Ringen

Mit den Routiniers kam der Untergang: Freiämter Ringer gewinnen ersten Halbfinal gegen Kriessern nur 19:17

Nach einer 13:4-Halbzeitführung brachen die Freiämter Ringer im ersten Halbfinal gegen Kriessern ein und retteten mit Ach und Krach einen 19:17-Mannschaftssieg über die Distanz. Drei Routiniers lieferten nicht die erwartete Leistung ab.

Wolfgang Rytz
Drucken
Teilen
EM-Medaillengewinner Randy Vock (oben) punktet im Schlüsselkampf bis 65 kg Freistil gegen Dominik Laritz mit einem dynamischen Einbeinangriff.

EM-Medaillengewinner Randy Vock (oben) punktet im Schlüsselkampf bis 65 kg Freistil gegen Dominik Laritz mit einem dynamischen Einbeinangriff.

Wolfgang Rytz

«Das ist wie eine gefühlte Niederlage, aber bitte nicht so schreiben», grollte Cheftrainer Marcel Leutert geknickt. Seine Zwillingssöhne hatten in der Startphase den Weg in den Final vorgezeichnet. Die beiden Zwanzigjährigen agierten auf der Matte mit einer beeindruckenden Entschlossenheit und fegten ihren Gegner in der ersten Runde von der Matte.

Als Zugabe vor der Pause gewann Randy Vock bis 65 kg Freistil den als Schlüsselkampf bezeichneten Fight gegen das grösste Schweizer Nachwuchstalent Dominik Laritz 8:4. Der Freiämter EM-Bronzemedaillengewinner taktierte geschickter als drei Wochen zuvor bei der 2:8-Niederlage. Er lauerte auf Konterchancen und nützte diese zu einer 8:0-Führung.

Aber der 19-jährige St. Galler Rheintaler powerte bis zuletzt und schnappte sich zehn Sekunden vor Abpfiff eine Viererwertung. Das kostete Freiamt zwei Mannschaftspunkte. «Nach einer harten Trainingswoche mit dem Kader in Magglingen war ich in der letzten Minute völlig leer. Mein Hirt arbeitete nicht mehr», entschuldigte sich Vock für den Patzer.

Angesichts der Freiämter Pausenführung von 13:4 schien der Lapsus verkraftbar. Immerhin standen in der zweiten Hälfte fünf erfahrene Kämpfer mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren auf der Matte.

Jähe Wende der Ostschweizer

Doch das Momentum wechselte ab dem sechsten Mattenduell auf die Seite der Ostschweizer. Die vibrierende Ambiance mit 750 lautstarken Zuschauern beflügelte plötzlich das junge Gästeteam mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren.

Dazu trug das uneinig wirkende Kampfrichtertrio bei. Marc Webers 1:8-Niederlage gegen Vizejuniorenweltmeister Ramon Betschart schien erträglich, weil einkalkuliert. Immerhin folgte danach Pascal Strebel. Doch dem Olympioniken fehlte nach halbjähriger Verletzungszeit die Wettkampfpraxis. Hinzu kam ein umstrittener Kampfrichterentscheid in der zweiten Runde mit Kriessener Bevorteilung.

Strebel siegte zwar 12:2. Aber das empörte Freiämter Lager verlor nun den Fokus auf die eigene Leistung. Der nächste Nackenschlag folgte mit dem Auftritt des 45-jährigen Freiämter Leistungssportchefs Reto Gisler. Der Urner in Aargauer Diensten haderte ebenfalls mit einem fragwürdigen Kampfrichterentscheid und verlor 1:12.

Genugtuung bei den Kriessern

Inzwischen lag Kriessern in der Teamwertung nur noch 11:18 hinten. «Nach der Pause lief fast alles für uns. Wir gewannen nun die offenen Kämpfe», resümierte Trainerschlitzohr Hugo Dietsche.

Weil zum Schluss der unberechenbare David Hungerbühler Freiamts 46-jährigen Greco-Trainer Andrey Malzew 12:5 demütigte, reduzierte Kriessern den anfänglichen «Schaden» auf 17:19.

Kriesserns Trainer frohlockte: «Das hat Marcel Leutert sicher nicht so erwartet. Ich freue mich auf den Rückkampf. Wir dürfen mit unserem jungen Team zu Hause gewinnen, Freiamt muss.»

Nationalliga A. Halbfinal. Hinkämpfe: Einsiedeln – Willisau Lions 12:25. Freiamt – Kriessern 19:17. – Rückkämpfe am Samstag, 30. November (je 20 Uhr).

Nationalliga B. Rückkampf: Thalheim – Tuggen 13:20. – Total: 32:37. – Thalheim steigt in die 1. Liga ab.

Telegramm

Freiamt – Kriessern 19:17 (13:4)

Bachmatten Muri. – 750 Zuschauer. – Motzer (Zimmermann/Mamie).

57 kg Freistil: Nils Leutert – Dorien Hutter 4:0 (18:0 nach 2:33 Minuten). – 61 kg Greco: Nino Leutert – Christoph Wittenwiler 4:0 (16:0 nach 2:29). – 65 kg F: Randy Vock – Dominik Laritz 2:1 (8:4). – 70 kg G: Pascal Strebel – David Loher 3:1 (12:2). – 74 kg F: Michael Bucher – Marc Dietsche 0:3 (0:9). – 74 kg G: Andrey Malzew – David Hungerbühler 1:3 (5:12). – 79 kg F: Reto Gisler – Tobias Betschart 1:3 (1:12). – 86 kg G: Marc Weber – Ramon Betschart 1:3 (1:7). – 97 kg F: Jeremy Vollenweider – Jürg Hutter 1:2 (1:4). – 130 kg G: Roman Zurfluh – Damian Dietsche 2:1 (5:2).

Bemerkungen: Freiamt ohne Yves Müllhaupt (verletzt), Nico Küng (überzählig) und Magomed Aischkanow (Ausland). Kriessern ohne Urs Wild und Fabio Dietsche (beide überzählig).