Coronakrise

FC Aarau will Geisterspiele - doch dem Profifussball droht eine Zerreissprobe

Ab dem 11. Mai sind Mannschaftstrainings im Profisport wieder erlaubt. Einen Monat später, ab dem 8. Juni, sollen im Fussball die nächsten Pflichtspiele stattfinden - aber kommt es soweit?

Sebastian Wendel
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Aarau-Trainer Patrick Rahmen (Mitte) freut sich, seine Spieler am 11. Mai wieder zum Mannschaftstraining begrüssen zu dürfen

Aarau-Trainer Patrick Rahmen (Mitte) freut sich, seine Spieler am 11. Mai wieder zum Mannschaftstraining begrüssen zu dürfen

Daniela Frutiger/Freshfocus, Aarau, 22. Juni 2019

Der Bundesrat hat entschieden: Flaut die Corona-Pandemie in der Schweiz weiter ab, springen die Ampeln im Profifussball ab dem 8. Juni wieder auf Grün. Aber: Wollen die Klubs überhaupt weiterfahren?

Die Swiss Football League hat seit Beginn des Lockdowns Mitte März stets betont, die Saison 2019/20 unbedingt zu Ende spielen zu wollen und ihren Willen mit einem bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Geisterspiel-Konzept untermauert. Doch in den vergangenen Tagen äusserten einige der 20 Schweizer Profiklubs ihre Bedenken. Der finanzielle Aufwand rechne sich nicht mit der kleinen, letzten Tranche der TV-Gelder, die im Fall der Saison-Fortsetzung an die Klubs überwiesen würde.

Zu den Befürwortern der Geisterspiele gehört der FC Aarau. Zwar gibt es weiterhin keine Anhaltspunkte, wie viel die materiellen, medizinischen und infrastrukturellen Aufwendungen zur Umsetzung der Geisterspiele kosten sollen. Doch Vizepräsident Philipp Bonorand sagt: «Ich habe die via Medien geäusserte Skepsis einiger Klubs vernommen. In den internen Diskussionen untereinander aber spüre ich bislang keinen Widerstand. Darum bleibe ich dabei: Unter der Voraussetzung, dass alle Partien für das Publikum am TV oder online zugänglich sind, spricht sich der FC Aarau für die Umsetzung des Geisterspiel-Konzepts aus (siehe AZ vom 23. April; d. Red.).»

Die finanziellen Einbussen eines Saisonabbruchs, etwa Regressforderungen von Sponsoren, schätzt Bonorand weiterhin als einschneidender ein. Auch in der Annahme, dass das von der SFL verfasste Konzept wohl nicht 1:1 umgesetzt werden muss: So ist etwa davon auszugehen, dass die Frequenz der Corona-Tests bei Trainern und Spielern weniger hoch sein wird als, wie im Konzept geschrieben, mehrmals pro Woche. Entsprechende Andeutungen sind zuletzt durchgesickert.

Dank Ziel vor Augen: Motivation der Spieler steigt wieder

Seit vergangener Woche rüstet sich der FCA für die Wiederaufnahme von Trainings- und Spielbetrieb: Kistenweise Schutzmasken (für die medizinische und therapeutische Betreuung) und Desinfektionsmittel sind im Brügglifeld angekommen, die Pläne für allfällige kleinere Umbauten im Kabinenbereich oder die Verlegung der Trainings an einen anderen Ort (Gränichen?) liegen in der Schublade.

Stabübergabe beim FC Aarau im September?

Jahrelang hat FCA-Präsident Alfred Schmid nach einem Nachfolger gesucht. Und jetzt, wo dieser mit Philipp Bonorand bereitsteht, verschiebt Corona die Stabübergabe an der Klubspitze bis auf Weiteres. Ursprünglich geplant war die Generalversammlung der FC Aarau AG am 26. Mai, dies hat sich nach den jüngsten Ankündigungen des Bundesrats (Versammlungsverbot bis 8. Juni) wohl erledigt. Gemäss AZ-Infos könnte die GV nun im September über die Bühne gehen. An dieser soll neben der Wahl von Bonorand zum Präsidenten Nico Barazetti als Neumitglied in den Verwaltungsrat gewählt werden. Zudem ist es die Bühne des Abschieds des langährigen Führungsduos Alfred Schmid und Roger Geissberger.

Mit der Ansage des Bundesrats, dass am 11. Mai das Mannschaftstraining wieder aufgenommen werden kann, haben auch Mannschaft und Trainerstab wieder ein Ziel vor Augen. Nicht zu wissen, wann und ob es weitergeht, hat die Motivation der Kicker für das Einzeltraining im «Home Office» ins Bodenlose sinken lassen. Urs Fischer, der Schweizer Trainer des Bundesligisten Union Berlin, zeigte sich in einem Interview erstaunt über den schlechten körperlichen Zustand seiner Mannschaft.

In welchem körperlichen Zustand finden sich die FCA-Profis (hier Schindelholz und Schneuwly) nach dem Home Office wieder im Training ein?   

In welchem körperlichen Zustand finden sich die FCA-Profis (hier Schindelholz und Schneuwly) nach dem Home Office wieder im Training ein?   

Sandra Ardizzone

Aarau-Chefcoach Patrick Rahmen geht davon aus, dass seine Spieler in den letzten Wochen seriös gearbeitet und eine immer noch eine gute Grundfitness hätten, sagt aber: «Es gibt viel aufzuholen, vor allem im fussballspezifischen Bereich. Primär ist es eine Erlösung, dass wir ab dem 11. Mai wieder alle zusammen trainieren können und so einigermassen normal unseren Job ausüben können. Als Sportsmann wünsche ich mir, dass der Spielbetrieb ab dem 8. Juni wieder losgeht, bin mir aber bewusst, dass es noch einige offene Fragen zur Umsetzung gibt.» Diese zu beantworten, dürfte in den kommenden Tagen für reichlich Zündstoff unter den Schweizer Profiklubs sorgen.