Basketball

Plötzlich sind die Aargauer nur noch ein Titelkandidat unter vielen

Nach einer turbulenten Sommerpause startet der BC Alte Kanti Aarau in die neue Saison. Mit einer Mannschaft, die sich gegenüber der letzten Saison sehr stark verändert hat.

Fabio Baranzini
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Aaraus Neuzuzüge Andrija Jakovljevic, James St. Roberts, Nico Dohnke und Léonard Marchand (v.l.) sollen die nach den vielen Abgängen entstandene Lücke schliessen. Baranzini

Aaraus Neuzuzüge Andrija Jakovljevic, James St. Roberts, Nico Dohnke und Léonard Marchand (v.l.) sollen die nach den vielen Abgängen entstandene Lücke schliessen. Baranzini

Bei den Basketballern der Alten Kanti Aarau ist in der Sommerpause kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Vom Kader der ersten Mannschaft, die Ende Mai den zweiten Nationalliga-B-Meistertitel in Folge feiern konnten, waren beim Trainingsstart Anfang August nur noch fünf mit dabei. Nicht weniger als acht Akteure haben den Verein, der den Aufstieg in die höchste Spielklasse zum zweiten Mal nicht wahrgenommen hat, verlassen. Darunter wichtige Teamstützen wie Flügelspieler und Defensivkünstler Ivan Castro und die Center Roman Albrecht und Mladen Radic. Vor allem der Abgang von Radic ist für die Aarauer schmerzhaft. Der Bosnier war letzte Saison der zweitbeste Werfer des Teams und steuerte im Schnitt 19 Punkte pro Spiel bei.

Schwierige Gratwanderung

Doch wie kommt es, dass trotz zwei Titelgewinnen in Folge mehr als die Hälfte des Kaders den Verein verlässt? Die Gründe für die Abgänge ähneln sich. Der zeitliche Aufwand sei zu gross, um neben dem Beruf oder der Ausbildung Basketball zu spielen, so der Grundtenor. Ist es also nur Zufall, dass so viele Spieler aus demselben Grund weggehen? Diese Erklärung würde wohl zu kurz greifen. Das Aarauer Trainerteam um Chefcoach Milenko Tomic muss sich den Vorwurf gefallen lassen, von seinen Spielern in der letzten Saison viel gefordert zu haben – vielleicht zu viel. «Wir machten nicht mehr als andere Vereine, aber die Qualität und die Intensität der Trainings war schon immer sehr hoch», sagt Tomic.

Der Erfolg gibt dem 48-Jährigen recht, und es wäre auch nicht fair, ihm die Schuld für die vielen Abgänge in die Schuhe zu schieben. Doch gerade in Randsportarten, wo vorwiegend Amateursportler im Einsatz stehen, ist es besonders schwierig, die richtige Dosierung zwischen Sportkarriere und Berufsalltag zu finden – vor allem dann, wenn man so erfolgsorientiert arbeitet wie Profitrainer Tomic. Eine Gratwanderung, die dem BC AKA in der letzten Saison nicht wie gewünscht gelungen ist. So mussten sich die Aarauer in der Sommerpause auf Spielersuche begeben. Doch diese verkam zum Spiessrutenlauf.

«Es tut weh»

Dem Verein aus der Kantonshauptstadt fehlen nach wie vor die Sponsoren und damit auch das nötige Kleingeld, um adäquate Ersatzspieler zu verpflichten. «Es tut weh, wenn man sieht, dass ein geniales Projekt, wie dasjenige in Aarau, an der mangelnden Unterstützung aus der Region zu scheitern droht», sagt Tomic und meint damit die ungenügende Infrastruktur in der Telli-Halle und die fehlenden finanziellen Mittel. «Der Verein ist an einem Punkt angelangt, wo er ohne fremde Hilfe nicht mehr weiterkommt. Wir gehören zur nationalen Spitze und hätten letzte Saison ein Team gehabt, das Nati-A tauglich gewesen wäre. Doch ohne Halle und ohne Geld ist das für uns nicht möglich.»

Kader verliert an Breite

Die Situation auf dem Transfermarkt hat sich für die Aarauer zusätzlich verkompliziert, weil die Liga-Konkurrenten Küsnacht-Erlenbach und Swiss Central Basket ihr Budget aufgestockt und so den Aarauern gleich mehrere Wunschspieler vor der Nase weggeschnappt haben. Mit Léonard Marchand, James St. Roberts, Nico Dohnke, Andrija Jakovljevic und dem ehemaligen NLA-Spieler Michael Jacobsen sowie den eigenen Nachwuchsspielern Petar Bozic, Vedad Ibragic und Marko Vujacic konnte die grosse Lücke im Kader zahlenmässig geschlossen werden. Als Transfersieger startet die Alte Kanti jedoch sicher nicht in die neue Saison. «Unser Kader ist weniger breit als in der letzten Saison, aber die Stimmung im Team ist super und die Jungs arbeiten sehr gut», lobt Tomic.

Konkurrenz auf Augenhöhe

Die Aarauer werden die Liga also nicht mehr nach Belieben dominieren wie noch im Vorjahr, als die Truppe in der gesamten Saison lediglich ein einziges Spiel verloren hatte und überlegen Meister wurde. Konkurrenzfähig ist das Team aus der Kantonshauptstadt aber trotzdem, zumal es mit Dejan Hohler den wahrscheinlich besten Spieler der Liga in den eigenen Reihen weiss. Mit Vevey, Pully, Küsnacht, Swiss Central und Nyon sind jedoch fünf Konkurrenten am Start, die sich mindestens auf Augenhöhe befinden. Man darf also gespannt sein, wie sich die Aarauer dieses Jahr schlagen.