Aargauer Amateurfussball
«Weniger Verlierer generieren»: AFV passt Anzahl Absteiger an

Der Amateurfussball darf wieder loslegen: In zwei Wochen sollen die Hinrunden zu Ende gespielt werden, damit es zur Wertung kommt. Dabei wurden nun im Aargau die Abstiegsmodalitäten angepasst. Nicht zuletzt, weil Klubs den Dialog mit dem Verband suchten.

Nik Dömer
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Der FC Othmarsingen muss um den Klassenerhalt zittern.

Der FC Othmarsingen muss um den Klassenerhalt zittern.

Alexander Wagner

Nun ist es also fix: Der Bundesrat gibt ab nächstem Montag grünes Licht für den Amateursport. Ein Zeichen, auf das der Aargauische Fussballverband (AFV) lange warten musste. Nun wird der Spielbetrieb für Senioren und Aktive so schnell wie möglich wieder aufgenommen, bereits am 11. Juni sind die ersten Partien angesetzt.

Will heissen: Den Vereinen bleiben nun knapp zwei Wochen Zeit, um sich mit uneingeschränktem Trainingsbetrieb – zuletzt mussten Masken bei Körperkontakt getragen werden – auf den Restart vorzubereiten. Absolviert sollen bis 4. Juli alle ausstehenden Partien der Saison-Hinrunde sowie des Aargauer Cups werden. Dazu ist ein Publikum von bis zu 300 Personen erlaubt.

Bis am 4. Juli sollen alle Partien der 2. Liga AFV absolviert sein. Copyright by: Alexander Wagner

Bis am 4. Juli sollen alle Partien der 2. Liga AFV absolviert sein. Copyright by: Alexander Wagner

Alexander Wagner

Aargauer Vereine suchten Dialog mit dem Verband

Amateurvereine dürfen also endlich wieder kicken. Nach sieben Monaten Unterbruch. Grosse Vorfreude also bei den Amateurklubs? Nicht nur. In den vergangenen Wochen sind Diskussionen entstanden.

In einer inoffiziellen Umfrage, bei der 461 Vereine der fast 1400 im Schweizerischen Fussballverband Stellung nahmen, wünschten sich 56 Prozent einen Abbruch. Unter Umständen, dass es einen Aufsteiger, dafür keinen Absteiger gibt, sprachen sich gar 71 Prozent für einen sofortigen Abbruch aus.

Auch innerhalb des Aargauischen Fussballverbands wurden in den letzten Wochen Gespräche geführt. Vereine aus der 2. Liga suchten dabei direkt den Dialog mit dem Verband.

AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter möchte unter diesen speziellen Bedingungen weniger Verlierer generieren.

AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter möchte unter diesen speziellen Bedingungen weniger Verlierer generieren.

Severin Bigler / SPO

Ihre Idee ist simpel: keine Verlierer, nur Gewinner! Die Hinrunde wird zu Ende gespielt, aber es wird keine Absteiger geben. Die Klubs lieferten dazu einen Antrag an den AFV wie auch an den SFV, damit das Konzept auch auf Stufe 2. Liga inter und 1. Liga umgesetzt werden könnte.

Der SFV winkte ab und verwies dabei auf das Wettspielreglement, wonach es im Falle der Wertung Meister sowie Auf- und Absteiger geben muss. Dazu heisst es in der Absage: «Es entspricht nicht einem Grundgedanken des Sports, wonach es immer Gewinner und Verlierer gibt.»

«Nehmen die Meinungen von allen Vereinen ernst»

Beim AFV hingegen wird nach dem Bundesrats-Entscheid am Mittwoch eine Anpassung der Abstiegsmodalitäten in der Kategorie «Aktive Herren» beschlossen: Bis zur 4. Liga steigen jeweils zwei Teams weniger aus der höheren Spielklasse ab.

«Wir wollten eine möglichst pragmatische und faire Lösung präsentieren und haben entsprechend die Anzahl Absteiger angepasst», erklärt Geschäftsführer Hannes Hurter.

In der 2. Liga AFV steigen anstatt vier Mannschaften nur noch zwei ab.

In der 2. Liga AFV steigen anstatt vier Mannschaften nur noch zwei ab.

Alexander Wagner

Der AFV habe bei der Lösungsfindung verschiedene Faktoren miteinfliessen lassen, darunter auch die Anliegen der Antragssteller. «Wir nehmen die Meinungen von allen 85 Vereinen ernst. Die 2. Liga AFV ist mit 15 Mannschaften eine aussergewöhnlich grosse Liga. Im Normalfall wäre es zu vier Absteigern gekommen, da aber nur die Hälfte der Saison gespielt werden kann, wollten wir unter diesen speziellen Bedingungen weniger Verlierer generieren», erklärt Hurter den Entscheid.

Gar keine Absteiger hingegen, sei für den AFV kein Thema gewesen. «Wir können uns nicht dem Grundsatz des SFV und dem Wettspielreglement querstellen», erklärt Hurter.

«Kann damit leben»

Doch wie sieht es bei den Antragsstellern aus? Beat Dünki, Präsident des abstiegsbedrohten FC Othmarsingen, gehört zu den sechs Unterzeichnern des Antrags. Er betont: «Ich finde es positiv, dass der AFV sich Gedanken gemacht und die Anzahl der Absteiger verringert hat. Natürlich ist es schade, dass es in einer solchen verkorksten Saison mit einem siebenmonatigen Unterbruch immer noch Verlierer geben muss, aber ich kann damit leben.»

Beat Dünki ist froh, dass der AFV die Anzahl Absteiger angepasst hat.

Beat Dünki ist froh, dass der AFV die Anzahl Absteiger angepasst hat.

Alexander Wagner

Dünki erhofft sich dabei, dass alle Vereine in der Liga bei den restlichen Partien vollen Einsatz geben. Nicht zuletzt, weil er mit seinem Verein auf Schützenhilfe angewiesen ist.

Unterstützung vom Zweitplatzierten

Nicht ganz dieselbe Haltung hat Wettingens Präsident Pierluigi Ghitti, der den Antrag ebenfalls unterstützt, obwohl sein Team an zweiter Stelle nichts mit dem Abstieg zu tun hat: «Es ist wichtig, dass der Verband etwas gemacht hat – ein kleiner Lichtblick. Aber es ist und bleibt aus meiner Sicht unfair, dass es in dieser Saison zu Absteigern kommt. Ich finde es schade, dass der Verband nicht den Mut hatte, sich konsequent auf unseren Vorschlag einzulassen und einen anderen Weg als der Verband einzuschlagen.»

Pierluigi Ghitti unterstützt den Antrag, obwohl sein FC Wettingen an zweiter Stelle platziert ist.

Pierluigi Ghitti unterstützt den Antrag, obwohl sein FC Wettingen an zweiter Stelle platziert ist.

Sandra Ardizzone / BAD

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