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Die Vergangenheit im Trend

Architektur ist da. Sie prägt das Landschaftsbild mindestens so sehr, wie die Natur unsere Umgebung definiert. Mit den Jahrzehnten ändert sich auch unser Verständnis für «was schön ist». Und wenn Landhäuser noch vor zehn Jahren eher «old school» waren, bekommen sie langsam, aber sicher Aufwind.
Retro damals wie heute: Die bunten Bauten von Kuba. (Bild: Pixabay)

Retro damals wie heute: Die bunten Bauten von Kuba. (Bild: Pixabay)

Dieser Artikel wurde von der Verlagsredaktion der «Luzerner Zeitung» im Auftrag von Eichhof erstellt. Eichhof trägt die redaktionelle Verantwortung für diesen Inhalt. Hier geht es zu den Richtlinien für Sponsored Content der «Luzerner Zeitung».

Ein Trend kommt und geht. Von aussen und aus einer gesunden zeitlichen Distanz betrachtet, ist dessen Sinnhaftigkeit nicht immer nachvollziehbar. Oder gibt es tatsächlich jemanden, der, ohne rot zu werden, zugibt, auf die orangefarben gefliesten Badezimmer der 70er zu stehen? Gut, sie sind zugegebenermassen Kult, und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ökonomische Interessen, die eine solche Welle in Gang setzen, sind dann schon eher Drahtzieher von Zeiterscheinungen. Meist steht eine enorme Werbemaschinerie hinter der Frage, was «in» und was «out» ist. Bedürfnisse, von denen man nicht wusste, dass man sie hat, sollen geweckt und gestillt werden. Manche Menschen werden dann von einer solchen Trendwelle erfasst. Andere wiederum schwimmen unbeeindruckt dran vorbei – jedem sein ästhetisches Empfinden eben.

Kult: ein typisches Badezimmer aus den 70er-Jahren. (Bild: Pixabay)

Kult: ein typisches Badezimmer aus den 70er-Jahren. (Bild: Pixabay)



Eine Bindung fürs Leben

Kurzlebigere Trends in den Bereichen Mode oder Lifestyle lassen sich dann auch leichter «korrigieren» als Trends in der Architektur, die weder einfach noch zeitnah angepasst werden können. Denn wer sich einmal für den Baustil seines Eigenheims entschieden hat, ist sich bewusst, dass er womöglich eine lange bis lebenslange Bindung eingeht. Der Luzerner Architekt Martin Zemp, der seit 20 Jahren Häuser baut, weiss aus Erfahrung, wie sich die Ären in der hiesigen Architektur gestalten: «Die Trends spielen sich in Zyklen ab, in denen sich Materialien, Farben, Oberflächenstrukturen und Formen zwar komplett verändern, der Kreis sich dann aber immer wieder schliesst. Was in der Vergangenheit als Baustil beliebt war, wird sich – vielleicht nicht in der genau gleichen, aber ähnlichen Form – wiederholen. Aktuell befinden wir uns in einer Phase des Wandels, in der wir langsam, aber sicher die sachliche Welt aus Schwarz und Weiss verlassen. Damit meine ich geradlinige, kühle, nüchterne, reduzierte und abstrakte Bauten.» Auf die Frage, wo wir denn jetzt stünden, erklärt Martin Zemp: «Der Trend weg von den kubischen Formen zu ‹weicheren› Baustilen zeichnet sich immer stärker ab, was auch auf den Ausbaustandard der Innenbereiche abfärbt. Wo noch vor einigen Jahren hauptsächlich Platten verlegt wurden oder man auf unbehandeltem, rohem Beton hauste, kommen wieder vermehrt hochwertige Holzarten zum Tragen. Man denke nur an den beliebten Dielenboden, ein Holzfussboden aus breiten und langen Vollholz-Elementen, der oft in Raumlänge verlegt wird.»

Steinplatten und Beton werden heutzutage weniger verbaut als Massivholz. (Bild: Fotolia)

Steinplatten und Beton werden heutzutage weniger verbaut als Massivholz. (Bild: Fotolia)




Wo früher glatter feiner Putz die Häuserfassaden zierte und im Interieur oft mit dem von vielen Architekten geliebten Sichtbeton gearbeitet wurde, würden heute wieder wärmere Töne sowie weichere und strukturiertere Oberflächen Innenleben und Aussenansicht beleben, so Martin Zemp. «Grober Putz beispielsweise, wie man ihn in den 1960er-Jahren verwendet hat, ist wieder ‹en vogue›. Die kalte Sachlichkeit wird durch Wärme abgelöst. Und nach der ‹warmen› Phase kommt die Farbigkeit. Die Jahrzehnte vergehen, und der Kreis schliesst sich.» Auf die Frage, was Zemp denn heute gerade baue, was für ihn noch vor zehn Jahren kaum denkbar gewesen sei, verkündet er lächelnd: «Landhäuser. Sie erleben eine Renaissance.» Es seien charakter- und stilvolle Häuser mit authentischem Charme aus dem echten Leben gegriffen, so Zemp. Gut vorzustellen also, dass die durchdesignte, unverbindliche und digitale Welt wieder mehr nach Bodenständigem und Echtem verlangt. «Wenn höhere Sockelleisten mit abgeschliffener Kante, massive Holzfenster und -türen, freistehende Bäder, verspielte Elemente in Küche und Bad sowie Tapeten wieder eine Rolle spielen, sind wir in einer Ära angekommen, die wohltuende Behaglichkeit verströmt, ohne an Stil, Design und Glanz einzubüssen», erläutert der Architekt. Diese Wende ist auch bei den Dienstleistern rund ums Bauen angekommen. Martin Zemp: «Eben erst hat mir ein Schreiner berichtet, dass sie in den letzten Jahren tatsächlich kaum mehr Küchen im Landhausstil fabrizierten, in den letzten Monaten jedoch grad mehrere Anfragen erhalten hätten.»

