NLA-Handball

Flügel Timothy Reichmuth gehört beim HSC Suhr Aarau zu den Kleinsten und legt sich trotzdem mit den Grössten an

Der 22-jährige Timothy Reichmuth hat sich seit Sommer 2017 zur grossen Konstante beim HSC Suhr Aarau entwickelt. Sein Trainer Misha Kaufmann ist überzeugt, dass der 1,79 Meter grosse Baselbieter der beste linke Flügel des Landes werden kann.

Dean Fuss
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HSC-Flügel Timothy Reichmuth (M.) weiss sich trotz seiner vergleichsweise kleinen Körpergrösse von 1,79 Metern durchzusetzen.

HSC-Flügel Timothy Reichmuth (M.) weiss sich trotz seiner vergleichsweise kleinen Körpergrösse von 1,79 Metern durchzusetzen.

Alexander Wagner

Es kommt zum Gerangel, es wird geschubst, es wird geschrien. Ganz zuvorderst mit dabei: Timothy Reichmuth. Der 22-jährige Baselbieter in Diensten des HSC Suhr Aarau stellt sich schützend vor seine Teamkollegen, tritt Wacker-Captain Jonas Dähler entgegen – obwohl dieser satte 15 Zentimeter grösser ist.

Auch von den Teamkollegen, die er verteidigt, werden Reichmuths 1,79 Meter Körpergrösse fast ausnahmslos überragt. Wenige Augenblicke nach der Rudelbildung erhält der linke Flügel den Ball zugespielt, verschafft sich Raum und lässt dem gegnerischen Torhüter keine Chance.

Die beschriebenen Szenen spielten sich am vergangenen Sonntag in der Startphase des 23:23-Unentschiedens des HSC in Thun ab. Sie umschreiben ganz gut, wie der 73 Kilogramm schwere Reichmuth funktioniert. Er ist ein Teamplayer durch und durch, stellt das Wohl der Mannschaft jederzeit über sein eigenes. Gleichzeitig gelingt es ihm zumeist vorbildlich, auch in heiklen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Harter Fight um jeden Ball: HSC-Flügel Timothy Reichmuth (hinten) ring am Boden mit Otmar-Spieler Rares Jurca um den Ball.

Harter Fight um jeden Ball: HSC-Flügel Timothy Reichmuth (hinten) ring am Boden mit Otmar-Spieler Rares Jurca um den Ball.

Alexander Wagner

Reichmuth ist kein Lautsprecher, trotzdem hat sein Wort innerhalb der Mannschaft Gewicht. Dieses Standing hat er sich in seinen mittlerweile dreieinhalb Jahren beim HSC erarbeitet. Schritt für Schritt.
Reichmuth, der ursprünglich aus der Talentschmiede der HSG Nordwest stammt, stiess im Sommer 2017 zum Fanionteam des HSC.

Dort hätte er hinter Beau Kägi gemächlich an das Niveau in der NLA herangeführt werden sollen. Doch Kägis Kreuzbandriss beschleunigte den Prozess, Reichmuth hatte gleich von Beginn weg eine tragende Rolle. «Er hat das überragend gemacht», sagt HSC-Trainer Misha Kaufmann im Rückblick auf die Saison 2017/18.

Timothy Reichmuth hat in bisher 88 Meisterschaftspartien für den HSC Suhr Aarau 240 Treffer erzielt.

Timothy Reichmuth hat in bisher 88 Meisterschaftspartien für den HSC Suhr Aarau 240 Treffer erzielt.

Alexander Wagner

Zum selben Schluss kam im Mai 2018 ganz offensichtlich auch die Fachjury der Swiss Handball Awards Night: Timmy, wie er intern genannt wird, wurde nach seiner Debütsaison als «bester Nachwuchsspieler U21» ausgezeichnet.

Anderthalb Jahre später erhielt er erstmals ein Aufgebot für ein Stützpunkttraining des A-Nationalteams. Sein A-Länderspieldebüt steht allerdings bis dato aus. In der NLA hat Reichmuth mittlerweile 88 Partien bestritten und dabei 240 Treffer erzielt.

Auf dem Weg zum besten linken Flügel der Schweiz

Auch Reichmuth selber ist ganz zufrieden mit seiner Entwicklung: «Den grössten Schritt habe ich sicher in meiner ersten Saison beim HSC gemacht. Danach habe ich vor allem in der Deckung zugelegt.» Die Selbstanalyse trifft sich ziemlich genau mit derjenigen seines Trainers.

Auch dann, wenn es um sein grösstes Steigerungspotenzial geht: «Ich erwarte noch mehr Konstanz von mir. Nach einer zwischenzeitlichen Baisse sind meine Wurfquoten diese Saison wieder besser», sagt der Sport- und Mathematik-Student.

Genau an diesem Punkt setzt auch Kaufmann an: «Wenn er es schafft, seine Fehlwürfe wegzubringen und diese 100 Prozent wirft, dann ist er für mich der beste linke Flügel der Schweiz.»

HSC-Flügel Timothy Reichmuth erwartet mehr Konstanz von sich selber.

HSC-Flügel Timothy Reichmuth erwartet mehr Konstanz von sich selber.

Alexander Wagner

Dass sich seine Quoten aber eben in dieser Saison wieder verbessert haben, zeigte die Partie gegen Wacker, als Reichmuth in einem zu grossen Shirt auflief: Denn in Abwesenheit des verletzten Diogo Oliveira war er vor Wochenfrist plötzlich Träger des Trikots des HSC-Topskorers.

Und dieses gibt es in der kleinsten Variante eben nur in der Grösse «L». «Normalerweise spiele ich mit einem ‹M›, aber die Grösse des Trikots hat mich nicht eingeschränkt», sagt Reichmuth lachend.

Gegen den BSV wieder im «normalen» Trikot

Morgen Sonntag (Anpfiff: 16 Uhr) im Heimspiel gegen den BSV Bern in der Schachenhalle wird er sich indes wieder das gewohnte Trikot mit seiner Rückennummer 5 überstreifen können.

Teamkollege Manuel Zehnder hat sich in der internen Skorerliste auf den zweiten Rang nach vorne geschoben und löst Reichmuth damit als Stellvertreter des Topskorers ab. Letzterer wird sich aber auch so in Szene zu setzen wissen.