Matchbericht
Ex-Aarauer Tasar beendet Cup-Träume: Der FCA scheitert im Halbfinal am FC Luzern

Die Geschichte wiederholt sich: Wie schon vor 16 Jahren verliert der FC Aarau im Cup-Halbfinal gegen den FC Luzern mit 1:2. Besonders bitter an dieser Niederlage: Für die Entscheidung sorgt ausgerechnet der ehemalige FCA-Spieler Varol Tasar.

Sebastian Wendel
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Pure Enttäuschung bei Donat Rrudhani nach der 1:2-Niederlage.
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Der FC Aarau muss sich gegen den FC Luzern im Halbfinal geschlagen geben.
Grenzenloser Jubel bei FCL-Goalie Marius Müller.
Enttäuschte Gesichter bei den FCA-Spielern nach dem zweiten Gegentreffer.
Der FC Aarau kommt in der zweiten Halbzeit nur noch selten zu guten Chancen.
FCA-Stürmer Filip Stojilkovic hadert mit der Chancenverwertung.
Ex-Aarauer Varol Tasar verzichtet auf den Jubel.
Varol Tasar trifft nach einer herrlichen Einzelleistung.
Ausgerechnet Ex-Aarauer Varol Tasar bringt den FC Luzern in der 74. Minute in Führung.
Liridon Balaj beschäftigt die Luzerner Defensive.
Simon Enzler fliegt durch den Strafraum.
Aarau und Luzern gehen mit einem 1:1-Unentschieden in die Pause.
Stephan Keller gibt lauthals Anweisungen, mit der Leistung seiner Mannschaft kann er aber im ersten Durchgang zufrieden sein.
Filip Ugrinic sucht immer wieder den Abschluss aufs Aarauer Gehäuse.
Akrobatische Einlage von Donat Rrudhani.
Mickael Almeida lässt die Mauerfans mit seinem Kopfball-Tor jubeln.
Mickael Almeida gelingt der Ausgleich per Kopf.
Der FC Aarau kann auf den frühen Rückstand prompt reagieren.
Der FC Aarau lässt sich vom Gegentreffer nicht aus der Ruhe bringen.
Ibrahima Ndiaye findet die Lücke im Aarauer Kasten.
Der FC Aarau gerät früh in den Rückstand.
Kalte Dusche für den FC Aarau: Luzern geht nach vier Minuten in Führung.

Pure Enttäuschung bei Donat Rrudhani nach der 1:2-Niederlage.

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Fast verpasst er das obligate Jubelfoto mit den Teamkollegen, im letzten Moment rutscht er noch ins Bild, ehe er zum nächsten Interview muss: Varol Tasar. Ja genau der Tasar, der im Juni 2019 den FC Aarau in seiner schwersten Stunde als Fussballer verlassen hat: Als Nicht-Aufsteiger, obwohl das Barrage-Hinspiel gegen Xamax 4:0 gewonnen wurde.

Das obligate Jubelfoto des FC Luzern.

Das obligate Jubelfoto des FC Luzern.

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Zwei Jahre später kehrt er mit dem FC Luzern als Gegner zurück aufs Brügglifeld. Um in den Final zu ziehen – aber auch, um Frieden zu schliessen mit dem Brügglifeld.

Es gelingt ihm – und wie: Eingewechselt in der 59. Minute, vernascht er 15 Minuten später FCA-Verteidiger Bastien Conus auf dem Radius eines Bierdeckels, zieht ab und sieht den noch leicht abgefälschten Ball ins Tor fliegen.

Tasar vernascht Conus und erzielt den Siegtreffer.

Tasar vernascht Conus und erzielt den Siegtreffer.

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2:1 für die Gäste, die Teamkollegen stürzen sich auf den 24-Jährigen, auf ihren Superjoker, der zum fünften Mal in dieser Saison ein Spiel auf diese Weise entscheidet. Doch Tasar hebt die Hände, verzieht keine Miene, als wolle er sagen: «Sorry Aarau!»

Wirklich? «Natürlich freue ich mich über das Tor und über den Finaleinzug. Aber ich habe gemischte Gefühle, ja, fast ein schlechtes Gewissen. Jubeln wäre respektlos gewesen. Aarau hat mich damals zum Profi gemacht, ich hatte drei wunderschöne Jahre hier in der FCA-Familie.»

«Jubeln wäre respektlos gewesen», sagt Tasar nach der Partie.

«Jubeln wäre respektlos gewesen», sagt Tasar nach der Partie.

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Nach Spielschluss hat Tasar sich lange mit Aarau-Captain Olivier Jäckle unterhalten – worüber? «Ich habe ihm gesagt, dass Aarau einen super Fussball spielt und dass ich mir wünsche, dass der Klub bald in die Super League zurückkommt. Alle hier, von den Spielern über den Trainerstab bis zu den Fans, hätten das verdient.»

Die Aarauer verlieren das Spiel in der Phase nach dem 1:1

Bestimmt lobt Tasar seinen Ex-Klub nicht nur aus Nächstenliebe. Denn was der unterklassige FC Aarau in den 93 Minuten zuvor abliefert, hat sehr wohl Super-League-Format. Ein Klassenunterschied? Nicht erkennbar.

