mond oder Sterne mit eigenen Augen zu betrachten? Acht Jugendliche wollten es wissen. Sie haben organisiert, recherchiert, gemessen, gerechnet, fotografiert und – gestaunt!

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Die Schülerinnen betrachten durch ein Teleskop den Mond

Die Schülerinnen betrachten durch ein Teleskop den Mond

«Wie ist es wohl, durch ein richtiges Teleskop zu schauen?» «Wie nah werde ich wohl den Mond sehen?» «Was ist mit hellen Sternen, was mit schwarzen Löchern oder mit dem Polar­stern?» – Diese und andere Fragen schwirren am 30. März durch die Köpfe der acht neugierigen Jugendlichen auf ihrem Weg zu einem Waldrand in Grossdietwil. Der Neumond war vor drei Tagen, die dünne Mondsichel müsste daher am Westhimmel auftauchen. Die untergegangene Sonne verfärbt den Dämmerungshimmel in immer dunkelblaueres Licht. Und plötzlich ist die Sichel da! Weissleuchtend strahlt sie. Auch der Rest der Kugel ist prima zu erkennen.

Sofort entsteht rund um das Teleskop ein Gedränge. Die Kommentare beim ersten Blick sen­ken die Erwartungen keineswegs, im Gegenteil: «Wau, das ist ja unglaublich!» «Man kann den Mond ja fast anfassen ...» «Was, das sind ja lauter Krater! Echt cool.» Die Oberfläche des Mondes ist tatsächlich übersät von Kratern in allen Grössen und For­men. Entstanden sind sie durch mächtige Einschläge aus dem All. Solche Meteorite schlagen auf dem Mond ungebremst ein – der Schutz durch eine Atmosphäre wie bei der Erde fehlt. In mittelgrossen Kratern hätte der Kanton Luzern vier bis fünfmal Platz. Einer der grössten Mondkrater heisst «Mare Imbrium». Sein Durchmesser beträgt weit über 1000 Kilometer, der Kraterrand besteht aus einem gigantischen Ringgebirge, wo die Mondmission Apollo 15 landete. Der Krater selber entspricht einer Fläche von rund 1500 Bodenseen.

ISS und Lichtgeschwindigkeit

Plötzlich entsteht Aufregung. Es ist genau 20.54 Uhr. Ein weissleuchtender Fleck fliegt völlig lautlos über die Beobachter hinweg. Die Geschwindigkeit ist grösser als jene eines Passagier­jets, das Licht fast grell. Ein UFO? Ausserirdische? Nein, es ist die Internationale Weltraumstation ISS. Momentan bewohnen fünf Astronauten und eine Astronautin die riesige Station, teilweise schon seit über sechs Monaten. Die Ausmasse der ISS entsprechen zwei Fussballfeldern, das Gewicht beläuft sich auf 440 Tonnen.

Die Sicht auf die Sterne an diesem Abend ist prächtig, es gibt kaum Streulicht und nur geringe Feuchte. Das wohl schönste Sternbild «Orion» prangt immer noch wunderbar über dem Hori­zont. Bald verschwindet es für ein halbes Jahr. Nicht weit davon entdecken die Jugendlichen Sirius, den hellsten Stern. Und rechts vom Mond thronen Merkur und Mars. «Wo liegt denn jetzt der Polarstern?», fragt jemand. Bald finden ihn schliesslich alle: Die vordere Achse des «Grossen Wagens» ist fünfmal zu verlängern. Wie weit weg sind denn die Sterne? – Weit, sehr weit! Der erwähnte Sirius zum Beispiel ­ge­hört zu unseren nächsten Nachbarn. Seine Entfernung beträgt 8,6 Lichtjahre (ungefähr 80 000 000 000 000 Kilometer) und bedeutet, dass das Licht dieses Sterns, das wir heute sehen, vor über achteinhalb Jahren losreiste, also im Sommer 2008. Noch älter ist das Licht des hellsten Sterns im «Orion»: Es startete Ende 1170. «Das war ja lange vor dem Rütlischwur!», rufen die Jugendlichen.

Faszination Polarstern und Mond

Der Nachthimmel mit all den Sternen und Himmelskörpern fasziniert die Menschen schon seit Jahrtausenden. Die alten Ägypter glaubten, das Himmelsgewölbe werde durch die Göttin «Nut» geformt. Wenn sie traurig war, strömten ihre Tränen als Regen auf die Erde, ihr Gelächter hörte man als Donner. Die Menschen stellten sich vor, Nut würde am Abend die Sonne verschlin­gen, um sie am Morgen wieder neu zu gebären. Umgekehrt erging es Mond und Sternen ... Sol­che und ähnliche Mythen gab es rund um die Erde, bei allen Völkern und zu allen Zeiten. Da fressen Riesenwölfe den Mond, gigantische Drachen greifen die Sonne an, oder Giftpfeile bohren sich in Gestirne ... Noch übler sah es bei Finsternissen von Mond oder Sonne aus: Ganze Völker reagierten mit kollektiven Angstzuständen und sahen den Weltuntergang vor sich.

Wem fiel es nicht schon auf? Gewisse Sternzeichen bestaunen wir abends an einem Ort – und ein paar Stunden später finden wir sie ganz woanders. Nur ein Stern liegt immer gleich, der Polarstern. Seefahrer orientieren sich seit Jahrhunderten daran. Bis heute bildet er den Orientie­rungspunkt schlechthin. Wieso wandert denn der Polarstern nicht? – Eigentlich wandert kein Stern; vielmehr dreht sich die Erde unter dem Himmel weg: in 24 Stunden einmal um die eigene Achse. Da der Polarstern nun genau in der Verlängerung der Erdachse liegt, bleibt er von der Erde immer genau im Norden. Mit einer Langzeitbelichtung kann diese Konstellation gut gezeigt werden.

Der Mond als zweitgrösstes Himmelsobjekt beeinflusst das Leben auf der Erde. Er verursacht Flut und Ebbe – und manchmal auch schlaflose Nächte ... Die Jugendlichen interessieren sich je-doch für anderes: So ist der Mond etwa 380 000 Kilometer von uns entfernt, also rund neunmal um die Erde. Er umkreist die Erde in gut 29 Tagen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Planeten oder Monden dreht er sich nur langsam um die eigene Achse, sodass er uns immer die gleiche Seite zuwendet. Die Rückseite des Mondes sah vor der Weltraumfahrt also noch kein Mensch. Auch temperaturmässig verblüffen die Verhältnisse: Auf der Tagesseite herrscht bis zu 130 Grad Celsius Hitze, die Nächte sind mit minus 160 Grad Celsius eisig kalt.

Schülerinnen und Schüler der Klasse AB1a (Sek) aus Zell: Sascha Bernet, Dreni Drenica, 

Jonas Häfliger, Yanick Häfliger, Geraldine Kreienbühl, Julia Lainio, Carla Stöckli

(Lehrer Peter Flückiger)