5:2-Sieg gegen GC: Der SC Kriens entzaubert den Rekordmeister

Erneut findet auf dem Kleinfeld ein Spektakel statt: Kriens besiegt im Challenge-League-Knüller die Grasshoppers mit 5:2.

René Barmettler
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Der letzte Auftritt der Grasshoppers Zürich im Kleinfeld endete in einem Torfestival. 4:4 lautete das Schlussresultat Ende Juli in einem irren Match, indem Kriens ein 0:3 nach der Startviertelstunde aufgeholt und auch das 3:4 in der Schlussviertelstunde noch wettgemacht hatte. Doch die Hoppers vom Sommer sind nicht mehr die Hoppers dieses Herbsts. Gleich fünf Spieler stiessen von Wolverhampton zu GC. Böse Zungen behaupten seither, die Zürcher seien das Farmteam des englischen Premier-League-Klubs.

Er setzte in der 75. Minute den Schlusspunkt: Asumah Abubakar nach seinem Treffer zum 5:2.

Er setzte in der 75. Minute den Schlusspunkt: Asumah Abubakar nach seinem Treffer zum 5:2.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Kriens, 20. Oktober 2020)

Das neue GC, das nun den zweiten Anlauf zurück in die Super League unternimmt, unterliess diesmal das Spektakel. Pascal Brügger verbrachte eine fast schon gemütliche Anfangsphase im SCK-Tor. Es deutete also vorerst wenig auf ein erneutes Spektakel hin. Brüggers Vorderleute indes bemühten sich des Öfteren, in den Abschluss zu gehen. In der 21. Minute wurde das Heimteam für seine Hartnäckigkeit belohnt: Die GC-Abwehr liess etwas gar sorglos den Ball zirkulieren, Enes Yesilçayir luchste am Strafraum dem unter Druck stehenden André Santos den Ball ab und «hämmerte» diesen zum 1:0 ins Netz – ein Krienser Auftakt nach Mass.

Unglaublich entschlossen im Torabschluss

Nun übernahmen die klar favorisierten Gäste das Spieldiktat, sorgten nun ihrerseits für mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum. Prompt gelang noch vor der Halbzeitpause der Ausgleich zum 1:1: Den Flankenball von Fabio Fehr lenkte Nuno Pina unhaltbar ins Netz ab.

Albin Sadrijaj (links) und Anthony Buergisser (rechts) machen GC-Spieler Giotto Morandi das Leben schwer.

Albin Sadrijaj (links) und Anthony Buergisser (rechts) machen GC-Spieler Giotto Morandi das Leben schwer.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Wer nun glaubte, die Krienser zeigten sich eingeschüchtert, täuschte sich. Entschlossen kamen sie aus der Kabine. Die erneute Führung kam nach fast selbem Muster wie das 1:0 zu Stande: Überfallartig holte sich Liridon Mulaj den Ball, zwei Sekunden danach lag dieser im GC-Netz (49.). Und es kam noch besser aus Krienser Sicht: Ein Konter drei gegen zwei – David Mistrafovic schiebt den Ball zu Asumah Abubakar – ein Strich von Schuss führte zum 3:1 (56.).

Enttäuschung bei GC-Trainer Joao Carlos Pereira (Bildmitte).

Enttäuschung bei GC-Trainer Joao Carlos Pereira (Bildmitte).

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Kriens, 20. Oktober 2020)

Die Zweitoreführung brachte indes noch nicht die erhoffte Ruhe ins Spiel. Nur drei Minuten danach verkürzte Toti zum 2:3. Das grosse Zittern bis zum Ende blieb dennoch aus. Unglaublich kaltblütig brachte der SCK den Sieg nach Hause: Erneut trafen Yesilçayir (73.) und Abubakar (75.) mit einer unglaublichen Entschlossenheit zum 4:2 und 5:2. Abubakar traf kurz vor Schluss noch die Latte: Es wäre das achte Tor des Abends gewesen. Doch das interessierte nun wirklich niemanden im Kleinfeld: Trotz Stehverbot auf den Sitzplätzen hielten es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen aus und spendeten der Mannschaft Standing Ovations. «Schade, dieses Spiel hätte mehr als die nur 700 zugelassenen Zuschauer verdient», sagte SCK-Trainer Bruno Berner hinterher, «ich fand, es war ein Challenge-League-Spiel mit ganz hoher Qualität.» Obwohl sein Team 5:2 gewann, empfand er dieses Duell keinesfalls «einseitig. Es war einfach so, dass wir das Optimum herausholten, mehr war nun wirklich nicht möglich.» Sein Team konnte nun nach dem dritten Saisonsieg im fünften Spiel die Zürcher in der Tabelle dank des besseren Torverhältnisses überholen und ist nun auf Rang drei vorgerückt. Und es darf sich erneut Rekordmeister-Besieger nennen: Letzte Saison gewann Kriens auswärts im Letzigrund 1:0. Und in der Saison 1997/98 gewann der SCK gegen den späteren Meister daheim mit 1:0, stieg dann aber Ende Saison wieder in die Nationalliga B ab.

Kriens – Grasshoppers 5:2 (1:1)
Kleinfeld – 700 Zuschauer – SR Von Mandach. Tore: 21. Yesilçayir 1:0. 43. Pina 1:1. 49. Mulaj 2:1. 56. Abubakar 3:1. 59. Toti 3:2. 73. Yesilçayir 4:2. 75. Abubakar 5:2.
Kriens: Brügger; Urtic, Berisha, Alessandrini; Bürgisser (46. Mistrafovic); Ulrich (76. Djorkaeff), Sadrijaj (90. Souare), Yesilçayir, Costa; Abubakar (90. Dieng), Mulaj (67. Maloku).
Grasshoppers: Matic; Fehr, Cvetkovic, Toti, Lenjani; Santos (79. Schmid); Pusic, Morandi (72. Demhasaj), Pina (63. Ronan), Gjorgjev (79. Kalem); Bonatini.
Bemerkungen: Kriens ohne Aliu, Fanger, GC ohne Arigoni, Nadjack, Salvi (alle verletzt). Verwarnung: 68. Cvetkovic (Foul). 86. Lattenschuss Abubakar.