NLB-Handball

Die Sache mit den 210 Toren: Der TV Möhlin hat seinen Topstar verloren – und ist in der neuen Saison nur Aussenseiter

Am Samstag startet der TV Möhlin in Biel in die neue Spielzeit. In der letzten Saison lag die Mannschaft auf einem Spitzenplatz. Dieses Jahr wird das ungleich schwieriger: Der beste Skorer ist weg, das Team ist jünger und unerfahrener. Nun soll der neue Trainer Samir Sarac Aufbauarbeit leisten.

Frederic Härri
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Auf ihm ruhen die Hoffnungen in Möhlin: Matej Sarajlic (l.), kroatischer Neuzuzug und wuchtiger Linkshänder.

Auf ihm ruhen die Hoffnungen in Möhlin: Matej Sarajlic (l.), kroatischer Neuzuzug und wuchtiger Linkshänder.

Alexander Wagner

Es war eine starke Rückrunde, die der TV Möhlin in der vergangenen Spielzeit hinlegte. Woche für Woche blieb die Mannschaft makellos und schob sich von Rang vier auf Platz eins. Gleichwohl liess der Klub den Vertrag mit Trainer Jürgen Brandstaeter auslaufen. Man wolle neue Reize setzen, hiess es. Jetzt steht mit Samir Sarac ein neuer Mann in der Verantwortung. Und der erfahrene Coach ist gerade nicht zu beneiden. Denn Sarac muss ganze 210 Tore kompensieren.

Jene 210 Tore finden sich im Lebenslauf von Alexander Velz wieder, dem jungen Deutschen mit der vortrefflichen Wurfhand. Für jene Zahl brauchte Velz in der abgelaufenen Saison gerade einmal 20 Spiele. Auf seine Heldentaten können sie in Möhlin nicht mehr zählen, denn der Scharfschütze geht wieder in seiner Heimat auf Torejagd. Um Velz vergessen zu machen, nimmt Trainer Sarac das Kollektiv in die Pflicht: «Wir müssen die Treffer von Alex auf mehreren Schultern verteilen.»

Seit Sommer neuer Trainer beim TV Möhlin: Samir Sarac

Seit Sommer neuer Trainer beim TV Möhlin: Samir Sarac

Alexander Wagner

Wird es brenzlig, soll ein Linkshänder übernehmen

Die kräftigsten Schultern, wenn man so will, gehören in diesem Ansatz Neuzuzug Matej Sarajlic. Der 25-jährige Kroate kam aus Linz zu den Möhlinern und ist im Verein als Profi angestellt. Sarajlic soll Verantwortung übernehmen, wenn es brenzlig wird, sagt Sarac, und Vorbild für seine Mannschaftskollegen sein. Dass der Linkshänder das kann, steht für seinen Trainer ausser Frage. «Matej ist ein Teamplayer.»

Hoffnungen setzt der Trainerstab auch in einen zweiten Linkshänder im rechten Rückraum: Linus Fässler. Der 18-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs hat Potenzial für Grosses, Sarac aber will ihn nicht allzu sehr unter Druck setzen. «Es braucht seine Zeit, bis Linus zum Leistungsträger wird», sagt Sarac. Spiele entscheiden, das sollen vorerst andere. Überhaupt fordert Sarac Geduld für all seine Spieler. Der TV Möhlin 2020/2021 ist jünger, unerfahrener und nicht so eingespielt wie auch schon. Das Torwartgespann ist neu, die beiden Jüngsten im Kader sind 17 Jahre alt.

Sarac schwebt ein Handball vor, der schnell und direkt sein soll. Mit einer Mannschaft, die diszipliniert verteidigt und weiss, was sie will. Doch ein Team, das ­gewissermassen mitten in der Selbstfindungsphase steckt, braucht dafür so viele Spielminuten wie möglich. Und die Erlaubnis, Fehler machen zu dürfen. Sarac sagt: «Die Automatismen sind noch nicht da.»

Ein Platz unter den ersten Fünf ist das Ziel

Am Samstag beginnt für Möhlin auswärts in Biel die neue Saison. Klar, man wolle oben mitspielen, sagt Sarac. Doch das wollen viele Mannschaften in der NLB. Eine Garantie auf einen Exploit, wie ihn Möhlin in der vergangenen Rückrunde erlebte, gibt es nicht. Folgerichtig sagt Sarac: «Es wäre überheblich, vom Aufstieg zu sprechen.»

Der Vorstand geht diesen Weg mit, einen Platz unter den ersten Fünf wertet man in diesem Jahr des Umbruchs als Erfolg. In Möhlin, so scheint es, geniesst Trainer Sarac die Freiheit, in Ruhe zu gestalten. Und das an sich ist doch durchaus beneidenswert.