Fussball

Der Körper will nicht mehr: FC-Aarau-Spieler Remo Staubli tritt per sofort zurück

Der Flügelspieler des FC Aarau hängt seine Fussball-Karriere im Alter von 25 Jahren an den Nagel. In seiner siebenjährigen Profi-Laufbahn war Remo Staubli fast vier Jahre verletzt. Der Zürcher befand sich zuletzt im Aufbau-Training.

Jonas Burch
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Verlässt die Fussballbühne trotz aller Verletzungen erhobenen Hauptes: Remo Staubli.KEY/Walter Bieri

Verlässt die Fussballbühne trotz aller Verletzungen erhobenen Hauptes: Remo Staubli.KEY/Walter Bieri

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Die Sinnfrage stellte sich Remo Staubli schon länger. Hält mein Körper die ewigen Verletzungen aus? Lohnt sich dieser ständige Kampf? Kann ich meinem Team überhaupt noch helfen? Am vergangenen Donnerstag beantwortete der Zürcher diese Frage für sich ein für alle Mal mit Nein. Als die Hüfte während der Trainingseinheit zwickte, spürte der 25-Jährige: «Jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mit diesen Schmerzen nicht mehr umgehen kann.»

Seinen definitiven Entscheid hat Staubli dem Verein am Montag vor dem Training mitgeteilt. «Ich ging zu Trainer René Weiler und sagte: ‹Ich kann einfach nicht mehr.›» Danach teilte der Offensivspieler seinen Rücktritt den Mannschafts-Kollegen mit. «Ein bewegender und emotionaler Augenblick. Aber ich bin erleichtert, dass nun Klarheit herrscht».

Arzt hat Entwicklung vorausgesagt

Damit zieht Staubli die Reissleine nach einer siebenjährigen Karriere, die früh Licht und dann vor allem Schatten hatte. «Vor 15 Jahren hatte mir ein Arzt bereits prophezeit, dass mein Körper anfällig auf Verletzungen sein wird. Ich wollte ihm damals aber einfach nicht glauben.»

Unendliche Verletzungsakte

Staubli behielt vorerst recht und entwickelte sich beim FC Zürich zu einem der talentiertesten Offensiv-Talente der Liga. Danach war der Werdegang ausschliesslich von Verletzungen geprägt: acht Muskelfaserrisse im rechten Oberschenkel, drei Muskelfaserrisse im linken Oberschenkel, vier Leistenbrüche, Entzündungen in den Achillessehnen und eine Hüftoperation. Dazwischen immer wieder Comeback-Versuche.

Optimaler Start

Zum Ende der Vorrunde kam nach einem optimalen Saisonstart als Stammspieler dann die abermalige Hiobsbotschaft: Gespaltene Kniescheibe verbunden mit diversen Reha-Massnahmen in München. Jetzt ist genug. «Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo neben der Physis auch die Psyche nicht mehr mitmachen will», weiss der schweizer-amerikanische Doppelbürger, der 2011 zum FC Aarau stiess und in 54 Partien 17 Tore schoss.

Studium als Ablenkung

Trotzdem wirkt Staubli nach seinem Rücktritt überraschend gefasst. Beste Ablenkung erhält er durch sein Betriebswirtschafts-Studium, das er vor eineinhalb Jahren parallel zur Profi-Karriere begonnen hatte. «Jetzt knie ich mich noch tiefer in diese Materie. Zeit habe ich ja jetzt genug», sagt er mit einem Lächeln. Möglichkeiten für einen finanziellen Nebenverdienst – sein Vertrag mit dem FC Aarau wird demnächst aufgelöst – hat Staubli ebenfalls schon ins Auge gefasst: Als Model macht er seit längerer Zeit eine genauso gute Figur wie zu seinen Spitzenzeiten auf dem Platz.