Serie Lenzburg Hurricanes
Die zwischenzeitlichen Götter des Inlinehockeys

In einem epischen Cup-Aufeinandertreffen bezwangen die Hurricanes den NLB-Klub La Broye mit 10:8 und ziehen in die Runde der letzten Acht ein.

Calvin Stettler
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Alles ist bereit für einen Cup-Leckerbissen
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Hurricanes-Spieler With mitten im Bandengefächt
Verkehrte Welt - Der eigentliche Favorit am Boden
Die Lenzburg Hurricanes bezwingen den NLB-Klub La Broye mit 10:8

Alles ist bereit für einen Cup-Leckerbissen

Calvin Stettler

Diese Affiche liess die Herzen aller Statistik-Liebhaber höher schlagen: David gegen Goliath, Erstligist gegen Nationalliga-B-Vertreter oder konkret Lenzburg gegen La Broye.

Der Klassenunterschied versprühte im Vorfeld zweifellos eine gewisse Brisanz, doch wie wegweisend diese Partie wirklich war, zeigte ein Blick auf das bisherige Saison-Palmarès der beiden Inlinehockeyteams.

Der vermeintliche Underdog aus Lenzburg startete mit vier Siegen aus fünf Spielen in die neue Spielzeit und meldete seine Aufstiegsambitionen frühzeitig an.

Die Gäste aus dem freiburgischen Broyebezirk schielten hingegen nur neidisch auf diesen Aargauer Erfolgsausweis.

Gerade einmal vierzehn Tore brachte La Broye in den ersten 240 Meisterschaftsminuten der NLB zustande. Demgegenüber stehen 34 demoralisierende Momente, als man nach einem Gegentreffer zurück zum Anspielkreis schreiten musste.

Die erbarmungslose Realität: La Broye reiste sieglos in den Aargau. Die Freiburger kämpften also um das fehlende Selbstvertrauen und hofften auf eine Initialzündung für den Meisterschaftsbetrieb.

Eine Hoffnung, die mit dem Sechzehntelfinal des Schweizer Cups auf einer würdigen Bühne ersehnt wurde. Auf einer Bühne, die bekanntlich seine eigenen Gesetze kennt.

Eine Brise am Ursprung der Ausgeglichenheit

Diese Gesetze galten aber vorerst nicht. Obwohl La Broye erwartungsgemäss nicht allzu stilsicher aufspielte, ging das erste Drittel mit 2:1 an die Gäste.

Bezeichnend war dieser Spielstand aber nicht, denn bei allen drei Toren standen unglücklich agierende Torhüter am Ursprung. Das unruhige Spiel blieb auch zu Beginn des zweiten Abschnitts offen und führte das alternierende Skore zunächst fort. Nachdem aufopferungsvoll erarbeiteten Ausgleichstreffer durch Hurricanes-Goalgetter Gfeller, nützte der Oberklassige ein Missverständnis in der Aargauer Verteidigung zur erneuten Führung aus.

3:2 stand es also nach 29 gespielten Minuten. In dieser ersten halben Stunde glichen die Hurricanes anstelle eines unaufhaltsamen Wirbelsturms eher an eine frische Brise.

Unangenehm, aber man kann sich dagegen schützen - in Form von unerlaubten Aktionen. La Broye wusste sich wiederholt nur mit Zwei-Minuten-Strafen zu helfen.

Vorübergehend war das eine sichere Strategie, denn das Lenzburger Überzahlspiel war bis zu diesem Zeitpunkt trotz zehn Powerplay-Minuten fruchtlos geblieben.

Die Sternstunde der Hurricanes

Als in der 33. Minute der Freiburger Mathieu Pochon aber wegen übertriebener Härte auf die Strafbank beordert wurde, kam es zur Initialzündung. Eine Initialzündung, die die eingangs erwähnte Hoffnung der Gäste keineswegs schürte. Hurricanes-Captain Gian Amstutz grub den Ball hinter dem gegnerischen Tor aus und vernaschte den NLB-Keeper mit einem klassischen „Bubentrick". Die Halle tobte.

Breitensport-Serie

Inlinehockey - ein Besuch abseits des Breitensports. Im Rahmen einer Maturaarbeit begleitet Calvin Stettler die Inlinehockeyaner der Lenzburg Hurricanes. Während der ganzen Saison (März bis Oktober) erscheinen an dieser Stelle Artikel rund um den Aargauer Erstligisten.

Und diese Aktion hatte Folgen, stürmische Folgen. Die Lenzburg Hurricanes setzten zum berauschenden Sturmlauf an. Innert knapp fünf Minuten erzielten die Aargauer fünf Tore und führten in der zweiten Drittelpause plötzlich mit 8:3.

Die Unachtsamkeit der Freiburger und die Kaltschnäuzigkeit des Gastgebers machten aus der vermeidlichen Brise einen unaufhaltsamen Wirbelsturm.

Am Sieg und dem dabei resultierenden Einzug in die nächste Runde zweifelte urplötzlich niemand mehr. Die Optimisten sollten Recht behalten, und doch blickten die Hurricanes nach dem Spiel skeptisch auf die Anzeigetafel.

„Resultate kann man im Inlinehockey nicht verwalten", resümierte beispielsweise Spielertrainer Maurer. „Nach diesem letzten Drittel dürfen wir nicht zufrieden sein", meinte auch Captain Amstutz.

Grund für diese kollektive Selbstkritik war der unfreiwillig spannend gewordene Schlussabschnitt. Der Unterklassige erreichte zwar sensationell das „Stängeli" - erzielte also insgesamt zehn Tore, musste aber auch noch fünf Gegentreffer hinnehmen.

Die triumphale Momentaufnahme

Die Brise kehrte also zurück und der Wirbelsturm war nur eine Momentaufnahme. Die unachtsamen Schlussminuten wurden den Hurricanes schlussendlich nur nicht zum Verhängnis, weil sie ihrem Klubbeinamen am Ende des Mittelabschnitts alle Ehre machten.

Denn „Hurrikan" stammt ursprünglich aus der Indianersprache und heisst „Gott des Windes". Oder etwa doch Gott des Inlinehockeys? Zumindest schien es für fünf wunderbare Minuten so.

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