Challenge League

Optimismus trotz Nullnummer: Der FC Aarau und GC teilen sich im Letzigrund die Punkte

Der FC Aarau und der Grasshopper Club trennen sich im Letzigrund mit einem torlosen Unentschieden. Nach dem Stadion-Ja verpasst der FC Aarau zwar den Sieg gegen GC, weckt aber Hoffnungen für die Aufholjagd.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen
Fussball, Challenge League, 15. Runde, Grasshopper - FC Aarau (24. November. 19)
20 Bilder
Der Distanzschuss von Marco Schneuwly bleibt ohne Ertrag.
Kevin Spadanuda (l.) versucht sein Glück – GC-Keeper Salvi aber pariert den Schuss des FCA-Spieler.
Raoul Giger (r.) setzt sich im Zweikampf gegen Petar Pusic (l.) durch
GC-Trainer Uli Forte ist unzufrieden: Der FC Aarau bietet GC Paroli.
Auch die Einwechslung von Stefan Maierhofer (z.v.l.) ändert nichts am Ergebnis.
Aarauer Giuseppe Leo (r.) im Kopfballduell mit Baba Souare (l.).
Gefährliches Spiel von GC-Spieler Roberto Alves (l.) – Glück für FCA-Spieler Raoul Giger (r.), dass er nicht im Gesicht getroffen wird. Diese Aktion hätte auch anders enden können.
Alounga (r.o.) verpasst die Führung für Aarau. Die erste Halbzeit im Letzigrund endet 0:0.
Die Aarauer Defensive wirkt gegen GC stabiler als auch schon.
Kevin Spadanuda (r.) mit der erfolgreichen Grätsche gegen Nikola Gjorgjev (l.).
FCA-Rückkehrer Olivier Jäckle (u.) mit vollem Einsatz gegen GC-Spieler Salatic.
Starker Vorstoss des FC Aarau: Der Schuss von Kevin Spadanuda (r.) wird aber noch von einem GC-Spieler übers Tor gelenkt.
Wenige Torchancen in der Startphase: Es ist eine Partie auf Augenhöhe.
In Aarau und in Zürich kämpfen die Fans um ein neues Stadion.
FCA-Spieler Thiesson (r.) kämpft gegen Gjorgjev um den Ball.
Holt der FC Aarau im Letzigrund gegen GC die drei Punkte?
Die beiden Teams sind bereit für den Knüller im Letzigrund.
Mit dieser Choreographie empfangen die mitgereisten FCA-Fans nach dem doppelten Stadion-JA ihre Mannschaft im Letzigrund.
Die beiden Teams wärmen sich für den Knüller auf. Für den FCA geht es heute um wichtige Punkte im Kampf um den Barrage-Platz.

Fussball, Challenge League, 15. Runde, Grasshopper - FC Aarau (24. November. 19)

freshfocus

Mehr Ballbesitz, mehr Torchancen, mehr Eckbälle und die feinere Spielanlage als der Gegner: Der FC Aarau ist an diesem Sonntag im Letzigrund die bessere Mannschaft und steht dem Sieg vor allem in der ersten Halbzeit näher. Dass es am Ende gegen GC trotzdem 0:0 steht, müsste für betrübte Gemüter bei den Gästen sorgen.

Doch nicht an diesem 24. November, an dem das Aarauer Stimmvolk zwei Mal deutlich «Ja» sagt zum Stadion-Neubau im Torfeld Süd und somit dem FC Aarau ermöglicht, am mittelfristigen Ziel Super-League-Aufstieg festzuhalten. An diesem Tag hätte sogar eine Niederlage nichts an der Grundstimmung geändert hätte: «Wir haben gewonnen!»

Wir sind nach dem Tief im Oktober zurück auf dem richtigen Weg.

(Quelle: Patrick Rahmen, Trainer FC Aarau)

So sind es abgekämpfte, aber zufriedene Gesichter, die nach Spielschluss in den Stadion-Katakomben erscheinen. Allen voran Trainer Patrick Rahmen, der seine Freude über die erfolgreich gemeisterte Stadion-Hürde mit allen teilt.

«Natürlich hätten wir auf dem Rasen gerne nachgedoppelt und GC geschlagen. Es war dennoch ein sehr stabiler Auftritt von uns, dem die Krönung fehlte. Das Spiel hat mich bestärkt in der Meinung, dass wir nach dem Tief im Oktober zurück auf dem richtigen Weg sind.»

Das hat auch mit zwei Rückkehrern zu tun: Sowohl Jérôme Thiesson (linker Verteidiger) als auch Olivier Jäckle (zentrales Mittelfeld) demonstrierten im ersten Einsatz nach langer Zwangspause ihre Wichtigkeit für das Gesamtgefüge.

Talent für die Zukunft – starke Parade von Ammeter

Der dritte Startelf-Neuling war Flügelstürmer Yvan Alounga, der mit seiner Spielart an den jungen Breel Embolo erinnert, gleichzeitig mit konfusen Aktionen seine erst 17 Jahre nicht verbergen kann: Etwas mehr Routine - und Alounga hätte in der 33. Minute drei Meter vor dem GC-Tor nicht ein Abspiel versucht, sondern den Ball einfach ins verlassene Tor geköpfelt.

Auf der anderen Seite brauchte es für den Punktgewinn eine starke Intervention von Aarau-Goalie Nicholas Ammeter bei der einzigen nennenswerten GC-Chance. Das war in der 58. Minute, danach plätscherte das taktisch geprägte, aber emotionslose Spiel bis zum Schlusspfiff vor sich hin.

