Challenge League

Kilian Pagliucas folgenreiche Tränen bei der Derby-Niederlage in Aarau

Die Auswechslung von Wohlens Joker-Stürmer Kilian Pagliuca polarisiert. Verlierer sind letztlich alle Beteiligten.

Calvin Stettler
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29 Minuten nach der Einwechslung wird Kilian Pagliuca ausgewechselt.

29 Minuten nach der Einwechslung wird Kilian Pagliuca ausgewechselt.

Marc Schumacher/freshfocus

Kilian Pagliuca wirkt nicht, als ob er abgeneigt wäre, zu erzählen, was in ihm vorgeht. Er zögert für einen Moment und sagt dann: «Nein, ich darf nicht reden. Der FC Wohlen hat es mir verboten, Interviews zu geben.»

24 Stunden ist sein demoralisierendes Debüt im Aargauer Derby in diesem Moment schon her. Er, der sich gegen den FC Aarau erstmals in einem Ernstkampf den Dress des FC Wohlen überziehen durfte, wurde in der 57. Minute eingewechselt und 29 Minuten später von Trainer Francesco Gabriele wieder vom Feld genommen. Die Höchststrafe also. Mit Tränen in den Augen suchte Pagliuca die Garderobe nach Spielschluss auf. Wenig später standen die Teamkollegen im Kabinentrakt förmlich an, um ihn mit aufbauenden Worten einzudecken.

Weil Pagliuca offiziell nichts sagen darf, meldet er sich am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter und bedankt sich bei seinen Mannschaftskameraden, den Spielern des FC Aarau und sogar bei dieser Zeitung für die Unterstützung. Es ist eine Botschaft, die Spielraum für Interpretationen bietet. In der Kontroverse verwickelt ist vor allem auch Wohlen-Trainer Francesco Gabriele. Als er nach dem Derby sagte, der Wechsel gründe auf «taktischen Überlegungen», da wirkte das irgendwie wirr.

Für Gabriele abgeschlossen

Nun aber ist aus dem Klubumfeld zu hören, dass Pagliucas Auswechslung nicht unbegründet gewesen sei. Der Joker soll sich während seines Einsatzes den Direktiven Gabrieles widersetzt haben. Deshalb soll der Coach des FC Wohlen so unkonventionell eingegriffen haben. Die Auswechslung will Gabriele aber nicht mehr kommentieren. Für ihn sei die Sache abgeschlossen. Ein klärendes Gespräch zwischen Trainer und Spieler soll aber gestern Dienstag, rund um das erste Training nach der 0:1-Niederlage im Derby, stattgefunden haben.

Ein aussergewöhnlicher Weg

War es also Pagliucas jugendlicher Übermut, der zu dieser Posse führte? Passen würde es ja zu diesem Bild, das Pagliuca in den sozialen Netzwerken von sich zeichnet. Er nennt sich Matador und versprüht ein gesundes Selbstvertrauen. Wohl auch, weil der junge Stürmer aus dem Genfer Vorort Chêne-Bougeries seit je als aussergewöhnlich gilt.

2012 entdeckten ihn die Scouts von Olympique Lyon und lotsten den damals Minderjährigen in die Nachwuchsabteilung des Ligue-1-Klubs. Bis in die zweite Mannschaft Lyons schaffte es Pagliuca dort, bevor er sich Anfang Februar der U21 des FC Zürich anschloss. Seit Ende September nun spielt er im Freiamt. Bis nächsten Sommer noch – so ist das zumindest vorgesehen. Der FC Zürich aber besitzt die Option, den Nachwuchs-Nationalspieler noch bis zum 31. Dezember 2016 zurückzuholen. Dass er diese einlöst, ist nicht ausgeschlossen.

Anders sieht das Pagliucas verletzter Sturmkollege Marvin Graf, der ebenfalls vom FCZ ausgeliehen ist: «Die Winterpause kommt jetzt vielleicht gerade gelegen, dann kann Kilian sich etwas vom Schock erholen und einen neuen Anlauf starten.» Graf ist davon überzeugt, dass seine Mannschaft Pagliuca dabei unterstützen werde, wieder aus diesem Loch rauszukommen. «Denn alleine ist das fast nicht möglich.» Die Tränen des Matadors sind mittlerweile getrocknet. Es ist das vorläufige Ende einer Episode, in der alle Beteiligten letztlich nur als Verlierer gelten.