Eisstockschiessen

Nach dem Spiel ist vor der Beiz

Beim Eisstockschiessen ist der soziale Aspekt mindestens so wichtig die der sportliche. Die AZ hat den Aarauer Eisstockclub im Training besucht.

Mirco Klaus
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Eisstockschiessen

Aargauer Zeitung

Mittwochabend auf der offenen Kunsteisbahn Aarau. Die missliche Wetterlage – es regnet und die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt – lockt nicht viele Leute aufs Eis. Doch ein abgesperrter Bereich am Ende des Eisfeldes macht auf sich aufmerksam. «Ist doch offensichtlich, dass mein Stock näher liegt.» «Deine Augen sind aber auch nicht mehr die besten», klingt es aus der Ecke und ein lautes Gelächter bricht aus. Es sind die «Stöckler» vom Eisstockklub Aarau, die dem Wetter trotzen und ihrem liebsten Hobby nachgehen.

Eisstockschiessen ist wohl nur den älteren Semestern ein Begriff – dort findet es auch den grössten Anklang. Der Ablauf ist ähnlich wie beim Curling. Die zwei Teams, bestehend aus je vier Spielern, versuchen ihre Stöcke so nahe wie möglich an die «Daube» zu legen. Dieser kleine Gummiring ist das wichtigste Element im Spiel.

Zu Beginn liegt die «Daube» auf dem Mittelkreuz, sie kann allerdings innerhalb des Spielfeldes, durch den Kontakt mit den Stöcken, verschoben werden. Dank dieser Regel kann der Gummiring mit dem letzten Stock noch das ganze Spiel auf den Kopf stellen.

Obwohl die «Stöckler» von Aarau die Regeln sehr genau nehmen und es oft längere Diskussionen gibt, steht das Ergebnis nicht im Vordergrund. «Wir treffen uns einmal in der Woche, um uns sportlich zu betätigen und vor allem eine gute Zeit zu haben. Es ist ein geselliges Treffen, wir reden über Gott und die Welt und geniessen die Zeit an der frischen Luft. Schön ist auch, dass wir das ganze Jahr spielen können. Im Winter auf Eis und im Sommer auf Asphalt», so der 69-jährige Walter Fuchser.

Es gäbe auch eine Mannschaftsmeisterschaft im Eisstockschiessen, doch die Aarauer haben nur zwei lizenzierte Spieler und darum bestreiten sie keine Ernstkämpfe. «Früher spielten wir noch öfter an Wettkämpfen. Heute fehlen uns die lizenzierten Spieler, es ist schwierig, neue Leute für die Sportart begeistern zu können», sagt der Präsident Robert Vetsch (80).

Es ist tatsächlich auffallend, dass das Durchschnittsalter extrem hoch ist. Kaum ein Spieler ist unter 60 Jahren und nach oben ist die Grenze offen, auch über 80-Jährige werfen hier die Stöcke noch gekonnt übers Eis. «Es wäre sehr schön, würden mehr Junge oder auch Frauen den Weg zu uns finden, aber da die Turniere oft in Regionen wie Flims ausgetragen werden, müsste man um halb vier morgens aufstehen. Und das ist für die Jungen nicht sehr attraktiv», erklärt sich Walter Fuchser die Stagnation.

Dann wird der Regen immer stärker und die Männer hadern mit den Bedingungen. Durch das Wasser wird das gerippte Eis glatt und die Präzision leidet, da ein schöner Abschwung ohne guten Halt unmöglich ist. So wird kurzfristig entschieden, das Training abzubrechen. «Mit meinen 82 Jahren ist es mir zu gefährlich auf dem Glatteis. Die Verletzungsgefahr ist zu gross. Wir gehen lieber schon jetzt in das Restaurant und trinken dafür einen mehr», sagt Ernst Kaspar lachend.

Doch nicht alle sehen es so sportlich: «Es ist oft lange unklar, ob wir überhaupt auf das Eis können. Die marode Anlage bedarf vieler Sondereinsätze der Eismeister und könnte täglich stillstehen. Eine Renovation und eine Überdachung wären dringend nötig, auch, um den Eisstocksport attraktiver zu machen», so der Robert Vetsch.