Verletzung

Fremde Hände für Karatekämpferin Elena Quirici

Karatekämpferin Elena Quirci ist derzeit auf die Hilfe anderer angewiesen. Die 26-Jährige kann ihre eigenen Hände aufgrund von Verletzungen nur sehr eingeschränkt verwenden. Darum ist Improvisationstalent gefragt.

Martin Probst
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Elena Quirici hat die Operation gut überstanden.

Elena Quirici hat die Operation gut überstanden.

ZVG

Wie oft am Tag brauchen wir unsere Hände? Elena Quirici weiss die Antwort ziemlich genau. Sie führt quasi unfreiwillig Buch. Also in Gedanken, denn schreiben geht nicht. Die Aargauer Sportlerin des Jahres trägt momentan zwei Schienen. Eine an jeder Hand. Links ist eine Sehne am Daumen angerissen, rechts, an der Mittelhand, ist sie ganz ab.

Also, Elena Quirici, wie oft brauchen wir unsere Hände? «So ziemlich bei allem, was wir tun. Vom Aufstehen am Morgen bis zum ins Bett gehen am Abend», sagt sie und hat sich notgedrungen Ersatz organisiert. Statt zwei eigene umsorgen sie nun viele Hände. Der Freund hilft beim Einsetzen der Kontaktlinsen, die Mutter stellt das Glas Wasser inklusive Röhrli auf den Tisch. «Eigentlich brauche ich für alles Hilfe», sagt die Karatekämpferin.

Schmerzerprobt

Die Sehne an der rechten Hand ist bei Quirici wohl schon im Februar gerissen. «Da war ich aber noch Mitten in der Saison. Ich überlegte erst gar nicht, zum Arzt zu gehen.» Weil Karatekämpferinnen und Kämpfern an den Händen oft oder fast ständig etwas wehtut, weil Kapseln und Knorpel immer wieder leiden, dachte sie: «Das ist schon nicht so schlimm.» Die 26-Jährige ist schmerzerprobt. So schnell hört sie nicht auf, zu kämpfen.

Als dann in der vergangenen Woche nach einem Training aber plötzlich der linke Daumen schmerzte, so sehr, dass sich sogar eine wie sie Gedanken machte, stoppte Quirici etwas anderes, das schon die Karatesaison beendete: das Coronavirus. «Ich wollte trotzdem nicht zum Arzt gehen, weil es hiess, man solle unnötige Arztbesuche vermeiden.» Am Ende siegte dann aber der Schmerz – und seither setzt sie auf fremde Hände. Oder besser: muss sie setzen. «Ich bin gerne selbstständig», sagt Qurici. «Doch wenn etwas auch nach dem 50. Versuch nicht funktioniert, dann muss ich doch um Hilfe bitten.»

Glück im Unglück

Mindestens vier Wochen wird Quirici die Schiene an der linken Hand tragen müssen. «Weil die Sehne nicht ganz gerissen ist, habe ich mich für eine konservative Therapie entschieden.» Damit konnte sie verhindern, dass neben der rechten auch die linke Hand operiert werden musste. Rechts bleibt die Schiene jetzt mindestens sechs Wochen dran.

Als ob das Leben aufgrund des Coronavirus nicht schon genug Einschränkungen mit sich brächte. Und doch sieht Quirici in der momentanen Situation sogar einen Vorteil. «Ich hatte quasi Glück im Unglück.» Weil die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden und weil bis auf Weiteres keine Wettkämpfe stattfinden, hat sie viel Zeit für die Regeneration und den Wiederaufbau der Form. Das dann wieder mit eigenen Händen.