Kolumne

Mit wem soll ich jetzt jubeln?

Nicht nur der Spitzensport wird durch den Corona-Virus lahmgelegt. Auch die normalen Feierabend-Teamsportler dürfen nicht mehr das tun, was sie am liebsten machen: Spielen und jubeln. Die Alternative? Jogging und Home-Training. Dann doch lieber zocken an der Konsole.

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
In Zeiten von Social Distancing nicht mehr möglich: Mannschaftlicher Jubel.

In Zeiten von Social Distancing nicht mehr möglich: Mannschaftlicher Jubel.

KEYSTONE/AP/Matt Dunham

Der Ball landet im gegnerischen Tor. Die Ausschüttung der Glückshormone wird in Gang gesetzt. Das gute Gefühl stellt sich ein. Die Teamkameraden eilen herbei. Freudenschreie. Abklatschen. Umarmung. Das kollektive Gefühl der Glückseligkeit. Es gibt kaum etwas Schöneres, als diese Momente gemeinsam mit seinen Mitspielern erleben zu dürfen. So etwas gibt einem nur der Mannschaftssport. Wenn man das Erlebte dann zusammen beim Bier nochmals Revue passieren lassen kann und sich die Emotionen wieder gelegt haben, dann ist das Erlebnis perfekt.

Und das ist nun vorbei. Zumindest auf absehbare Zeit. Wobei: Absehbar ist ein grosses Wort. Man weiss wirklich nicht, wann man zusammen mit seinem Teamkollegen, sei es auf Stufe Spitzensport, sei es auf Stufe «Feierabend», wieder gemeinsam auf dem Platz oder in der Halle stehen wird. Das Corona-Virus hat das öffentliche Leben und somit auch sämtliche Sportaktivitäten zum Erliegen gebracht. Zumindest die kollektiven.

Vielleicht nach den Sommerferien wieder?

Ist man Realist genug, dann hofft man, nach den Sommerferien, also irgendwann im August, wieder mit dem regulären Trainingsbetrieb beginnen zu können. Das mag angesichts der dramatischen Entwicklungen der letzten Tage völlig unwichtig sein. Aber eben: Letztlich ist es eine dieser Einschränkungen, die uns alle unmittelbar betreffen. Der soziale Austausch im Zusammenhang mit der sportlichen Betätigung fehlt ebenso wie die gemeinsame Theaterprobe oder die Vorstandssitzung eines Vereins.

Aber zurück zum Sport: Was tun in Zeiten der sozialen Isolation? Wo holt man sich die Glückshormone, die beim erfolgreichen Torschuss fliessen? Der Jogging-Fanatiker sagt: «Geh in den Wald laufen!» Das tönt ja alles schön und gut. Aber joggen ist so schrecklich langweilig. Klar: Man kann gegen die Zeit ankämpfen, Streckenrekorde aufstellen oder den Vita-Parcours mit seinen verschiedenen Übungen absolvieren. Aber ein Ersatz für das kollektive Freuden-Erlebnis ist das nicht. Zumal man ja nicht mal mehr zu zweit joggen sollte. Wie wäre es mit Krafttraining in den eigenen vier Wänden? Oder Gymnastik? Gott bewahre! Viel dröger und eintöniger kann sportliche Betätigung gar nicht sein.

Mit seinen Lieblingsklubs kann man bekanntlich auch schon lange nicht mehr mitfiebern – im Guten, wie im Schlechten. Dieser emotionale Kick ist ebenfalls keine Option mehr. Selbst der Passivsportler ist also zur Untätigkeit verurteilt.

Flucht in die virtuelle Realität

Bleibt nur noch die Flucht in die virtuelle Realität. Vor dem Bildschirm lässt sich zumindest simulieren, wie es sein könnte, wenn der sportliche Alltag seinen normalen Lauf nehmen würde. Also: Spielkonsole raus, Controller einstecken und los geht’s! Mit der nötigen Fingerfertigkeit stellen sich schnell die ersten Erfolgserlebnisse ein. Und, das beste ist: Man kann sich sogar mit seinen Kollegen messen. Zwar nur online, aber immerhin. Sport ist und bleibt die schönste Nebensache der Welt. Er ist angesichts der dramatischen Ereignisse umso mehr genau das: eine Nebensache. Vermissen tun wir ihn trotzdem.