Coronavirus

Diese drei verdienten Persönlichkeiten aus dem Aargauer Sport treten durch die Hintertür ab

Wegen der Coronavirus-Pandemie erfolgen zahlreiche Rücktritte von verdienten Persönlichkeiten im Regionalsport im Stillen. Die AZ präsentiert an den Personen von Volleyballerin Anika Schulz (BTV Aarau), Handballvereinspräsident Paul Keller (SC Siggenthal) und Handballspieler Tobias Kaufmann (TV Muri) drei Beispiele.

Dean Fuss
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Volleyballerin Anika Schulz (links, BTV Aarau), Handballvereinspräsident Paul Keller (oben rechts, SC Siggenthal) und Handballspieler Tobias Kaufmann (TV Muri) treten aufgrund des Coronavirus durch die Hintertür ab.

Volleyballerin Anika Schulz (links, BTV Aarau), Handballvereinspräsident Paul Keller (oben rechts, SC Siggenthal) und Handballspieler Tobias Kaufmann (TV Muri) treten aufgrund des Coronavirus durch die Hintertür ab.

Britta Gut (1), ZVG (2)

Mitte März schlug die Coronavirus-Pandemie in der Sportwelt so richtig zu. Der Spielbetrieb wurde überall eingestellt und später in den meisten Sportarten abgebrochen.

Fernab vom Rampenlicht der grossen Ligen hat das dazu geführt, dass verdienten Sportlerinnen und Funktionären im Regionalsport der verdiente Rücktritt in Ehren verhindert wird. Stattdessen erfolgen die Abgänge durch die Hintertür – zumindest vorerst.

Anika Schulz (Volleyball, BTV Aarau)

Britta Gut

Erst im Nachhinein hat Anika Schulz erfahren, dass sie die letzte Partie ihrer Aktiv-Karriere als Volleyballerin hinter sich hat. «Mein Rücktritt als Aktive kam dann doch etwas abrupt», sagt die 36-jährige Deutsche.

So richtig Abschied nehmen konnte sie deshalb nicht. Allerdings: «Das geht für mich schon in Ordnung. Wichtiger ist für mich, dass wir mit dem Team den Ligaerhalt in der NLB geschafft haben», sagt Schulz.

Ihre Profi-Karriere hatte die EM-Bronze-Gewinnerin und mehrfache Meisterin in der Bundesliga und der Schweiz bereits mit dem Wechsel zum BTV Aarau im Jahr 2017 beendet. Seither arbeitet sie als Assistentin der Geschäftsleitung einer Werbe- und Kommunikationsagentur, der Volleyball war nur noch zeitintensives Hobby.

Doch damit ist per 1. Juli Schluss. Dann nämlich übernimmt Schulz bei den Aarauerinnen, die ab Sommer eines von nur zwei nationalen und von Swiss Volley zertifizierten Ausbildungszentren stellen, das Traineramt in Vollzeit.

Neben der Betreuung des Fanionteams in der NLB gehört sie dem Nachwuchstrainerteam um Ex-Nationalcoach Timo Lippuner an. «Das Projekt ist unglaublich spannend. Ich freue mich enorm, mit an Bord zu sein», sagt Schulz, die damit auch künftig all ihre Energie in den BTV Aarau investieren wird.

Paul Keller (Handball, SC Siggenthal)

Zur Verfügung gestellt

Der 26. Juni 2020 wird beim Erstligisten SC Siggenthal in die Geschichte eingehen. Nicht nur, weil die Generalversammlung (GV) des Vereins voraussichtlich erstmals in digitaler Form stattfinden wird, sondern weil mit dem Abgang von Paul Keller eine Ära endet: Nach 25 Jahren gibt der 66-Jährige sein Amt als Vereinspräsident ab.

Seinen Rücktritt hat sich Keller schon etwas anders vorgestellt. Für seine letzte GV waren wichtige Weggefährten wie frühere Vorstandsmitglieder, Verbandsvertreter oder der Aargauer Sportdirektor Alex Hürzeler als Überraschungsgäste eingeplant. «Vielleicht können wir das bei einem Heimspiel in der kommenden Saison nachholen», sagt der mehrfache Familienvater.

In bester Erinnerung seines Vierteljahrhunderts an der Spitze des SC Siggenthal werden dem pensionierten Informatiker sowohl die Einweihung der Sporthalle Obersiggenthal (1996) als auch der denkwürdige Aufstieg in die NLB (2011) bleiben.

Aber auch neben der Platte hat Keller so einiges bewirkt. So entstanden die Spielgemeinschaften mit Vom Stein Baden bei den Männern und dem BSC Wettingen bei den Frauen in seine Amtszeit.

Nach all dem investierten Herzblut ist Keller froh, dass sich in der Person von Clemens Good ein Nachfolger gefunden hat. «Ich blicke auf eine tolle Zeit zurück und übergebe den Stab respektive den Handball nun gerne weiter an eine kompetente Führung», sagt der ehemalige NLB-Torhüter.

Selber war er vor einem Jahr in der 3. Liga zum letzten Mal zwischen den Pfosten gestanden: «Seither überlasse ich diesen Posten den Jüngern.» Ebenso wie nun das Amt des Vereinspräsidenten.

Tobias Kaufmann (Handball, TV Muri)

Zur Verfügung gestellt

«Sportlich gesehen habe ich in meiner Karriere nicht viel gewonnen», sagt Tobias Kaufmann. «Trotzdem bin ich unglaublich stolz und dankbar, dass ich so lange Zeit Teil der Familie des TV Muri sein durfte.»

Vom Polysport-Team (1999) bis nun zum Rücktritt aus der Erstliga-Mannschaft; der mittlerweile 26-Jährige hat während seiner kompletten Aktivzeit nie für einen anderen Verein gespielt.

Dass der Rücktritt durch den Saisonabbruch Mitte März etwas abrupt kam, nimmt der Student gelassen hin: «So schade es ist, dass ich nicht bewusst mit einem letzten Spiel damit abschliessen konnte, so schön ist es, dass ich bis zur letzten Minute voll auf den Sport fokussiert sein konnte und wie immer Vollgas geben konnte», sieht Kaufmann sogar positive Aspekte in der Entwicklung.

Seinen Entscheid zum Rücktritt, den er aufgrund seines Masterstudiengangs in Freiburg gefällt hat, bereut er nicht. «Ich freue mich darauf, meine ehemaligen Teamkollegen und Freunde künftig als Fan anzufeuern.»

Obwohl Kaufmann nicht mehr aktiv für den TV Muri auflaufen wird, bleibt er dem Verein als Teil des Organisationskomitees der Halloween-Party Muri erhalten.