Leichtathletik
Als erste Aargauerin überhaupt: Valentina Rosamilia wird jetzt von Swiss Athletics gefördert

Die Aargauer Mittelstreckenläuferin Valentina Rosamilia ist im Hoch: Vom nationalen Leichtathletikverband wird die 18-Jährige ins Förderprogramm «World Class Potentials» aufgenommen, nebenbei knackte sie die Limite für die U20-Weltmeisterschaft.

Frederic Härri
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Die Mittelstreckenläuferin Valentina Rosamilia vom BTV Aarau knackt derzeit Rekord um Rekord.

Die Mittelstreckenläuferin Valentina Rosamilia vom BTV Aarau knackt derzeit Rekord um Rekord.

Zvg/Athletic.ch/Ulf Schiller / Aargauer Zeitung

Vor einer Woche erhielt Valentina Rosamilia eine Nachricht, die Klarheit in ihr auslöste. Ein Bewusstsein, das ihr mitteilte: All die harte Arbeit, all die Schufterei, sie zahlt sich aus. Swiss Athletics wird die 18-Jährige in das Förderprogramm «World Class Potentials» aufnehmen, so lautete die Nachricht. Damit stellt der nationale Verband Rosamilia das Prädikat Weltklasse in Aussicht – grösser könnte die Ehre für die Aargauer Leichtathletikhoffnung wohl nicht sein. «Es ist mega, mega toll», sagt Rosamilia am Telefon, die Stimme voller Überschwang. «Es zeigt mir, dass man an mich glaubt.»

Um zu begreifen, in welche Riege die junge Hunzenschwilerin vorgestossen ist, hilft es, sich der Namen zu erinnern, die ebenfalls Teil des aktuellen Förderprogramms sind. Nur zwölf weitere gehören dazu, darunter der Zehnkämpfer Simon Ehammer und die Stabhochspringerin Angelica Moser, oder Ditaji Kambundji, die kleine Schwester der zweifachen Olympionikin Mujinga Kambundji. Als erste Aargauerin überhaupt fügt sich nun Rosamilia in die Liste ein. Der Nationaltrainer hatte sie vor einigen Monaten vorgeschlagen, die Aufnahme erfolgte einstimmig.

Ihr Trainer darf sie nun kostenfrei an die internationalen Anlässe begleiten

Natürlich bringt die Teilnahme im nationalen Fördergefäss einige Vorzüge mit sich. Swiss Athletics fasst die Punkte auf seiner Website ziemlich breit. Individuelle Förderung bis 26 Jahre steht da etwa , finanzielle Unterstützung oder «die Integration des Umfelds, der Familie, des Trainers». In welchem Masse ihr die Fördermittel helfen werden, könne sie jetzt noch nicht abschätzen, sagt Rosamilia. «Dafür ist es noch zu früh.» Fest steht: Ihren Trainer Georg Schärer wird sie künftig an die internationalen Wettkämpfe mitnehmen können – kostenfrei.

Der Zeitpunkt dafür könnte besser nicht sein, da sich die Anlässe an den fernen Orten auf der Welt für Rosamilia häufen werden in den kommenden Jahren. Schon bald steht die U20-EM in Estlands Hauptstadt Tallinn auf dem Programm, Mitte Juli ist es so weit. Und nimmt man die jüngsten Resultate als Massstab, wird die Athletin des BTV Aarau eine der Favoritinnen sein.

Nur wenige Wochen ist es her, da hatte sich Rosamilia sich über 1500 und 800 Meter für die Titelkämpfe qualifiziert. Mit ihrer Zeit von 2:04.58 über 800 Meter reihte die Mittelstreckenläuferin die Bestmarken aneinander: persönliche Bestzeit, Vereinsrekord, Aargauer Rekord und Rang drei in der europäischen U20-Bestenliste des Jahres. Doch als wäre dies nicht genug, legte Rosamilia noch einen drauf. Am Samstag überbot sie ihre Bestzeit um über zwei Sekunden und knackte damit nebenbei gleich auch die Limite für die U20-Weltmeisterschaft, die im August in Nairobi stattfinden wird.

Mental gewachsen im vergangenen Jahr

Es sind durchweg positive Neuigkeiten nach Monaten, in denen es für Rosamilia nicht immer nur aufwärts ging. Weite Teile des vergangenen Jahres verbrachte Rosamilia, die auch den italienischen Pass besitzt, in einem Auslandssemester in Rom. Die Coronapandemie zwang das Land in einen strengen Lockdown. Es gab Wochen, da durfte sie, die so sehr von der Bewegung lebt, nicht mehr nach draussen, um sich die Beine warm zu laufen. Die Trainings wurden zwangsläufig weniger, Leichtathletikanlässe wurden abgesagt. Trübsal statt Leichtigkeit, Isolation statt Gemeinschaft.

Rosamilia hat in dieser Phase keine Wettkämpfe gewinnen können, dafür einiges an Erfahrung. «Ich bin mental gewachsen», sagt sie. «Ich habe gelernt, dass es nicht immer nur gut laufen kann. Das hilft mir. Immer mehr bekomme ich das Gefühl, dass ich mit allem klarkommen kann.»

Das Multitalent hat sich jetzt entschieden - für die Leichtathletik

Und wieder ist man geneigt zu sagen, dass der Zeitpunkt für diese Erkenntnis optimaler nicht sein könnte. Jetzt, da sich Rosamilia entschieden hat. Entschieden für die Leichtathletik. Zu Rosamilias Leidenschaften zählt das Biken und Schwimmen, was sie zu einer ebenso begabten Triathletin und Duathletin geformt hat. Sogar Eishockey spielte sie bis vor wenigen Jahren, als sie im Trikot des SC Reinach übers Eis kurvte. Radfahren und Schwimmen sollen nunmehr lediglich als Ausgleich dienen. Die volle Aufmerksamkeit gilt der Leichtathletik.

14 bis 15 Stunden investiert Rosamilia pro Woche in ihren Sport. Es ist ein Rhythmus, der sie dereinst an die Olympischen Spiele im Jahr 2024 tragen soll. Rosamilia schätzt ihre Chancen für eine Teilnahme als realistisch ein, doch allzu stark mag die Hunzenschwilerin an das Fernziel noch nicht denken. «Ich schaue lieber von Saison zu Saison», sagt sie. Erst einmal gilt der Fokus der Junioren-EM im nächsten Monat. Zeit genug, sich unter die Weltbesten zu mischen, bleibt Rosamilia immer noch. Das Potenzial dafür hat sie – jetzt auch ganz offiziell.