Ein Klassenunterschied zwischen Aarau und Luzern ist lange nicht erkennbar.

Ein Klassenunterschied zwischen Aarau und Luzern ist lange nicht erkennbar.

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Und so ist beim Heimteam nach dem Abpfiff die Enttäuschung über das Ausscheiden genauso gross wie der Stolz über den Vorstoss als einziger Challenge-League-Klub in den Halbfinal.

Am längsten zu beissen an der Niederlage wird wohl Mickael Almeida haben – und sich dabei immer wieder die Frage stellen: «Warum ist dieser Ball nicht ein paar Zentimeter weiter links am Pfosten gelandet und von dort im Tor?»

Enttäuschte Blicke bei Stojilkovic und Almeida nach dem Ausscheiden.

Enttäuschte Blicke bei Stojilkovic und Almeida nach dem Ausscheiden.

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Die Szene in der 78. Minute hat Kultcharakter: FCL-Goalie Marius Müller will einen Konter lancieren, trifft dabei aber den Rücken eines Verteidigers und von dort prallt der Ball zu Almeida, der geistesgegenwärtig reagiert, aber eben, seine Direktabnahme vom Pfosten zurück ins Feld fliegen sieht.

Das war sie, die grosse Chance auf das 2:2. Es wäre der glückliche, aber verdiente Lohn gewesen für einen starken Auftritt: Wer dachte, das frühe 0:1 in der 4. Minute durch Ndiaye nach einem Fehler von Conus wäre Gift für die Aarauer, der sah sich getäuscht. Nach dem Motto «Jetzt erst recht» powert die Mannschaft unbeeindruckt nach vorne und erzielt bereits in der 9. Minute durch Almeida das 1:1.

Der FCA liefert sich mit dem FC Luzern einen heroischen Fight im Cup-Halbfinal.

Der FCA liefert sich mit dem FC Luzern einen heroischen Fight im Cup-Halbfinal.

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Und dann folgt die Phase, in der die Aarauer rückblickend das Spiel verlieren: Bis zur 25. Minute sieht Luzern keinen Stich, wird von entfesselten Aarauern eingeschnürt und muss sich bei Goalie Müller bedanken, dass es beim 1:1 bleibt.

Aus Sicht der Aarauer hat diese Phase etwas Symptomatisches: Obwohl sie das treffsicherste Team der Challenge League sind, ist die Chancenverwertung der grosse Schwachpunkt. Mit mehr Effizienz stünde der FCA in der Liga wohl längst auf dem Barrageplatz – und vielleicht seit dem Dienstagabend auch im Cupfinal.

Es bleibt die Chance auf filmreifes Saisonende

Doch so tritt ein, was befürchtet werden musste: Mitte der zweiten Halbzeit geht den Aarauern die Kraft aus, der FCL übernimmt das Zepter und ist beim Lattenschuss von Pascal Schürpf dem 2:1 bereits sehr nahe, ehe Tasar auf den Plan tritt und das vorgeschriebene Hollywood-Drehbuch in die Tat umsetzt.

Trotz Niederlage: Noch sollten die Aarauer diese Saison nicht abschreiben.

Trotz Niederlage: Noch sollten die Aarauer diese Saison nicht abschreiben.

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Apropos: Der FC Aarau hat weiterhin die Chance auf ein filmreifes Saisonende – sprich die Qualifikation für die Barrage. Dafür braucht es wohl vier Siege in den verbleibenden vier Ligaspielen gegen Schaffhausen, Kriens, Thun und Stade Lausanne-Ouchy. Wunschdenken? Vielleicht – aber voreilig abschreiben sollte man diese Aarauer Mannschaft nicht. Schon gar nicht nach diesem heroischen Fight im Cup-Halbfinal.

Das sind die Stimmen zur Partie:

Matchtelegramm

FC Aarau - FC Luzern 1:2 (1:1)

Brügglifeld. - 100 Zuschauer. - SR: Schärer. - Tore: 4. Ndiaye 0:1. 9. Almeida 1:1. 74. Tasar 1:2.
Aarau: Enzler; Giger, Thiesson, Bergsma, Conus; Balaj (77. Aratore), Jäckle, Hammerich (77. C. Schwegler), Spadanuda (62. Stojilkovic); Almeida, Rrudhani.
Luzern: Müller; S. Schwegler (69. Grether), Burch, Knezevic, Frydek; Ndiaye, Ugrinic, Wehrmann, Schürpf; Schaub (59. Tasar), Sorgic.
Bemerkungen: Aarau ohne Schindelholz (krank), Gashi, Peralta, Qollaku, Thaler, Verboom (alle verletzt), Caserta, Hajdari, Hasani und Schneider (alle nicht im Aufgebot). Luzern ohne Binous, Ndenge, Schulz (alle verletzt), Alounga, Balaruban, Bürki, Carbonell, Jacot, Lang, Monney, Owusu und Radtke (alle nicht im Aufgebot). - 69. C. Schwegler verletzt ausgeschieden. 71. Lattenschuss Schürpf. 78. Pfostenschuss Almeida. - Keine Verwarnungen.

Spiel verpasst? Lesen Sie den Verlauf der Partie im Ticker nach: