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35-jähriger Topstürmer Nuzzolo wäre einst fast zum FCL gekommen

Bei Neuchâtel Xamax sticht derzeit einer aus dem Kollektiv heraus: Raphaël Nuzzolo. Er ist zwar schon 35-jährig, trifft aber wie er will. Einst wäre er fast beim Gegner am Sonntag, dem FC Luzern, gelandet.
Raphael Gutzwiller
Xamax-Topskorer Raphaël Nuzzolo feiert eines seiner Tore. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Yverdon, 19. August 2018))

Xamax-Topskorer Raphaël Nuzzolo feiert eines seiner Tore. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Yverdon, 19. August 2018))

Weniger Tore als Xamax hat in der Super League niemand geschossen: Erst 13-mal jubelte der Aufsteiger über einen Treffer. Und doch haben die Neuenburger einen der besten und gefährlichsten Stürmer in ihren Reihen. Raphaël Nuzzolo steht an dritter Stelle der Torschützenliste der Super League. Sechs Tore hat er geschossen, dazu kommen vier Assists. Also nur gerade an drei Toren seines Teams war Nuzzolo nicht beteiligt. Erstaunlich ist dies vor allem in Anbetracht des Alters des Xamax-Stars. 35-jährig ist er inzwischen.

«So alt fühle ich mich aber gar nicht», relativiert Nuzzolo, der von sich sagt: «Ich will beweisen, dass man mit über 30 nicht zu alt für den Fussball sein muss.» Doch darauf angesprochen, dass er der in dieser Saison mit Abstand gefährlichste Xamaxien ist, sagt er: «Meine Aufgabe als Stürmer ist es, Tore zu erzielen und Assists zu geben. Als Routinier versuche ich, vorneweg zu gehen und meinen jungen Mitspielern zu helfen.»

Ohne Tschagajew wäre Nuzzolo Xamax treu geblieben

Nuzzolo ist das Pendant zum modernen Fussballer, der jede Saison den Verein wechselt. Nachdem er 2001 von seinem Jugendverein FC Biel zu Neuchâtel Xamax wechselte, um in der Nationalliga A Fuss zu fassen, fühlte er sich dem Traditionsverein tief verbunden. «Xamax ist eine wunderbare Familie. Ich fühlte mich hier vom ersten Moment an super wohl.» Als Nuzzolo als 18-Jähriger am 17. März 2002 das erste Mal gegen den heutigen Gegner FC Luzern antrat, stand beim FCL Ike Shorunmu im Tor.

Dass Nuzzolo den Verein überhaupt verliess, ist einem tschetschenischen Investor zuzuschreiben. «Vielleicht muss ich Bulat Tschagajew danken. Ohne ihn hätte ich wohl nie im Europacup gespielt», sagt Nuzzolo. Selbst dem düstersten Kapitel der Klubgeschichte kann er Positives abgewinnen. Tschagajew übernahm 2011 den Traditionsverein, um ihn in Kürze an die Wand zu fahren. Mit harten Folgen für Xamax: Konkurs, Neustart mit der Fusion des FC Serrières in der 2. Liga interregional.

Als Tschagajew zu Xamax kam, war Nuzzolo Captain. Die Versprechen des Geschäftsmanns aus Tschetschenien klangen gut: Er investiere Geld, man wolle Titel gewinnen. Und doch hatte Nuzzolo früh ein schlechtes Bauchgefühl, wenn es um das Investment ging. «Ich konnte mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen», sagt Nuzzolo. Und so traf er im Sommer 2011 einen Entscheid, den zu jenem Zeitpunkt die wenigsten aus seinem engeren Umfeld verstehen konnten: Er verlässt Xamax. «Viele dachten, endlich hat Xamax Geld und ausgerechnet dann geht Nuzzolo. Doch für mich war Xamax damals keine Familie mehr.» Die Young Boys und der FC Zürich buhlten um Nuzzolo, er entschied sich für YB. Xamax ging im Januar 2012 Konkurs.

Ein halbes Jahr vor seinem Wechsel nach Bern war Nuzzolo Xamax noch treu gewesen, obwohl ein anderen Verein kräftig um ihn warb: der FC Luzern. Der damalige Präsident Walter Stierli wollte Nuzzolo holen. «Ich habe mit Stierli ein gutes Verhältnis. Ich denke, er ist einer, der immer das Beste für seinen Verein wollte.» Deshalb habe er sich das Angebot angehört und sich Gedanken gemacht. «Schliesslich entschied ich mich, doch bei Xamax zu bleiben. Und ohne Tschagajew wäre ich wohl immer geblieben.»

Nuzzolo lebt nur fünf Minuten vom Stadion entfernt

In Bern sollte Nuzzolo jedoch seine sportlich erfolgreichste Zeit erleben. In vier von fünf Saisons qualifizierte sich YB mit Nuzzolo für die Gruppenphase der Europa League. Der angestrebte Meistertitel wurde jedoch verpasst. Nach fünf Jahren bei YB ging es für Nuzzolo zurück zu seinem Herzensverein Xamax – auch wenn der nach dem Konkurs erst in der Challenge League spielte. «Mein grosses Ziel war es, mit Xamax wieder in die Super League zurückzukehren.» Das gelang in der vergangenen Saison – auch dank Raphaël Nuzzolo. Der Routinier wurde mit 26 Treffern Torschützenkönig der Challenge League. «Nun ist es das Ziel, den Ligaerhalt zu schaffen. Xamax ist ein absoluter Traditionsverein, der in die höchste Liga gehört.»

Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt Nuzzolo nur fünf Minuten vom Stadion entfernt. Und wenn es nach ihm ginge, würde er seine Karriere in der Maladière beenden. Aber noch nicht nach dieser Saison: «Dafür fühle ich mich zu gut, und es macht mir noch zu viel Spass. Für mich ist klar, dass ich noch mindestens eine Saison länger weiterspielen möchte.» Falls er in Neuenburg keinen Vertrag mehr erhalten sollte, würde er sich umschauen. «Doch hier das Karriereende zu erleben wäre ein Traum.»

Am Sonntag will er mit einem Sieg gegen den FCL vom Tabellen­ende wegkommen. «Die Partie gegen den FC Luzern ist sehr wichtig. Zwar haben wir die letzten vier Spiele gut gespielt, aber wir stehen immer noch am Tabellenende. Nun wollen wir endlich von da wegkommen.» Nach fünf Niederlagen in Serie hat sich Xamax zuletzt gefangen, verlor die letzten vier Spiele nicht mehr. Das Selbstvertrauen ist zurück. Auch dank Raphaël Nuzzolo.

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