Mountainbike

Als Dessert folgt für das Aargauer Trio der Weg zur Dopingprobe

Kaiserwetter in der Kiesgrube, zwei grossartige Schweizer Siege und ein Spektakel – wenn auch in ganz unterschiedlicher Hinsicht – des Aargauer Spitzenquartetts beim topbesetzten Mountainbikerennen in Gränichen.

Rainer Sommerhalder
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Impressionen vom Mountainbike in Gränichen
8 Bilder
Esther Süss mit einem Flug wie einst Simon Ammann.
Weltnummer 1 Jolanda Neff feiert einen überlegenen Start-Ziel-Sieg.
Kathrin Stirnemann unterwegs auf ihrer Heimstrecke.
Jolanda Neff gewann mit Rekordvorsprung von fünfeinhalb Minuten.
Das Siegerpodest (von links): Eva Lechner, Sabine Spitz, Jolanda Neff, Kathrin Stirnemann und Esther Süss.
Kathrin Stirnemann stürmt von zwischenzeitlich Rang 20 vor bis auf Platz 3.
Jolanda Neff gab von Beginn weg Gas und hatte nach einer von sechs Runden schon mehr als eine Minute Vorsprung auf die ersten Verfolgerinnen.

Impressionen vom Mountainbike in Gränichen

Franz Schefer

Und zu guter Letzt kommt es bei der Dopingprobe zum Wiedersehen der drei Aushängeschilder des Racing Clubs Gränichen.
Der Reihe nach: Jolanda Neff gewinnt auch das sechste «wichtige» Rennen des Jahres.

Im BMC-Cup feiert sie sogar bereits den 59. Erfolg ihrer Rennkarriere. «Damit habe ich zu Nino Schurter aufgeschlossen», sagt die 22-jährige Ostschweizerin mit geschwellter Brust. Noch stolzer macht die Weltnummer 1 der Vorsprung von fünfeinhalb Minuten. So viel nahm Neff ihrer Konkurrenz überhaupt noch nie ab.

«Gränichen ist eine Strecke wie gemacht für mich. Ich habe das Rennen wirklich genossen», sagt Neff Sekunden nach ihrer Zieleinfahrt mit verblüffender Frische, während einige Meter weiter eine Konkurrentin behandelt wird, die aufgrund der grossen Hitze kollabiert ist.

Stirnemann stürmt aufs Podest

Für das erste Aargauer Spektakel besorgt ist Kathrin Stirnemann. Die 25-jährige Gränicherin erwischt einen schlechten Start, bleibt bei der ersten Kiespassage «stecken» und kommt zur Durchfahrt im Zielraum mit beträchtlichem Rückstand von über einer Minute auf Platz 20 vorbei.

Danach beginnt eine heroische Aufholjagd mit den Durchgangspositionen 17 – 12 – 11 – 8 – 7 – 5 und, im Ziel, – Rang 3. «Es fühlt sich an, als falle mir ein Riesenstein vom Herzen», sagt Stirnemann nach ihrer mit Abstand besten Saisonleistung. Sie freut sich über ihre geschickte, an die Wärme angepasste Renneinteilung. Nun reist sie am Dienstag mit Zuversicht und Ambitionen zusammen mit Neff an die ersten olympischen Europaspiele nach Baku.

Auf der letzten der sechs Runden überholt Stirnemann auch ihre Clubkollegin Esther Süss. Die 41-Jährige fährt ein sehr regelmässiges Rennen, ist nie schlechter als auf Position fünf unterwegs, muss aber am Schluss im Kampf um das Podest die jüngere Konkurrentin ziehen lassen.

Dorthin zurück will Süss in drei Wochen an der Marathon-WM in Val Gardena, wo sie zu den Titelanwärterinnen gehört. Als persönliches Highlight des Tages bezeichnet die Lehrerin aus Küttigen ihren perfekten Sprung über die «Schanze» in der Kieswerk-Abfahrt.

Bei den Männern heissen die Aargauer Spektakelmacher Matthias Stirnemann und Florian Vogel – wenn auch nicht ganz so wie erhofft. Den beiden Lokalmatadoren glückt zwar der geplante Blitzstart. Sie tauchen als Zweiter und Dritter bei der ersten Passage auf.

Doch Vogels diesjähriger Höhenflug – der 33-jährige Altmeister spürt den zweiten Frühling und gewinnt bis vor Gränichen schon sechs Rennen – endet abrupt. Nach zwei Plattfüssen innert fünf Minuten hat der Kölliker genug und steigt aus. Nichts wird es mit dem erträumten Sieg beim Heimrennen. «Es gurkt mich ziemlich an», lautet Vogels Kurzkommentar. Für einen Augenblick ist nichts zu sehen von «der neuen Motivation, die ich seit meinem Teamwechsel spüre».

Lokalmatador stürzt zweimal

Stirnemann hält sich länger als Vogel in den Spitzenpositionen. Doch er zollt seinem mutigen Start und dem Versuch, den Ausnahmekönnern Mathias Flückiger, Julien Absalon und Daniel McConnell zu folgen, Tribut. Zwei Stürze im technischen Waldstück katapultieren ihn endgültig aus dem Kampf um den vierten Platz. Rang 8 ist bescheidener Lohn für den beherzten Auftritt.

Den Sieg holt sich nicht wie erwartet Weltmeister Absalon, sondern der Oberaargauer Mathias Flückiger. Nach einem schrecklichen Winter mit einer Serie von Krankheiten feiert der frühere U23-Weltmeister nach zwei fünften Plätzen am Weltcup nun seinen ersten Rennsieg seit mehreren Jahren. «Ich bin unglaublich glücklich, dass ich wieder einmal ein Rennen gewinnen konnte», sagt Flückiger.

Wasser lassen für Aargauer Trio

Bei ebendieser haben die drei Aushängeschilder des Racing Clubs Gränichen – Matthias und Katrin Stirnemann sowie Esther Süss – je einen Schatten bei sich. Die Dopingkontrolleure, die an diesem Tag insgesamt je vier Fahrerinnen und Fahrer zur Urinprobe bitten, haben ausgerechnet drei «Einheimische» auf ihrer Liste.

Süss hofft, dass es bei ihr mit Wasser lassen diesmal schneller geht als vor einer Woche am Weltcup. Die Stirnemanns ihrerseits sind nicht für die ausgelosten Kontrollen des internationalen Radsportverbandes «gewählt» worden, sondern werden von Antidoping Schweiz zum Test gebeten. «Wir haben den Auftrag erhalten, am heutigen Tag Matthias und Kathrin Stirnemann zu testen», sagt der verantwortliche Kontrolleur. Wieso dies so ist, kann auch er nicht sagen.

Die Stirnemanns nehmen das Aufgebot mit stoischer Ruhe zur Kenntnis. Dopingproben gehören für Radsportler schliesslich längst zum Alltag. Und zumindest bleibt am Sonntagabend nach der Zusatzrunde in den Kontrollraum, der nach dem schweisstreibenden Rennen durchaus dauern kann, der Heimweg für das Club-Trio angenehm kurz.