FC Baden

Nach Turbulenzen wieder in Baden gelandet – Joël Bonorands Traum von der Challenge League lebt aber weiter

Torhüter Joël Bonorand stand schon mit einem Bein beim FC Aarau in der Challenge League zwischen den Pfosten. Nun ist er beim FC Baden zurück in der 1. Liga – den Traum von einer höheren Berufung hat der 18-Jährige aber noch nicht aufgegeben. In der Rückrunde will er mit Baden brillieren.

Alessandro Crippa
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Joël Bonorand

Joël Bonorand

freshfocus.ch

Donnerstag, 9. Januar 2020. Das Handy von Joël Bonorand klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Flamur Tahiraj. Der Torhütertrainer des FC Aarau informiert den zum FC Baden ausgeliehenen Bonorand, es bestünde die Möglichkeit, dass er mit dem FCA ins Trainingslager nach Belek fliegen müsse. Der Grund dafür: Marvin Hübel, die nominelle Nummer 3 bei Aarau, habe sich verletzt.

An und für sich kein Problem, ginge der Flug nicht bereits am folgenden Tag, dem 10. Januar. Turbulenzen künden sich an – zumindest in organisatorischer Hinsicht.

Bei Bonorand, zurzeit mitten in der Berufslehre zum Elektroplaner, muss alles schnell gehen. Sein Lehrbetrieb kooperiert, gibt kurze Zeit später grünes Licht. Der junge Torhüter fliegt in die Türkei. Während des Trainingslagers verletzt sich dann auch noch die Nummer 1 des FCA, Nicholas Ammeter. Er kehrt verletzt in die Schweiz zurück, weshalb Bonorand weiterhin in den Trainingsbetrieb von Patrick Rahmens Team integriert bleibt.

Challenge-League-Debüt? Die Hoffnungen werden grösser – und zerschlagen sich

Am 21. Januar, vier Tage vor Aaraus Rückrundenstart gegen Lausanne-Ouchy, steht das Testspiel zwischen Aarau und Baden an. Ammeter, noch immer verletzt, sitzt auf der Tribüne. Bonorand spielt im FCA-Kasten und hält diesen souverän sauber. Inzwischen ist sogar Bonorands Leihvertrag aufgelöst worden. Er ist wieder für den FC Aarau, seinen Stammklub, spielberechtigt. Die Hoffnung, dass er am darauffolgenden Wochenende sein Debüt in der Challenge League geben kann, keimt auf – doch es kommt anders. Ammeter wird doch noch fit, der Leidtragende ist Bonorand. Er wird zum FC Baden in die 1. Liga zurückgeschickt.

Es wäre sicher schön gewesen, wenn ich diese Erfahrung beim FC Aarau in der Challenge League hätte machen dürfen.

(Quelle: Joël Bonorand, Torhüter FC Baden)

Nach seinem 18. Geburtstag am 11. Februar wird ein neuer Leihvertrag aufgesetzt. Dieser gilt bis Ende Saison. Die Turbulenzen dürften nun vorbei sein. Nachdem der FC Baden am vergangenen Samstag seine letzte Testpartie vor Wiederbeginn der Meisterschaft bestritten hat, nimmt sich Bonorand Zeit für ein Gespräch. Dabei gibt er unumwunden zu: «Es wäre sicher schön gewesen, wenn ich diese Erfahrung beim FC Aarau in der Challenge League hätte machen dürfen.» Andererseits war er so auch nicht dem ungeheuren Druck ausgesetzt. Vielleicht sagt er deshalb: «Es ist aber auch okay, dass ich nicht spielen musste.»

Neben dem Platz ist Bonorand, der Neffe und Göttibub des designierten FCA-Präsidenten Philipp Bonorand, ein ruhiger Zeitgenosse. Während der Spiele kann er aber auch mal laut werden. Im Spiel muss er auch dem doppelt so alten Juan Pablo Garat Anweisungen zurufen. Daran musste er sich anfänglich gewöhnen. «Es war speziell, weil ich zuvor eigentlich nur mit Gleichaltrigen gespielt habe.» Doch auch die erfahrenen Mannschaftskollegen hätten ihn aufgefordert, dass er klar mit ihnen kommuniziere. «Es ist wichtig für die Spieler, dass ich mich bemerkbar mache und sie wissen auch, dass ich ihnen nur helfen will.»

Der FC Baden startet am Samstag in die Rückrunde

Trotz seiner erst 18 Jahre macht Bonorand nicht den Eindruck eines klassischen Grünschnabels. Seine Antworten im Gespräch spricht er in verblüffender Selbstverständlichkeit und mit viel Bedacht aus. Ausserdem ist er auch selbstkritisch, das liegt in seinem Naturell. Beispielsweise sagt er: «In der Vorrunde hat mein Timing auf Bälle in die Tiefe nicht immer gestimmt. Mein persönliches Ziel ist, das für die Rückrunde zu verbessern.»

Der FC Baden nimmt am Samstag den Meisterschaftsbetrieb wieder auf. Gegner ist die U21 des FC Luzern. Die Badener um Trainer Ranko Jakovljevic sind derzeit im fünften Rang klassiert. Baden bläst deshalb in der Rückrunde zum grossen Angriff auf die Spitzenplätze, denn der Aufstieg ist das Ziel.

Torhüter Bonorand zeigt sich erneut selbstkritisch und sagt: «Wir haben zwar immer wieder gute Leistungen gezeigt, waren meistens das bessere Team. Schade, dass wir zwischendurch dumme Gegentore bekommen haben. Das müssen wir unbedingt abstellen.»

Bonorand will selbstverständlich mithelfen, diese «dummen Gegentore» in der Rückrunde zu verhindern. Und wie geht es danach mit ihm weiter? Er weiss es nicht, macht sich aber auch noch nicht zu viele Gedanken. «Ich konzentriere mich jetzt voll auf den FC Baden», sagt er. Und wer weiss, vielleicht brilliert er in der Rückrunde mit derart starken Leistungen, dass sich sein Traum von einem Einsatz in einer der höchsten Schweizer Ligen schon in der nächsten Saison erfüllt.