Coronaverbot
Die Ringer sind zurück – doch der Schwingerverband hat keine Lust auf Eifersuchtsspielchen

Im Ringen dürfen einige Athleten trainieren, obwohl sie Amateure sind. Die Schwinger hingegen müssen warten. Ist das fair?

Martin Probst
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Die Schwinger dürfen nicht in Sägemehl.

Die Schwinger dürfen nicht in Sägemehl.

PETER KLAUNZER

Lust auf eine Polemik? Also los. Frage: Warum dürfen im Ringen Amateure trotz Coronaverbot trainieren und im Schwingen nicht? Genau das passiert, seit Swiss Olympic der Fortsetzung der Mannschaftsmeisterschaft im Ringen zugestimmt hat. Am Samstag trifft die Ringerstaffel Freiamt im Halbfinal-Rückkampf auf Einsiedeln. Natürlich: Im Ringen gibt es Athleten mit Kaderstatus, also Profis. Doch nicht nur. Auch Amateure stehen auf der Matte. Hat der Dach­verband des Schweizer Sports eine Zweiklassengesellschaft geschaffen?

Stefan Strebel, Technischer Leiter beim Eidgenössischen Schwingerverband, hat keine Lust auf Eifersuchtsspielchen. «Mich freut es, dass sie ringen dürfen. Die Situation ist nicht vergleichbar. Im Ringen kann man nur einen Teil öffnen, im Schwingen alles oder gar nichts, weil wir keine Ligen kennen.»

Stefan Strebel.

Stefan Strebel.

Zur Verfügung gestellt

Genau damit begründet auch Swiss Olympic den Entscheid. Auf Anfrage heisst es, dass die oberste Liga im Ringen die Freigabe erhalten habe, weil es sich dabei um einen Leistungssport handle, selbst wenn neben den Athleten aus dem Nationalkader auch vereinzelt Athleten ohne Nationalkaderstatus mitmachen würden.

Lieber warten, als ein erneutes Verbot zu riskieren

Ist Schwingen kein Leistungssport? «Natürlich sind wir das», sagt Strebel. Auch Swiss Olympic ist es wichtig, zu betonen, dass die Topschwinger als Leistungssportler anerkennt würden. Der Unterschied zum Ringen sei die fehlende Abstufung in Leistungsklassen. Strebel sagt: «Noch einmal: Bei uns gibt es kein Liga­system.»

Zwar gab und gibt es immer mal wieder Ideen, zum Beispiel eine Art Grand-Slam im Sägemehl einzuführen. Doch Strebel hält nichts davon. «Es gehört zum Schwingen, dass Könige, Eidgenossen, Kranzschwinger und alle anderen gemeinsam an Festen starten.»

Der Schwingerverband steht im Kontakt mit Swiss Olympic und klärt, wie es weitergehen könnte. «Mir ist aber lieber, wir schwingen jetzt bis Ende Jahr nicht, als sofort zu öffnen und dann haben wir schon bald das nächste Verbot», sagt Strebel. Was dann wiederum die Saison gefährden würde. Und das will niemand. Das allerdings heisst, dass die Schwinger vorerst nur im Kraft- und Ausdauerbereich trainieren dürfen.

«Es ist jetzt einfacher als im Frühling», sagt Nick Alpiger. «Weil wir nun Erfahrung haben, was jetzt wie genau Sinn macht.» Während des Lockdowns im Frühjahr musste der Aargauer Leader der Nordwestschweizer Schwinger erst lernen, welche Art von Training am besten ist, wenn Schwingen verboten ist. «Jetzt habe ich ein Programm, das passt.»

Die Situation bleibt auch ohne Polemik kompliziert

Auch Patrick Räbmatter, wie Alpiger ein Aushängeschild des Aargauer Schwingens, akzeptiert die Situation. «Es wäre einfach wichtig, wenn wir im Januar beginnen können. Weil so genug Zeit bleibt, für die Saisonvor­bereitung.» Der Aktivenrat, ein Gremium von Topschwingern, dem zum Beispiel der Aargauer Andreas Döbeli angehört, sagt, dass es sechs Wochen Schwingtraining braucht, um die Gefahr von Verletzungen an Festen zu minimieren. «Sollten wir erst im Februar oder sogar noch später schwingen dürfen, müssen wir über diese Frist diskutieren», sagt Stefan Strebel. «Weil wir sonst die Saison später starten müssten.»

Ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung ist für viele Schwinger der Spitzensport-WK. Die Armee macht sich derzeit Gedanken, wie die Kruse trotz Schwingverbot am meisten Sinn machen. Im Dezember rückt eine erste Gruppe ein. «Das wird uns zeigen, wie und was möglich ist», sagt Oberstleutnant Hannes Urs Wiedmer. Alpiger sagt: «Ich hoffe, dass alle WKs statt­finden werden. Sie sind sehr wichtig für uns.» In diesem Punkt kann ihn Wiedmer beruhigen. Er geht davon aus, dass es keinen Grund gäbe, am WK-Plan etwas zu verändern. Immerhin. Trotzdem bleibt es kompliziert. Auch ohne Polemik.