Warum der Barrageplatz noch nicht ausser Reichweite liegt

Die Partie hat aus FCA-Sicht neben der wiedergewonnenen Stabilität aufgezeigt, wie viel möglich ist in dieser Saison: Wenn dieses uninspirierte GC unangefochtener Tabellenzweiter der Challenge League ist, könnte dort auch der in keinem Mannschaftsteil schlechtere FC Aarau stehen.

Anders gesagt: Wenn in den verbleibenden vier Vorrunden-Spielen der Rückstand von acht Punkten auf die Hoppers nicht grösser wird, liegt analog zum vergangenen Frühling in der Rückrunde die Aufholjagd in die oberste Tabellenregion drin.

«Warum geht das nicht schneller?»

FC Aarau Sonntag, 12 Uhr: Marco Thaler sitzt im Stadion Brügglifeld wie auf Nadeln. Der 25-jährige Innenverteidiger des FC Aarau verfolgt auf Aargauer Zeitung.ch den Liveticker zur Stadion-Abstimmung. Seine Nerven liegen blank.

Die Spannung ist kaum auszuhalten. Thaler kann, ja will nicht verstehen, warum es mit der Bekanntgabe des Resultats so lange dauert. «Ich bin fast durchgedreht, habe richtiggehend gelitten und fragte mich, warum das nicht schneller geht», sagt Thaler.

20 Minuten später wurde der FCA-Abwehrspieler erlöst. Logisch, dass er seiner Freude freien Lauf lässt. «Ich bin total erleichtert und glücklich. Das deutliche Doppel-Ja fühlt sich an wie ein Sieg. Für mich und meine Teamkollegen ist es exakt die Motivationsspritze, die wir vor dem Auswärtsspiel gegen GC brauchen. Jetzt sind wir an der Reihe. Schliesslich wollen wir nicht nur neben sondern auch auf dem Spielfeld gewinnen.»

Fünfeinhalb Stunden nach dem Abstimmungserfolg im Kampf um das Stadion im Torfeld Süd sieht die Welt von Thaler nicht mehr ganz so rosig aus. Das 0:0 gegen GC ist für den FC Aarau zwar alles andere als ein schlechtes Resultat, aber es wäre mehr dringelegen.

«Wir hatten ein Chancenplus und waren dem Sieg näher als die Zürcher», erklärt der FCA-Captain nach dem Schlusspfiff. «Mit dem Punkt bin ich aber nicht unzufrieden. Immerhin hatte GC nach einer Stunde die grösste Chance des Spiels.»

Tatsächlich: Hätte Torhüter Nicholas Ammeter die hochkarätige Möglichkeit von Giotto Morandi nach 58 Minuten nicht mit einer Glanzparade zunichte gemacht, wäre der FC Aarau am Ende womöglich sogar ohne Punkt geblieben. Aber eine Niederlage hätte nun wirklich nicht zu diesem erfreulichen Sonntag gepasst. (Ruedi Kuhn)

Ob der Barrage-Platz vom FCA sogar zum offiziellen Ziel ausgerufen wird, hängt vom Investitionswillen in der Winterpause ab: Mit der Verpflichtung von Shkelzen Gashi, die wohl Anfang Dezember offiziell wird, ist es nicht getan: Um einen gestandenen Innenverteidiger kommt der FCA nach dem Eindruck der vergangenen Wochen nicht herum, will er ein Spitzenteam sein – darüber sollte die solide Abwehrleistung gegen GC nicht hinwegtäuschen.

Fakt ist: In den nächsten Tagen werden Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen beim designierten Präsidenten Philipp Bonorand vorstellig, um sich über ihre und dessen Gedanken zur Rückrunde und zur nächsten Saison auszutauschen. Rahmen vielsagend: «Ich bin ein ambitionierter Trainer und überzeugt, dass auch die Klubführung die gewonnene Stadion-Abstimmung für eine sportliche Euphorie nützen will.»

Wer weiss, vielleicht wurden schon am Sonntagabend im Restaurant Bären in Kölliken erste Zukunftspläne geschmiedet: Dort traf sich am Sonntagabend die Spitze des FC Aarau mit Sandro Burki und Patrick Rahmen, um das Stadion-Ja zu feiern. Und Insider wissen: Im Lokal von Präsident Alfred Schmid sind schon einige Coups geboren.

Telegramm

Grasshopper Club Zürich - FC Aarau 0:0

Letzigrund. - 5'150 Zuschauer. - SR: Jaccottet. - Tore: Fehlanzeige.

GC: Salvi; Arigoni, Basic, Souare, Wittwer; Salatic, Diani (77. Buff); Pusic (83. Rustemoski), Morandi (70. Subotic), Gjorgjev (87. Alves); Ben Khalifa.

Aarau: Ammeter; Giger, Leo, Thaler, Thiesson (82. Mehidic); Jäckle (78. Hammerich), Serey Dié: Alounga (79. Schneuwly), Neumayr, Spadanuda; Rossini (65. Maierhofer).

Bemerkungen: Aarau ohne Corradi, Pepsi, Peralta, Zverotic (alle verletzt), Balaj, Lujic, Misic und von Arx (alle nicht im Aufgebot). GC ohne Cabral, Cvetkovic (beide gesperrt), Goelzer, Njie (beide verletzt), Kamber, Monzialo und Sukacev (alle nicht im Aufgebot). - Verwarnungen: 37. Ben Khalifa, 42. Rossini, 61. Basic, 73. Neumayr, 80. Subotic (alle Foulspiel).

Sie haben die Partie verpasst? Lesen Sie im Liveticker alles zur FCA-Partie gegen GC nach.