Alt im neuen Kleid

Retro-Häuser lehnen sich zwar an die Architektur der jeweiligen Ära an, werden aber mit neuen Bauweisen, modernen Materialien und Technologien gemäss heutigen Standards gebaut. Die traditionellen Maiensäss-Häuser mit ihren kleinen Fenstern beispielsweise werden heute im Sinne der zeitgenössischen Holzarchitektur gebaut, die das edle Naturmaterial mit grossen Glasflächen und Stahl kombiniert. Ein weiteres Beispiel wird speziell bei unserem nördlichen Nachbarn gesichtet, wo das moderne Fachwerkhaus, nach traditionellem Vorbild gebaut, wahrlich eine Renaissance erlebt. Speziell in Regionen, in denen eine spezifische Bauweise eine besonders lange Tradition hat, wird gerne Altes und Bewährtes auf neu getrimmt – Retro eben.

Retro als Dauerbrenner

Was in der Architektur gilt, funktioniert noch einfacher für das Interior Design, das nach Lust, Laune und Portemonnaie immer wieder neu erfunden werden darf. Auch für die Innenarchitektin Simone Aïda Baur ist Retro eine stilistische Ausdrucksform, welche sie in ihrer Arbeit immer wieder begleitet. Sie beschreibt Vintage und Retro als Zeiterscheinungen, die ihren Ursprung in den 1940er- bis 1980er-Jahre finden: «In den Kriegs- und Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs war Holz das dominierende Material. Abgesehen von einigen mit Blumen verzierten Tapeten und Vorhängen waren oft gedämpfte Farben sowie Erdtöne anzutreffen.» Und tatsächlich ist der Stil aus dieser Zeit wieder im Trend und inspiriert noch heute zeitgenössische Designer. Was sind denn die ausschlaggebenden Merkmale des Vintage- respektive Retro-Stils? Simone Aïda Baur sieht es so: «Bei Vintage sind die konisch zulaufenden Beine der Kommoden, Stühle, Sessel und Tische aus den 50ern sehr typisch. Der Retro-Stil wird von den Sechzigern und Siebzigern geprägt, und dort kamen dann Einrichtungsgegenstände aus Kunststoff sowie kräftige Farben und wilde Muster dazu.» Oh ja, wir Kinder aus den 70ern und früher haben die Bilder vor Augen.

Erinnerungen werden wach. Wohnzimmer der 70er-Jahre. (Bild: Fotolia)

Erinnerungen werden wach. Wohnzimmer der 70er-Jahre. (Bild: Fotolia)




Ein sicheres Verständnis und viel Gefühl für Stil genügen der Interior Designerin jedoch nicht. Simone Aïda Baur: «Als Innenarchitektin finde ich es faszinierend, auch den historischen Hintergrund einer Stilrichtung zu erforschen, bietet er doch oft äusserst spannende Erkenntnisse. Architektur, Innenarchitektur und Möbeldesign wurden schon immer stark vom sozio-ökonomischen Kontext ihrer Zeit beeinflusst. Als in der Nachkriegszeit ein erheblicher Teil der industriellen Infrastruktur zerstört wurde, kam es zu einer Verknappung der Waren und somit auch der Einrichtungsgegenstände. Gleichzeitig mit der Erholung der Wirtschaft begannen die Menschen die Zukunft wieder optimistischer zu sehen, was sich auch in der Entwicklung des Designs widerspiegelte.»

Immer wieder Retro

Dass vieles im Leben vergänglich ist, ist bestimmt jedem schon mal bewusst geworden. Umso schöner ist es doch, dass sich Trends, egal welcher Gattung, früher oder später wiederholen und man mit seinem «altmodischen» Holzhaus plötzlich wieder auf einer Trendwelle schwimmt. Und wer es ganz freigeistig mag, darf immer auch Architekt seines eigenen Stils sein mit der Legitimation, das zu tragen, was ihm gefällt, und zu wohnen und zu leben, wie es ihm behagt.

Andrea Decker

Im Trend: Badezimmer-Traum im Retro-Look. (Bild: Fotolia)

Im Trend: Badezimmer-Traum im Retro-Look. (Bild: Fotolia)

Alte, traditionelle Fachwerkhäuser erleben in Deutschland eine Renaissance. (Bild: Fotolia)

Alte, traditionelle Fachwerkhäuser erleben in Deutschland eine Renaissance. (Bild: Fotolia)

Der Luzerner Architekt Martin Zemp. (Bild: PD)

Der Luzerner Architekt Martin Zemp. (Bild: PD)

Innenarchitektin Simone Aïda Baur. (Bild: PD)

Innenarchitektin Simone Aïda Baur. (Bild: PD)

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